Angesagt – Michael Palm

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Sehr geehrter Herr Michael Palm,

Sie sind seit Mitte der 90er Jahre ein erfolgreicher Spieleautor. Aber bevor Sie zum Spielen gekommen sind, haben Sie Jura studiert. Und neben dem Spiele-Erfinden betreiben Sie auch mehrere Spielgeschäfte.

Die Redaktion: Sie haben vor kurzem Ihr Spiel Étoile im Verlag Clemens Gerhards e.K. veröffentlicht. Um was geht es in diesem Spiel?

Michael Palm:Étoile” ist ein kniffliges Taktikspiel für 2 oder 3 Spieler. Jeder versucht das klare Ziel zu erfüllen, vier eigene Murmeln in eine Reihe zu bringen, doch während des Spiels darf man sowohl eigene, als auch gegnerische Murmeln bewegen. Und wie man es von der Firma “Gerhards” kennt, wurde die Spielidee mit traumhaftem Spielmaterial aus Holz umgesetzt.

Die Redaktion: Clemens Gerhards ist ja ein Verlag, der mit Naturstoffen als Spielmaterial arbeitet. Ist der Umgang mit Naturstoffen als Spielmaterial für Sie reizvoller als das klassische Material?

Michael Palm: Bei der Entwicklung eines Spieles denke ich zunächst nicht an die Art des Materials. Doch selbstverständlich sind Naturstoffe angenehmer und haptischer als künstliche Materialien.

Die Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spieleautor zu werden? Schließlich kommen Sie aus einer „Juristenfamilie“.

Michael Palm: Schon als Kind und Jugendlicher veränderte ich bestehende Spiele. Bestimmt gab es aber viele andere auch, die nach zehn Partien “Risiko” mal neue Länder auf die Karte einzeichneten. Dann versuchte ich, eigene Spielideen umzusetzen.

Die meisten blieben aber zunächst unveröffentlicht. Glücklicherweise erlaubten mir meine Eltern während meines Studiums dann mit drei Freunden den “Seetroll” zu eröffnen. Und so wurde das Studium langsam weniger beachtet und das Hobby “Spiel” zum Beruf. Es gäbe sonst auch zu viele Juristen.

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Die Redaktion: Wie lange arbeitet ein Spieleautor an einem Spieltitel, zum Beispiel an Étoile?

Michael Palm: Die Zeit, die man für das Entwickeln eines Spiels benötigt, hängt von vielen Faktoren ab. Kleine Kartenspiele benötigen meist weniger Zeit als komplexe Brettspiele. Manchmal verlaufen schon erste Testrunden reibungslos, andere zeigen, dass noch viele Veränderungen notwendig sind. Für “Étoile” habe ich etwa vier Monate benötigt.

Die Redaktion: Welches Spielgenre liegt Ihnen dabei am meisten?

Michael Palm: Ursprünglich komme ich aus der Ecke der komplexen Spiele. Nach wie vor veröffentliche ich mit meinem Kollegen Lukas Zach Spiele in diesem Bereich. Beispiele dafür sind unsere Spiele “Die Zwerge” oder “Aventuria” in der Welt des schwarzen Auges. Doch zunehmend entwickeln wir Spiele für Kinder oder Familie wie “Bang! Würfelspiel”, “Bim Bamm!” oder “Bücherwurm”. Bestimmt sind da unsere eigenen Kinder Schuld…

Die Redaktion: Wie findet man eigentlich Ideen für die Spiele? Denn wenn man ehrlich ist, sind manche Spielideen einfach und simpel und man fragt sich, warum noch keiner darauf gekommen ist.

Michael Palm: Ja, das stimmt. Solche Spiele zu entwickeln ist meist jedoch schwieriger. Es gibt keine sichere Formel, um ein erfolgreiches Spiel zu entwickeln. Mal kommt eine Idee kurz nach dem Aufwachen, manchmal im Auto oder im Zug. Wichtig ist, dass man die guten Ideen von den Hirngespinsten trennen kann.

Die Redaktion: Wie sucht ein Verlag ein Spiel aus, das dann in das Verlagsprogramm aufgenommen wird?

Michael Palm: Oh, da müssten Sie eher die Verlage fragen. Natürlich hat jede Firma eine Vorstellung, welche Art von Spielen sie veröffentlichen wollen. Oft existieren ja bereits Spielreihen, die fortgesetzt werden sollen. Und bestimmt kommt auch mal der wichtige persönliche Geschmack der Redaktion dazu.

Die Redaktion: Wie lange hat es eigentlich gedauert, dass dieses Spiel veröffentlicht wurde?

Michael Palm: Ich kannte die Firma “Gerhards” ja bereits als Händler und habe ihr dann auf einer Messe “Étoile” vorgestellt. Sie nahm das Spiel dann mit und setzte nach weiteren Testrunden das Spiel in Holz um. Nach einem guten Vierteljahr war es dann lieferbar.

Die Redaktion: Wie ist eigentlich der Alltag eines Spieleautors. Wird da nur gespielt, so nach dem Motto der „ganze Arbeitstag ist ein Spiel“?

Michael Palm: Viele Kollegen, die Spiele entwickeln, haben auch einen “richtigen” Beruf. In meinem Fall hat dieser dank des Seetrolls auch mit Spielen zu tun. Und deshalb wird zwar nicht nur, doch sehr viel gespielt. Und es macht nach wie vor viel Spaß!

Die Redaktion: Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, wenn diese auch gern Spieleautor werden wollen?

Michael Palm: Dran bleiben. Viele basteln am ersten Prototyp einer Spielidee und lassen sich dann durch das Durcheinander der ersten Testrunden abschrecken. Man sollte versuchen, dieses Chaos zu überwinden. Und natürlich noch einen “richtigen” Beruf wählen.

Die Redaktion: An was können Sie sich dabei erinnern? Was war Ihnen aus heutiger Sicht dabei wichtig? Und was haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Michael Palm: Meine Omi war leidenschaftliche Spielerin von Halma und Canasta. Meine Nenn-Oma in der Nachbarschaft brachte mir “Elfer raus” und ein altes Spiel mit Druckknöpfen bei. Alle diese Spiele weckten meine Leidenschaft.

Dabei hatte ich nie im Sinn, einmal Spieleautor zu werden. Dies ergab sich. Auch nach den ersten Veröffentlichungen denkt man nicht, dass es nun der eigene Beruf sei. Doch so langsam gebe ich es zu.

Die Redaktion: In Deutschland wird schon immer sehr viel gespielt. Wie können Eltern dabei das richtige Spiel für ihre Kinder finden?

Michael Palm: Am besten ist, wenn man zunächst nicht nur auf die pädagogisch wichtigen Ratschläge achtet. Wichtig ist, dass Kinder Spaß am Spiel finden. Später ziehen junge Spielerinnen und Spieler aus einer Partie dann meist ihre eigene “Lehre”.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Michael Palm: Ich möchte weiterhin mit meinem Kollegen Lukas Zach Spiele veröffentlichen, die begeistern und Spaß machen. Ansonsten versuchen meine Frau und ich, unseren beiden Söhnen (3 Jahre und 4 Monate) zu vermitteln, wie schön es ist, zu spielen.

Wir bedanken uns recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Michael Palm: Ich danke Ihnen.

Ihr
Wilfried Just

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 3221 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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