Angesagt – Göran Kullberg

Bildquelle Brio

Sehr geehrter Herr Göran Kullberg,
Sie sind seit 2006 Global Head of CSR and Quality bei BRIO. Aber im Unternehmen selber sind Sie schon viel länger, denn Sie haben 1978 in der Produktion bei BRIO begonnen.

Was sind eigentlich Ihre Aufgaben als Global Head of CSR and Quality und wie wird man dies überhaupt?

Göran Kullberg: Ich bin Qualitätsmanager bei BRIO, seitdem wir unsere Produktionsstätte im Jahre 2005/2006 von Schweden nach China verlagert haben. In diesen Jahren beschäftigten wir uns stark mit der Einhaltung sozialer Mindeststandards für unser Spielzeug und führten den ICTI Verhaltenskodex in unserem Unternehmen ein.

Im Großen und Ganzen bin ich also dafür verantwortlich, unsere Produkte auf gewisse Qualitätsansprüche zu testen und auf faire, sichere und humane Arbeitsbedingungen zu achten. Das gilt ebenso für unsere Lieferanten, welche die Materialien liefern.

Die Redaktion: Seit 1884 gibt es Brio und diese Marke verpflichtet auch. Kinderspielzeug muss immer entsprechenden Qualitätsstandards entsprechen. Was passiert mit einem Produkt, bevor es überhaupt beim Kunden ankommt?

Göran Kullberg: Bevor ein neues BRIO-Spielzeug auf den Markt kommt, muss es eine strenge Qualitätsprüfung durchlaufen. Von diesen Tests führen wir mittlerweile weit mehr als 1.000 im Jahr durch – und das nicht nur, wenn wir ein neues Material verwenden oder eine neue Funktion integrieren möchten. Es gibt heutzutage unzählige gesetzliche Vorschriften und Richtlinien, an die wir uns halten müssen.

So unterziehen wir die Produkte zum Beispiel umfassenden Haltbarkeitsprüfungen, in deren Rahmen sie Tausenden von Wiederholungen in den speziell entworfenen Prüfmaschinen ausgesetzt werden. Zusätzlich überprüfen wir unser Spielzeug auf die strengen Grenzwerte für die chemischen Inhaltsstoffe.

Unsere Testapparaturen können Stoffe in so kleinen Mengen nachweisen, dass man eine Diskussion darüber führen könnte, ob sie überhaupt vorhanden sind.

Keins unserer Spielzeuge geht weiter in die nächste Phase, bevor es nicht alle Anforderungen entsprechend der EU-Richtlinien erfüllt und insgesamt auch dem Standard in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Haltbarkeit entspricht, für welchen BRIO bekannt ist. Hierfür haben wir ein eigenes Team für die Qualitätskontrolle, welches aus drei Prüfern sowie einem Qualitätsmanager besteht.

Sie wählen jede Woche Stichproben für interne Tests aus und unterziehen jede Lieferung nochmal einer letzten Untersuchung auf Grundlage der AQL Methode. Schließlich wird das Spielzeug dann noch mal in einem externen, unabhängigen Labor getestet.

Bild Brio
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Die Redaktion: Welchen Aufwand betreibt Brio, um diese Qualitätsstandards aufrecht zu erhalten, schließlich wissen die meisten Eltern, dass Brio für hohe Qualität steht?

Göran Kullberg: Wir entwickeln unsere Produkte in Schweden. Hier verwenden wir viel Zeit dafür, ein schönes Produktdesign bei gleichzeitiger Beachtung der Sicherheitskriterien zu gewährleisten. Außerdem stecken wir viel Mühe in das Verpackungsdesign – damit das Spielzeug auch nach dem Transport unseren hohen Ansprüchen gerecht wird.

Die Meinung unserer Kunden ist uns an dieser Stelle ganz besonders wichtig, daher haben wir immer ein offenes Ohr für Beschwerden und behandeln unser Service-Management mit Sorgfalt und hoher Aufmerksamkeit.

Die Redaktion: Ist der Bereich Qualitätssicherung bei der Entwicklung eines neuen Produktes von Anfang an mit einbezogen? Haben Sie eventuell dadurch Einfluss auf das Material, was man für das Produkt verwenden kann, weil Sie aus der Qualitätsprüfung wissen, dass das eine oder andere Material nicht geeignet ist?

Göran Kullberg: Wir verwenden soweit wie möglich Materialien, die bereits in anderen Produkten von uns verwendet worden sind und mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Diese Materialien bestellen wir üblicherweise bei festen Zulieferern.

Wenn wir etwas Neues verwenden möchten oder ein Lieferant gewechselt wird, testen wir das neue Material nochmal eigenhändig auf chemische Substanzen oder physikalische Eigenschaften. Sind die Testergebnisse nicht einwandfrei, wird das Material auch nicht verwendet.

Die Redaktion: Wie ist eigentlich so ein Arbeitstag bei Brio? Können die Mitarbeiter spielen? Und haben die Mitarbeiter auch Zeit, Ideen zusammen zu tragen, um diese dann im Team vorzustellen, so dass daraus ein Produkt für Brio entsteht?

Göran Kullberg: Wir schaffen glückliche Kindsheitserinnerungen.

Die Redaktion: Wenn jemand Brio überhaupt nicht kennt, wie könnte man das Unternehmen kurz beschreiben, so dass man es nie vergisst?

Göran Kullberg: Das Unternehmen BRIO wurde 1884 gegründet und verfügt über eine lange Unternehmensgeschichte. Die Grundlagen unseres Spielzeugs sind dabei noch dieselben, wie am Anfang unserer Unternehmenstätigkeit: Wir möchten qualitativ hochwertiges und sicheres Spielzeug schaffen, dass Kinder auf der ganzen Welt begeistert.

Die Erinnerung an eine glückliche Kindheit ist dabei unser Grundprinzip – so freuen wir uns auch jedes Jahr über die zahlreichen Rückmeldungen unserer Kunden, die ihre eigenen schönen Kindheitserinnerungen mit unserem Spielzeug verbinden.

Bild Brio
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Die Redaktion: Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, wenn diese gern wie Sie in der Spielbranche tätig werden wollen?

Göran Kullberg: Man muss im Kopf ein Kind bleiben und Spielzeug als Hauptbestandteilder Kindesentwicklung sehen – im Wesentlichen schlagen wir für die Kinder eine Brücke zwischen Spielen und Heranwachsen.

Die Redaktion: Sie haben berufsmäßig mit Spielen zu tun. Wird dann bei Ihnen zu Hause überhaupt noch gespielt?

Göran Kullberg: Bei mittlerweile neun Enkelkindern in verschiedenem Alter war das Spielen bei uns zu Hause immer allgegenwärtig. Immer wenn sie zu Besuch kamen, haben wir unsere BRIO Welt aufgebaut und damit gespielt. Sie haben es geliebt, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und ihre eigene Welt zu erfinden.

Je nach Alter waren Puppenwägen oder Brettspiele aber auch sehr beliebt.

Die Redaktion: Wenn Sie sich noch an Ihre Kindheit erinnern können, haben Sie da mit Ihren Eltern zusammen gespielt? Gibt es eine besondere Erinnerung, die Sie nie wieder vergessen haben?

Göran Kullberg: Ich habe viel mit meinen älteren Brüdern und Schwestern gespielt. Im Sommer waren wir die meiste Zeit draußen, um dort zu spielen.

Die Redaktion: Wird bei Ihnen zu Hause viel gespielt?

Göran Kullberg: Wir haben zu Hause immer viel gespielt. Da unsere Familie sehr groß ist, haben wir viel Zeit damit verbracht, die BRIO Eisenbahn mit den Holzschienen aufzubauen und uns damit zu beschäftigen, wenn unsere Enkel uns besuchen kamen.

Die Redaktion: Was ist ihr Lieblingsspiel?

Göran Kullberg: Wenn ich eins nennen muss, würde es Algas “The lostdiamond” (Den försvunna diamanten) oder “Farmers game” (Bondespelet) sein.

Bild Brio
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Die Redaktion: Welches Spielthema würde Sie reizen, bei Brio einmal umzusetzen?

Göran Kullberg: Ich denke, wir haben großartige Themen, weil sie verschiedene Welten abdecken und zum echten Leben eine Verbindung schaffen. Sehr glücklich wäre ich noch über eine mögliche Lösung, wie wir das Plastik in unseren Produkten durch nachhaltigeres Material ersetzen können.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Göran Kullberg: Derzeit arbeiten wir an vielen interessanten Projekten – ich hoffe sehr, hier einen unterstützenden Beitrag leisten zu können. Weiterhin wünsche ich mir natürlich, gesund zu bleiben – So kann ich nach zahlreichen schönen BRIO-Jahren in hoffentlich guter Verfassung in Rente gehen und noch viel Zeit mit meinen Enkeln verbringen.

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 4168 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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