Angesagt – Martin Puntigam

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Sehr geehrter Herr Martin Puntigam (Mitglied des Science-Busters Teams),
Sie sind Kabarettist und Sie haben im Wiener Rabenhof Theater ein zweites Zuhause gefunden, als Wissenschaftskabarett. Was unterscheidet Ihr Kabarettprogramm von dem herkömmlichen Kabarett?

Herr Martin Puntigam: Um die Frage einigermaßen genau beantworten zu können, müsste man eine sinnvolle Definition von herkömmlichem Kabarett haben.

Und wir sind zwar wirklich fleißig gewesen in den vergangenen acht Jahren, in denen wir knapp 50 TV-Shows, über 40 Bühnenshows, über 400 Radiokolumnen und drei Bücher herausgebracht haben, aber auch nur zu beschreiben, was Kabarett genau ist, geschweige denn herkömmliches, übersteigt unsere Möglichkeiten.

Wir haben aber sicher am meisten unterschiedliche Programme auf der Pfanne, also sind entweder wir die Herkömmlichen, oder die anderen.

Die Redaktion: Sie stehen ja nicht nur auf der Bühne, sondern Sie schreiben auch Bücher. Ihr neues Buch hat den Titel „Das Universum ist eine Scheißgegend“ (auch als Hörbuch). Um was geht es in diesem Buch?

Herr Martin Puntigam: Wie der Titel nahelegt, geht es ums Ganze, also nicht nur unser gesamtes Universum und sogar seine parallelen Milchgeschwister. Das klingt aber besser, als es ist. Denn schon die Erde ist fast mit lauter Wasser bedeckt, das bisschen Land zu einem Fünftel Wüste, im Rest trifft man wilde Tiere, Insekten, Mikroben und Menschen, die es nicht immer gut meinen. Und woanders ist es auch nicht besser: die Venus eine Schwe­felhölle, der Mars rostig und der Saturn ein Urlaubsparadies für Gefrierbrand.

Und das sind noch die besseren Lagen. Außerhalb unseres Sonnensystems gibt es hauptsächlich Nichts, und das ist teilweise so kalt, dass sich sogar Licht verkühlt. Mit anderen Worten: „Das Universum ist eine Scheißgegend“. Wir haben aber auch wieder sehr viele ausgezeichnete Witze zwischen die Wissenschaft gepackt, wie ich in aller Bescheidenheit bescheiden möchte.

Die Redaktion: Sie stehen ja nicht nur auf der Bühne, schreiben Bücher, bedienen eine Radiokolumne, nein Sie haben auch eine eigene Fernsehreihe im ORF, schließlich kommen Sie ja aus Österreich. Die Sendung hat Traumquoten, die andere nie erreichen. Was ist der Garant des Erfolges der Science-Busters?

Herr Martin Puntigam: Wir sind optisch sehr ansprechend und verbergen das auch nicht, lassen aber alle anderen nicht spüren, dass sie nicht so schön und gewandt sind wie wir. Jeder und jede, der will, kann sich außerdem unsere Sendung anschauen, wir schließen niemanden aus. Das kommt sehr gut an bei der Bevölkerung, denn Fernsehen kann fast jeder, es ist wirklich sehr einfach.

Bild Der Hörverlag
Bild Der Hörverlag

Die Redaktion: Was machen Sie von den vielen Dingen eigentlich am liebsten?

Herr Martin Puntigam: Diese Frage stellt sich angesichts des Zeitplans leider nicht sehr oft. Meistens ist dasjenige Mittelpunkt unserer Zuneigung, das als nächstes fertig werden muss. Dann kommt das nächste. Im Sommer immerhin spielen wir nicht, da spielen wir Freizeit.

Die Redaktion: Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Herr Martin Puntigam: Wie viele Kinder habe ich sehr gerne mit dem Geduldsfaden meiner Eltern gespielt. Sie aber auch mit meinem, wir waren also einigermaßen quitt.

Die Redaktion: Wenn Sie Kinder haben, was spielen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern? Was macht das Spielen mit Ihren Kindern aus Ihrer Sicht aus?

Herr Martin Puntigam: Kinder sind sehr lieb, sehr lustig und greifen sich gut an. Deshalb spielt man auch mit ihnen, selbst wenn manche Spiele, die sie gerne mögen, oft wirklich ganz schön fad sind. Wenn man sie aber grundsätzlich gerne anschaut, so gilt das auch für die Zeit, während man mit ihnen spielt.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder nicht zu sehr auslachen, wenn diese das Verlieren noch nicht gelernt haben. Sonst kann es zu unschönen Szenen kommen. Das anschließende Trösten macht aber wieder viel Spaß.

Die Redaktion: Sie wissen, Wissenschaft und Spielen haben was gemeinsam, es funktioniert nach Regeln. Was fasziniert Sie beim Spielen?

Herr Martin Puntigam: Naja, so ganz richtig ist die Analogie nicht, denn die Regeln in der Physik werden manchmal ganz schön gebeugt. Heinz Oberhummer hat während seiner Studienzeit in Graz ein Dreikörper-Problem gelöst. Anlässlich seiner Doktorarbeit in Physik sollte er die Kräfte berechnen, mit denen sich drei Elementarteilchen anziehen.

Nachdem die Unlösbarkeit des Problems für ihn bald klar war, er aber nicht ewig rechnen wollte, hat er die Kräfte so verändert, dass die Aufgabe exakt lösbar wurde. Er hat also einfach die Angabe solange verändert, bis das Ergebnis gestimmt hat.

Hat er damit promovieren dürfen? Ja, und nicht nur das, diese Methode hat auch einen Namen bekommen, nämlich Graz-Potential, und wurde und wird zur Lösung dieses Problems herangezogen. Sie sehen also, wenn man bei der Doktorarbeit schwindelt, dass es kracht, dann muss das nicht immer nachteilige Konsequenzen haben wie einst beim deutschen Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg , sondern man kann auch ein Standardverfahren entwickeln und als Universitäts-Professor in Pension gehen.

Die Redaktion: Was ist eigentlich Ihr Lieblingsspiel?

Herr Martin Puntigam: Lieblingsspiel ist vielleicht übertrieben, aber ich habe in den vergangenen 20 Jahren mit meinen Kindern sehr oft gespielt „Noch kurz, aber dann bitte endgültig fertig machen zum Ins-Bett-Gehen“. Und nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass ich darin eine gewisse Fertigkeit erlangt und nur selten verloren habe.

Die Redaktion: Heutzutage leiden alle unter Stress und Zeitnot. Dadurch haben oder besser gesagt, nehmen sich Eltern keine Zeit, mit ihren Kindern zu spielen. Was würden Sie Eltern raten, wie wichtig es wäre, mit ihren Kindern zu spielen?

Herr Martin Puntigam: Ich würde ihnen raten, sie sollen bitte mit meinen Kindern spielen, weil ich leider unter Stress und Zeitnot leide. Das wäre mir eine echte Hilfe und die anderen Eltern kommen öfter zum Spielen mit Kindern. Win-win.

Die Redaktion: Wenn Sie in die Rolle eines Spieleerfinders schlüpfen könnten, welches Spiel würden Sie denn gern einmal erfinden wollen?

Herr Martin Puntigam: Ich würde gerne Fußball erfinden, nachdem es mir gelungen ist, allen Menschen die Erinnerung daran zu löschen, dass es längst erfunden worden war. Denn ich spiele es gerne, schaue gerne zu und man kann sehr viel Geld damit verdienen.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Herr Martin Puntigam: Als Science Busters haben wir eine ausgiebige Tournée mit der Show zu unserem neuen Buch durch Deutschland, Österreich und die Schweiz vor uns, um danach neue TV-Shows für den ORF zu produzieren.

Danach werden wir unser Spin-off Projekt „Science Busters & Friends“ forcieren, bei dem wir auf der Bühne mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anderer Disziplinen zusammenarbeiten werden, worauf wir uns sehr freuen. Wir spielen also dauernd, auch auf Brettern, aber Brettspiele selten.

Die Redaktion: Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Herr Martin Puntigam: Keine Ursache, danke für die Einladung zur Beantwortung.

Zur Person und das Team

Martin Puntigam, Kabarettist und Autor, arbeitet u. a. für die ORF-Radiosender Ö1 und FM4. Er wurde ausgezeichnet mit dem „Salzburger Stier“, dem „Prix Pantheon“ und dem „Österreichischen Kleinkunstpreis“.

Werner Gruber lehrt Experimentalphysik an der Uni Wien, ist Neurophysiker, Experte für Fragen der Alltagsphysik und Verfasser der Bestseller „Unglaublich einfach. Einfach unglaublich“ und „Die Genussformel“.

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer, Kern- und Astrophysiker an der TU Wien, sorgte mit seinen Arbeiten über die Feinabstimmung des Universums für internationales Aufsehen. Sein Buch „Kann das alles Zufall sein?“ wurde Wissenschaftsbuch des Jahres 2009.

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Die Science Busters vom Bierstern: der Mikrobiologe Prof. Dr. Helmut Jungwirth, der Kabarettist Martin Puntigam und der Science Blogger & Astronom Dr. Florian Freistetter. Foto: ©www.pertramer.at

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Wilfried Just
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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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