Angesagt – Benjamin Tienti

Benjamin Tienti /Copyright: Torben Wertiprach

Sehr geehrter Herr Tienti,
Ihr Buch „Salon Salami. Einer ist immer besonders.“ (Dressler Verlag) ist gerade erst erschienen.

Die Redaktion: Wie würden Sie sich selber beschreiben, denn im Internet findet man sehr wenig über Sie?

Benjamin Tienti: Das ist gut so. Ich bin ganz froh, dass im Internet nicht so viel über mich zu finden ist. Ich bin Benjamin Tienti. Ich arbeite als Schulsozialarbeiter in Neukölln. Und schreibe nebenher Bücher. „Salon Salami. Einer ist immer besonders“ ist mein zweites Buch und das erste, das sich speziell an Kinder richtet.

Ich selber bin ein neugieriger Mensch,aber ich langweile mich auch schnell. Das ist meines Erachtens eine ganz gute Mischung, wenn man Bücher schreiben möchte.

Die Redaktion: Wie kommt man als Erzieher dazu, Bücher zu schreiben?

Benjamin Tienti: Es ist immer ein Spagat als Autor, denn man kann vom Schreiben allein nicht leben, höchstens man schreibt aus Versehen einen Bestseller. Es ist also ganz normal, dass man nebenher noch einem Beruf nachgeht. Das mache ich auch schon immer und auch sehr gerne.

Als Erzieher und Schulsozialarbeiter komme ich viel unter Leute. Ganz alleine zu Hause am Text zu werkeln und sich dabei immer wieder selbst zu überwinden, ist oft viel schwerer als das Arbeiten in der Schule. Ich hatte vor einigen Jahren ein Stipendium der Kunststiftung aus Baden Württemberg, da war ich ein halbes Jahr zu Hause und habe nur an Texten gearbeitet.

Diese Art Arbeit fand ich sehr anstrengend. Ich brauche meine Arbeit in der Schule daher auch als Ausgleich.

Die Redaktion: Der Schulsozialarbeiter ist ein dankbarer Beruf?

Benjamin Tienti: Man kann sich hier entfalten und sehr kreativ arbeiten und man hat viele Möglichkeiten. Das gefällt mir sehr.

Die Redaktion: Können Sie schon ein wenig verraten, um was es in Salon Salami überhaupt geht?

Benjamin Tienti: Hani Salmani (nein, nicht Salami) ist zwölf, hat einen kleinen Bruder, ihre Mama ist seit einiger Zeit verschwunden und ihr Papa schneidet im Friseursalon von Onkel Ibo Haare. Sie bekommt im Laufe des Buches heraus, wo ihre Mutter eigentlich steckt. Und dann lässt sie sich einiges einfallen, um wieder bei ihr sein zu können.

Das Buch ist als Familiengeschichte angelegt und spielt in einem ganz bunten Milieu, mit einem Haufen liebenswerter, schräger Typen. Die Illustrationen ergänzen dabei die Geschichte und machen das Ganze erst richtig rund. Mehr zur Geschichte würde ich erst einmal nicht verraten.

Ich bin allerdings der Meinung, dass die Illustrationen von Barbara Jung mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdienen, wie die Geschichte als solches, sie sind wirklich toll geworden.

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Dressler (20. Februar 2017)
Sprache: Deutsch
Vom Verlag empfohlenes Alter: 10 – 12 Jahre
Bild: Verlag Dressler

Die Redaktion: Kommt Ihnen dabei zugute, dass Sie als Erzieher in Neukölln tätig sind und dabei hautnah die Probleme sowie Sorgen der Kinder erleben?

Benjamin Tienti: Ja, kann man so sagen. Die Geschichte von Hani habe ich allerdings frei erfunden. Die Story selbst hat keine Bezüge zur echten Menschen und zu meiner Arbeit. In meinem Beruf habe ich viel mit Leuten zu tun, die ein unkonventionelles Leben leben.

Dies prägt dann auch mein Schreiben und hilft bei der Entwicklung der Figuren. Nicht direkt und nicht kausal, mehr über Eck gedacht.Inspirieren trifft es eher.Das Leben und Arbeiten in Neukölln hat mich aber schon beeinflusst, so dass man zum Beispiel den Slang der Kinder kennt. Man weiß, wie sich die Menschen hier unterhalten und wie die Straßen hier aussehen.

Oder wie ein Friseursalon hier eingerichtet ist, dass er nicht geleckt und schick ist, sondern oft funktionaler und etwas chaotischer. Man hat durch das Arbeiten und Leben hier ein Gefühl für die Menschen entwickelt und das spielt in der Geschichte dann schon eine Rolle.

Die Redaktion: Ist das Schreiben auch eine Strategie, um Erlebtes im Beruf zu verarbeiten?

Benjamin Tienti: Nein, nicht für mich. Das Schreiben ist für mich in erster Linie Spaß am Kreativsein. Daran, etwas zu erschaffen. Es ist natürlich auch Arbeit und damit anstrengend. Ich muss mich oft zum Schreiben überwinden.Das hat für mich dann weniger etwas Verarbeitendes sondern etwas Schöpferisches.

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, auch mal in einem anderen Genre als Schriftsteller tätig zu sein, beispielsweise Kriminalgeschichten für Erwachsene?

Benjamin Tienti: Mein erstes Buch Raubvogel ist 2009 im Luftschacht-Verlag erschienen. Die Hauptfigur ist zwar ein siebenjähriger Junge, trotzdem ist Raubvogel als Roman für Erwachsene angelegt.

Mir liegt die kindliche Perspektive sehr gut, ich glaube, dass ich auch den passendenTon ganz gut treffe. Wenn es mich natürlich packt und ich einen guten Stoff oder eine gute Idee habe, bin ich auch komplett offen dafür, etwas ganz Anderes auszuprobieren.


Benjamin Tienti ° Raubvogel
Luftschacht Verlag
Bild Luftschacht

Die Redaktion: Sie wissen, dass wir ein Spielmagazin sind und deshalb würden wir auch gern einige Fragen dazu stellen. Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Benjamin Tienti: Ich habe gern und oft mit meinen Eltern gespielt. Computerspiele gab es bei uns noch gar nicht.

Und ich hatte Glück, dass ich in einem Elternhaus groß geworden bin, wo nicht ständig der Fernseher lief. Als wir klein waren, gab es nur drei Programme. Und dadurch hatte man abends sehr viel Zeit füreinander. In erster Linie haben wir zu Hause klassische Sachen gespielt, wie Mensch ärgere dich nicht oder Fang den Hut.

Ganz oft auch Malefiz, daran kann ich mich noch gut erinnern. Dabei gab es natürlich viel Streit mit meinem Bruder, wenn mal wieder einer kurz vor dem Ziel rausgeflogen war. Dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass man sich gerne füreinander Zeit nimmt.

Die Redaktion: Was war Ihnen aus heutiger Sicht dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern gespielt haben?

Benjamin Tienti: Mir war und ist beim gemeinsamen Spielenwichtig, dass man sich tatsächlich füreinander Zeit nimmt und nicht gerade auf dem Handy rumklimpert und gleichzeitig auf einen Fernseher schaut. Beim Spielen einigt man sich auf eine einzige Tätigkeit und konzentriert sich gemeinsam darauf.

Dadurch entsteht ein ganz besonderer Zauber, den es nur beim Spielen gibt. Dieser Zauber bewirkt, dass familiäre Beziehungengestärkt und gestützt werden, ohne dass es jemanden Mühe kostet.

Die Redaktion: Spielen Sie eigentlich mit Ihren Kindern?

Benjamin Tienti: Ich spiele schon sehr gerne. Es ist aber auch öfter so, dass ich nach der Arbeit zu müde und fertig bin, um zu spielen. Ich bin der Meinung, dass man sich in solch einer Situation nicht zwingen sollte zu spielen. Kinder spüren das, wenn Eltern sich nicht auf eine Sache einlassen. Wenn ich mit meinen Kindern spiele, dann nur, wenn auch alle Lust darauf haben.

Mit meinem Großen spiele ich heute eher Computerspiele, weil die ihn einfach mehr interessieren. Minecraft oder Civilizationoder Pflanzen gegen Zombies. Mit dem Kleinen spiele ich oft Memory. Mein Kleiner ist drei und da sind Dinge wie Einkaufsladen spielen dann doch noch wichtiger, als klassische Brettspiele mit ihren festen Regeln.

Die Redaktion: Warum ist Spielen wichtig?

Benjamin Tienti: Ich erlebe auf meiner Arbeit immer mehr Kinder, die schlecht mit ihrer Wut umgehen können. Siefühlen sich schnell hilflos und lassen ihren Frust nicht selten irgendwann sehr gewaltvoll heraus platzen.

Spielen mit Kindern trägt entscheidend dazu bei, dass Kinder mit genau solchen starken Emotionen angemessen umgehen lernen.

Die Redaktion: Wenn Sie in die Rolle eines Spieleerfinders schlüpfen könnten, welches Spiel würden Sie denn gern einmal erfinden wollen?

Benjamin Tienti: Das würde mir sicher Spaß machen. Als Kind habe ich mir ab und zu ganz einfache Brettspiele ausgedacht. Was ich zur Zeit sehr interessant finde, das sind die neuenTextadventures auf dem Handy.

Eine interaktive Mischung aus Geschichte und Spiel auf reiner Textbasis. Das finde ich gerade als Autor sehr spannend. In dieser Form könnte ich mir schon vorstellen, mal etwas zu machen.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Benjamin Tienti: Erst einmal bin ich auf der Buchmesse in Leipzig. Ich habe gerade auch noch ein Studium begonnen und arbeite innerlich schon am nächsten Buch. Der Stoff, den ich im Kopf habe, wird sicher wieder sehr schräg. Die Story wächst und ich bin gespannt, was sich daraus ergibt.

Verlag: www.oetinger.de
Autor: http://www.benjamin-tienti.de/

Zur Person
Benjamin Tienti wurde 1981 in Esslingen geboren.
Er arbeitete als Erzieher in Wohngruppen und Schulen und veröffentliche unter Pseudonym Kurzgeschichten in Punkmagazinen.

Gegenwärtig lebt der Autor in Berlin und arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an einer Schule in Neukölln.

„Salon Salami“ ist seine erste Veröffentlichung in einem Kinderbuchverlag. (Quelle Dressler Verlag)

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Wilfried Just
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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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