Angesagt – Oliver Döring

Bild Oliver Döring

Sehr geehrter Herr Oliver Döring,
Sie sind Regisseur von kommerziellen Hörspielserien, die von Star Wars bis zu Geisterjäger John Sinclair reichen.

Nun haben Sie die Zeitmaschine von H. G. Wells als Hörspiel produziert.

Die Redaktion: Für die Leute, die Sie noch nicht kennen, wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Oliver Döring: Ich bin ein Hörspielmacher, der das ganz große Glück hatte, einige seiner absoluten Lieblings-Stoffe vertonen zu dürfen.

Um diesen Stoffen gerecht zu werden, bemühe ich mich, dass meine Hörspiele wie die Tonspuren von Kinofilmen klingen.

Deshalb arbeite ich fast ausschließlich mit deutschen Synchronschauspielern zusammen.

Wenn meine Hörer die Augen schließen und Bilder im Breitwandformat vor Augen haben, dann hab ich mein Ziel erreicht.

Die Redaktion: H. G. Wells ist nun eine Autorikone, wie geht man als Regisseur mit so einer Bürde um?

Oliver Döring: Der Respekt vor seinem Werk steht bei mir klar im Vordergrund. Ich möchte Wells so spannend und modern wie möglich erzählen, ohne den Geist seiner Geschichten zu verraten. Wenn ich mir Freiheiten nehme, frage ich mich immer, wie Wells das wohl finden würde, wenn er selbst mit einer Zeitmaschine in unsere Zeit reisen und mein Hörspiel hören würde.

Die „Bürde“ ist für mich Ansporn, und jemanden durch die Zeit zu schicken ist für mich als alter Science Fiction-Fan einfach nur großartig.

Die Redaktion: Sie haben die Handlung der Zeitmaschine in eine andere Epoche verlegt, war dies geplant oder wollten Sie die Geschichte unserer Zeit anpassen?

Oliver Döring: Offen gestanden hatte ich von Anfang an mit dem Gedanken gespielt, mich aber zuerst gar nicht getraut. Ich schrieb das erste Skript und hielt mich sehr nah am Original. Aber dann bemerkte ich, dass ich Chancen verschenke, wenn ich vor lauter Demut nichts wage.

Also hab ich das Schreiben unterbrochen und alles nochmal von vorne begonnen. Beide Versionen habe ich dann ausgewählten Vertrauten zu lesen gegeben. Erst als die Rückmeldung kam, dass die modernere Fassung gut sei, bin ich diesen Weg weiter gegangen.

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Die Redaktion: Was beeindruckt Sie selber an dieser Geschichte?

Oliver Döring: Ihre Zeitlosigkeit und visionäre Kraft. Der Zeitreisende begibt sich bis ans zeitliche Ende dieser Welt, aber die Erkenntnisse, die er gewinnt, sind eher ernüchternd.

Viele gute Science Fiction-Geschichten haben etwas mit weiten Reisen zu tun, an deren Ende man doch erkennt, dass der Mensch ist, wer er ist, dass das, was man im Inneren mit sich nimmt, auch bleibt – egal, wie weit man reist.

Die Redaktion: Wie gehen Sie an eine Hörspielproduktion ran? Und wie suchen Sie dazu die passenden Sprecher aus? Wie lief dies bei der Zeitmaschine?

Oliver Döring: Zum ersten Teil: Das werde ich oft gefragt, und ich muss ganz ehrlich gestehen – kein Scherz – dass ich nicht die geringste Ahnung habe. Ich setze mich hin, studiere das Original, fange an zu schreiben und irgendwie schaffe ich es, dass am Ende ein Hörspiel dabei rauskommt.

Ich habe keine Struktur, keine geheime Zutat – ich schreibe einfach. Aber – und damit komme ich zum zweiten Teil – ich weiß schon beim Schreiben ganz genau, wie das Ergebnis klingen wird. Oft habe ich die Stimmen der Protagonisten beim Verfassen der Skripte in meinem geistigen Ohr.

Ich bin wirklich glücklich, dass Hans-Georg Panczak bei der „Zeitmaschine“ zugesagt hat, denn seine Stimme war bereits beim Schreiben die ganze Zeit in meinem Kopf.

Die Redaktion: Was würde Sie einmal reizen, zu produzieren, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Oliver Döring: Oh – das tue ich bereits. Wells war ein ganz großer Wunsch! Und da wird noch so Einiges von mir kommen – unter anderem mit „Das Imperium der Ameisen“ eine meiner Lieblings-Kurzgeschichten von ihm.

Darüber hinaus mache ich viele Stoffe, die ich komplett selbst erfinde. „Foster“ oder „The Border“ zum Beispiel. Das sind allerdings absolut keine Kinderhörspiele – ich weiß also gar nicht, ob ich die hier erwähnen darf. Aber natürlich gibt es noch weitere Stoffe, und wir als Firma versuchen immer Möglichkeiten zu finden, diese auch machen zu können. Das sind am Ende immer Lizenz-Fragen.

Die Redaktion: Ist Ihr Beruf für Sie ein Beruf oder eine Berufung?

Oliver Döring: Letzteres. Unbedingt. Ich glaube, wenn man in einem so kreativen Feld arbeitet, kann man gar nicht anders, als mit dem Herzen dabei zu sein. Oder man riskiert, nicht die Qualität abzuliefern, die die Fans der Stoffe erwarten.

Die Redaktion: Wir sind ja eigentlich ein Magazin, welches Kinderspiele und Spiele vorstellt, ohne dass wir dabei von Verlagen bezahlt werden, um unabhängig zu sein. Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt? Und was war da Ihr schönster Moment?

Oliver Döring: Ich habe als Kind viel gespielt. Mit der Familie vor allem Brett- und Kartenspiele, wie z.B. „Monopoly“, „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Canasta“.

Wir waren dabei sehr kreativ und haben die Regeln immer etwas bis stark verändert. So manches MÄDN-Spiel artete in Szenarien aus, die an Spannung kaum zu überbieten waren. Ach ja – „Stadt Land Fluss“ haben wir gerne gespielt (und tun es auch heute noch), und mit meinem Vater habe ich extrem gerne gekniffelt.

Einmal haben wir eine Spalte strikt von oben bis unten durchgespielt, d.h. der erste Wurf musste bei den „Einsern“ eingetragen werden, der zweite bei den „Zweiern“ usw. bis ganz unten.

Ich werde es nie vergessen, als bei mir der Kniffel beim Kniffel aufschlug. Ich hab die Spalte vollgeschrieben – und sogar den Bonus bekommen. DAS war ein unvergesslicher Moment!

Die Redaktion: Was wird bei Ihnen zu Hause gespielt?

Oliver Döring: Mit meiner Frau und meinen Kindern spielen wir sehr gerne Tabu, Quixx oder (vor allem, wenn wir Freunde oder Verwandte bei uns zu Hause haben) das Kartenspiel „Schwimmen“.

Aber auch elektronische Spiele sind angesagt an Familienabenden. „Buzz“ zum Beispiel – ist zwar ein älteres Spiel für die PS3, aber es macht immer noch irre viel Spaß. Davon abgesehen bin ich mit Leib und Seele Gamer und spiele viel auf der PS4.

Die Redaktion: Spielen verbindet und macht bekanntlich viel Spaß. Spielen Sie auch mal mit Ihren Freunden?

Oliver Döring: Ja! Früher in den 80ern habe ich mit meinem ältesten Freund sehr oft „Stratego“ oder „Atlantis“ von MB gespielt. Inzwischen wohnen wir ziemlich weit auseinander, aber durch das Internet schrumpfen die Distanzen, was ich super finde. An fast jedem Wochenende „zocke“ ich mit meinen Freunden online.

Die Redaktion: Gibt es ein besonderes Spiel, was Sie mit Erinnerungen verbinden und immer wieder gerne spielen?

Oliver Döring: „Atlantis“ war ein Knaller! Ich hätte es gerne wieder gekauft, um es zu Hause mit der Familie spielen zu können, aber ich war entsetzt, dass es offenbar keine Neuauflage davon gibt. Die alte Ausgabe muss wohl in einer ziemlich kleinen Auflage produziert worden sein, denn bei eBay werden dafür Mondpreise aufgerufen. Das ist so schade…

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Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer wäre es dann, der an Ihrem Tisch Platz nehmen darf?

Oliver Döring: Natürlich H.G. Wells. Schon alleine, um ihn zu fragen, was ihm wohl heute für Visionen der Zukunft einfallen würden.

Die Redaktion: Wenn Sie Spielererfinder wären, was würden Sie erfinden wollen?

Oliver Döring: In meiner Jugend habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, Videospiele-Entwickler zu werden. Heute bin ich wirklich überrascht, wie rasant die Entwicklung der Videospiele voranschreitet. Man findet nun immer häufiger komplexe und ernstzunehmende Geschichten in den virtuellen Welten.

Sehr begeistert hat mich zum Beispiel das Spiel „Hellbalde“. Ich könnte mir vorstellen, so etwas in der Art als Story-Lieferant zu schreiben – oder vielleicht auch etwas ganz anderes. Die Möglichkeiten sind unendlich.

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Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Oliver Döring: Sollte der Markt in den kommenden Jahren weiter Interesse an meinen Hörspielen haben, werde ich auch weiter Hörspiele machen. Wenn nicht, dann schau ich mal, was kommt. Ich plane eigentlich nie weiter als ein Jahr in die Zukunft – das gibt mir die Möglichkeit, das Hier und Jetzt voll zu genießen.

Wie sagte doch neulich ein Freund zu mir: „Man soll die Jahre mit Leben füllen, und nicht das Leben mit Jahren.“

Informationen zur Person
Der 48-jährige Oliver Döring startete seine Karriere als freier Journalist, Autor und Comedy-Macher für diverse Rundfunkanstalten. Erste Erfolge feierte er 1998 mit der in NRW sehr populären Radio-Comedy Die Eins Live-Retter. Sein Durchbruch in der Hörspielbranche gelang ihm im Jahr 2000 als Autor und Regisseur der Hörspielserie Geisterjäger John Sinclair.

Unter Verwendung hochwertiger Sound-Effekte und mit einem fast ausnahmslos aus bekannten Synchronschauspielern bestehenden Ensemble betrieb er einen für eine kommerzielle Hörspielproduktion bis dato beispiellosen Aufwand.

Seine Produktionen finden bei Kritikern und Publikum gleichermaßen großen Anklang, und er gilt als einer der erfolgreichsten Regisseure des fantastischen Hörspiels.

https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_D%C3%B6ring

 

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 3528 Artikel

Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken.

Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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