Thomas Piketty – Das Kapital im 21. Jahrhundert

Das Kapital im 21 Jahrhundert von Thomas Piketty/ Bild Der Hörverlag

Thomas Piketty ist Professor an der Pariser École d’economie. 2013 erhielt er den Yrjö Jahnsson Preis der European Economic Association. Sein Buch “Das Kapital im 21. Jahrhundert” ist ein internationaler Bestseller. In seinem Werk warnt er davor, dass die Ungleichheit in der Welt so zunimmt, wie man dies aus den feudalen Zeiten kennt.

Und mal ganz ehrlich, dies weiß das Volk eigentlich schon lange, nur belegt der Autor dies anhand vieler Zahlen, die bis zur französischen Revolution zurückreichen.

Herausgekommen ist ein Werk, welches weit über 1000 Seiten aufweist und das ohne irgendwelche Tabellen. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Werk ein Bestseller, so dass sogar ein amerikanischer Verlag bei der Veröffentlichung in den USA der Originalversion den Vorzug gegeben hat, bevor es übersetzt wurde.

Viele Kritiker sind von dem Buch so begeistert, dass diese behaupten, dass es grundsätzlich das Denken über die Ökonomie und die Gesellschaft verändern wird (Paul Krugman). So musste, was ja passiert, wenn etwas erfolgreich ist, Thomas Piketty durch die Welt reisen und wurde von vielen mit offenen Armen empfangen. Ob sich dadurch etwas ändert, sei dahingestellt.

Vor allem sind aber viele Schlussfolgerungen, die Thomas Piketty getroffen hat, schlichtweg Sprengstoff. So hat er festgestellt, dass im 21. Jahrhundert der Reichtum sich so ähnlich verteilt wie vor zweihundert Jahren. Es gibt wie damals nur eine kleine Gruppe, die einen Großenteil des Geldes in jeglicher Form besitzt.

Und der Rest, die ihre Arbeitskraft zum Markt trägt, besitzt bei weitem weniger. Durch Demokratie, Sozialstaat, Nivellierungen der sozialen Unterschiede und auch durch die sogenannte Mittelschicht, die es als solche ja nicht mehr gibt, wurden keine wesentlichen Veränderungen vollzogen, so dass es die soziale Ungerechtigkeit gibt.

Damit haben wir gleiche Besitzverhältnisse wie vor 200 Jahren. Und wenn es Veränderungen gibt, greifen diese nur kurzfristig und es regelt sich so wieder ein wie die oben beschriebenen Verhältnisse.

Durch die Auswertung des umfangreichen Datenmaterials, welches ihm von zahlreichen Ländern zur Verfügung stand, hat er das innerste Gesetz des Kapitalismus bewiesen, denn hier ist die Kapitalrendite immer höher als das Wachstum. Diese Formel, die er gefunden hat, ist so einfach wie die von Einstein. Und sie trifft zu.

Er hat auch bewiesen, dass es zwei Phasen in der Welt gab, wo die Rendite sank und das Wachstum stieg. Und zwar in der Zeit der 30er Jahre, als die USA einen Spitzensteuersatz von 80 Prozent hatte.

Warum also nicht wieder das Kapital höher besteuern, so wie es der Autor, der ein anerkannter Wirtschaftsprofessor ist, vorschlägt. Schließlich steigen Kapitalerträge so hoch, dass sie das Einkommen der Unteren abgehängt haben. Und die wenigen, die das Kapital besitzen, wollen noch mehr und die Politik steuert nicht dagegen.

Mit diesen Aussagen provoziert er und ruft natürlich Gegner auf den Plan, die nichts ändern wollen. Aber wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, hat dieser Wissenschaftler Recht.

Das Kapital im 21 Jahrhundert von Thomas Piketty/ Bild Der Hörverlag

Dabei stellt der Autor den Kapitalismus als solches überhaupt nicht in Frage, nur das Verhältnis zwischen Einkommen und Vermögen. Und somit ist Piketty kein Revolutionär, sondern er hat nur die Zahlen verglichen und daraus seine Schlussfolgerungen getroffen.

Und damit tritt er nicht in die Fußstapfen von Marx, der bekanntlich das Kapital geschrieben hat und welches in einigen Punkten ja immerhin noch zutreffend ist.

Fazit

Piketty Leistung liegt darin, mit vielen Mitstreitern erstmalig ein umfangreiches Material zusammenzustellen, auf das Ökonomen, Sozialwissenschaftler und Historiker jetzt zurückgreifen können. Ob die daraus gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden, kann aber hier nicht gesagt werden, schließlich ist der Einfluss derjenigen, die das meiste Kapital besitzen, auf die Politik recht groß.

Trotzdem ist es interessant, dass der Hörbuchverlag den Mut bewiesen hatte, dieses doch sehr komplexe Werk als Hörbuch zu produzieren.

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 5311 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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