Unter dem Vampirmond: Versuchung

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Vampire liegen voll im Trend. Während die untoten Blutsauger noch vor einigen Jahren als lebenssaftlechzende Jungfrauenmörder in zweit- bis drittklassigen Horrorfilmen herhalten mussten, kommen sie jetzt als modebewusste, junggebliebene Kavaliere mit Blutfetisch, coole Helden der Großstadt oder wildgewordene, instinktgesteuerte Menschenjäger daher.

Dieser Wandel begann bereits mit den Filmen “Blade” und “Interview mit einem Vampir”, seinen unbestrittenen Höhepunkt fand er jedoch in der Twilight-Saga von Stephanie Meyer. Logisch, dass nach diesen Erfolgen ähnliche Neuerscheinungen auf den Markt kommen. Fragt sich natürlich nur, ob diese auch ein ähnliches Niveau an den Tag legen können…

Amanda Hocking ist eine sehr bemerkenswerte Schriftstellerin. Anders als die gängigen Bestsellerautoren konnte sie nicht auf die Unterstützung eines größeren Verlags zurückgreifen – normalerweise ist das ein KO-Kriterium für eine Veröffentlichung.

Schlussendlich bleiben nur drei Möglichkeiten: Entweder verlegt man in Eigenregie (man druckt entweder selbst oder findet einen Verlag, der zumindest einen Teil der Kosten übernimmt), man begräbt das Projekt oder man veröffentlicht das Ganze als E-Book. Sie entschied sich für letzteres und hatte unglaublichen Erfolg damit.

Inhalt
Alice lebt zusammen mit ihrem Bruder Milo und ihrer ständig arbeitenden Mutter in der Großstadt Minneapolis. Auf einer ihrer Diskotouren lernt sie den jungen Vampir Jack kennen, der auf seine nähere Umgebung eine seltsame Anziehungskraft ausstrahlt. Schon nach einiger Zeit ist auch Alice seinem Charme erlegen. Sie fangen an, sich regelmäßig zu treffen – immer im Dunkeln, stets nach Einbruch der Dunkelheit.

Bald lernt sie auch seine Familie, insbesondere seinen Bruder Peter kennen. Bereits während des ersten Zusammentreffens spürt sie ein inniges und tiefes Verlangen nach ihm, schon bald muss sie sich entscheiden…

Kritik
Seicht, unterhaltsam und kurzweilig: “Unter dem Vampirmond: Versuchung” ist keine große Literatur und wirklich Neues wird einem hier auch nicht geboten.

Die Sätze sind kurz, nicht verschachtelt und einfach gehalten. Auch wurde auf eine ausufernde Ausdrucksweise oder ausführliche Beschreibungen der Umgebung oder der Charaktere verzichtet. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Handlung. Zwar werden einige Akzente gesetzt und Unerwartetes bereitgehalten, aber stellenweise erinnert der Aufbau und Inhalt der Story stark an die Twilight-Bücher.

Die zentralen Motive und Konflikte ähneln sich jedenfalls: Es geht um Liebe und Leidenschaft, schwere und quälende Entscheidungen, Loyalitätskonflikte sowie die Lust auf Unbekanntes.

Bitte nicht falsch verstehen: Das Buch ist zwar recht seicht und dürfte sowohl für die älteren Leser, als auch für die vom Vampire-Hype Genervten keine wirkliche Bereicherung sein – aber im Grunde ist das Buch durchaus lesenswert.

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Es macht genau das, was es soll – es unterhält. Zwar zieht sich die Handlung zu Beginn, aber spätestens ab Buchmitte möchte man es nicht mehr aus der Hand legen. Durch den Ich-Erzähler (die Handlung wird aus der Perspektive von Alice erzählt) wird der Leser unmittelbar ins Geschehen einbezogen und eine Vielzahl an Identifikationsmomenten geschaffen.

Kurzum: Der zumeist jugendliche Leser kann sich in der Gefühlswelt der Protagonistin wiederfinden und wird dadurch von der Handlung gefesselt – er will wissen, wie es weitergeht und taucht immer tiefer in die Story ein.

Fazit

“Unter dem Vampirmond: Versuchung” ist ein wunderbar kurzweiliges Buch, nach dessen Genuss man unweigerlich Lust auf die Fortsetzung bekommt. Sicherlich keine hohe Literatur, dafür aber ein schönes und empfehlenswertes Jugendbuch.

Wer jedoch nichts mit dem Genre anfangen kann oder Twilight vorgeschädigt ist, sollte sich überlegen, ob man sich das Buch wirklich anschaffen muss.

Eine Altersempfehlung für den optimalen Lesegenuss würden wir im Bereich 13-17 Jahre ansetzen. (S.Ziegler)

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