Angesagt – Andrea Reitmeyer

Bild Andrea Reitmeyer

Sehr geehrte Frau Andrea Reitmeyer,
Sie sind als freie Illustratorin und Autorin tätig. In diesem Jahr erschien Ihr Buch „Kleine Biene Hermine, wo bist du zu Haus?“ bei JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH.

Aus Ihrer Feder stammen unter anderem auch die Bücher „Emily und das Meer“, „Kater Paul und der rote Faden“ und „Trau dich, Ida!“.

Die Redaktion: Mögen Sie sich kurz vorstellen, für diejenigen, die Sie noch nicht kennen?

Andrea Reitmeyer: Sehr gerne, mein Name ist Andrea Reitmeyer, ich bin 39 Jahre alt, komme aus Ostfriesland und schreibe meine eigenen Kinderbücher, welche ich auch selbst illustriere. Seit mittlerweile 18 Jahren wohne ich bereits mit meinem Mann und zwei Kindern glücklich in Mainz.

Die Redaktion: Worum geht es in Ihrem Bilderbuch „Kleine Biene Hermine, wo bist du zu Haus?“?

Andrea Reitmeyer: Die kleine Biene Hermine ist eine Wollbiene und wohnt eigentlich ganz glücklich und zufrieden in einem Wald, bis dieser plötzlich von den Menschen zerstört wird. Der Wald muss einer neuen Autobahn weichen, Bäume werden gefällt, und Hermines Blumenwiese unter ihnen begraben.

Hermine macht sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Doch die Reise entpuppt sich als sehr schwierig, denn es gibt in ihrer Umgebung kaum noch unberührte Blumenwiesen und Platz für die kleine Wollbiene. Auf ihrer Reise lernt sie andere Bienenarten kennen und erfährt, wie diese leben.

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Als sie glaubt, in einem Rapsfeld ein neues Zuhause gefunden zu haben, entpuppt sich dieses als gefährliche Falle, denn der Bauer spritzt es mit Pestiziden. Wieder muss Hermine flüchten, wird aber von einem kleinen Mädchen aufgelesen, welches sie mit in seinen Garten nimmt.

Dieser Naturgarten ist ganz nach Hermines Geschmack, es gibt ein Insektenhotel und unzählige Blüten, welche ihr Nahrung bieten. So hat Hermine doch noch ein schönes Zuhause gefunden.

Die Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Fokus auf eine Biene zu legen?

Andrea Reitmeyer: Eigentlich war es die Idee meiner Verlegerin, die immer schon mal ein Bienenbuch machen wollte. Ich fand die Idee sehr schön und herausfordernd, Bienen sind per se keine süßen Tiere und ich versuche bei meinen Charaktern meist möglichst nah am Original zu bleiben. Z.B. hat Hermine sechs Beine und auch sonst sieht sie wirklich aus wie eine echte Wollbiene.

Nur beim Gesicht musste ich etwas experimentieren, um dem Kindchenschema gerecht zu werden und Hermine ein freundliches, kindgerechtes Aussehen zu verleihen.

Die Redaktion: Was können die kleinen LeserInnen tun, um den Bienen zu helfen?

Andrea Reitmeyer: Erstmal ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder aufklären. Ich habe in den letzten Wochen viele Lesungen mit der Hermine gemacht und dabei herausgefunden, dass Kinder recht wenig über die kleinen Tierchen wissen. Das ist aber wichtig, um zu verstehen, warum sie so bedroht sind und auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Um ehrlich zu sein geht es auch vielen Erwachsenen ähnlich. Bekannt ist die Honigbiene, dass es aber weit über 500 Wildbienenarten in Deutschland gibt, die sogar noch wichtiger für die Bestäubung unserer Pflanzen sind, wissen die wenigsten.

Wenn ich die Geschichte von Hermine vorlese, habe ich immer eine Stofftierbiene dabei, anhand der wir das Tierchen erkunden. Nach der Geschichte erzähle ich den Kindern, wie real diese Geschichte ist und dass viele Bienen bei uns kein Zuhause mehr finden.

Aber wir alle können unseren Beitrag leisten, indem wir in unseren Gärten Flächen für bienenfreundliche Blumen schaffen. Mein Verlag hat übrigens eine große Anzahl von Wildsamenpäckchen herstellen lassen.

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Diese verteile ich nach meinen Lesungen an die Kinder, damit jedes Kind sie selbst aussäen kann. Im Nachsatz des Buches ist außerdem eine Bastelidee für eine Bienennisthilfe enthalten!

Die Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kinderbücher zu schreiben und zu gestalten?

Andrea Reitmeyer: Ich liebe das Malen schon, seitdem ich denken kann und hatte immer den großen Traum, davon leben zu können. Zwischenzeitlich habe ich andere Berufe ausprobiert, und auch jetzt bin ich noch als Flugbegleiterin in der ganzen Welt unterwegs.

Während meines Studiums kristallisierte sich heraus, dass mein Zeichenstil wunderbar zu Kinderbüchern passt. Meine Diplomarbeit war „Emily und das Meer“, welches dann im JUMBO Verlag veröffentlicht wurde. Die Arbeit daran hat so einen Spaß gemacht, dass ich gleich das nächste Buch schrieb, und das übernächste. Mittlerweile arbeite in an meinem elften Exemplar.

Die Redaktion: Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher? Sie scheinen aus dem Vollen schöpfen zu können? Wie schaffen Sie das?

Andrea Reitmeyer: Da ich selbst zwei Kinder (5, 9) habe, gehen mir eigentlich nie die Ideen aus. Ich weiß ziemlich genau, was die Kleinen in dem Alter beschäftigt und welche Themen sie interessieren. Ich versuche, den Kindern mit meinen Geschichten etwas mitzugeben, mit dem sie sich auch über das Lesen hinaus beschäftigen können.

Und da mir die Natur sehr am Herzen liegt, schreibe ich auch immer wieder gern über die Tiere, Pflanzen, unsere Umwelt. Die Bücher sollen dabei nicht nur unterhaltsam und spannend sein, sondern auch spielerisch Wissen vermitteln.

Die Redaktion: Wir sind ein Kinderspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Andrea Reitmeyer: Oh, da wurde eine Menge gespielt. Meine Eltern haben sich neben der Arbeit gerade an Feiertagen oder am Wochenende immer mal wieder Zeit genommen, um mit uns Gesellschaftsspiele zu spielen. Das habe ich in besonders guter Erinnerung.

Zu Weihnachten gab es eigentlich immer ein neues Exemplar, welches wir über die Feiertage zusammenspielten.
Ich erinnere mich, dass ich Rommé nie mochte, weil es mir mit meiner kleinen Hand schwer viel, die ganzen Karten zu halten 🙂 Ausgerechnet dieses Spiel mochten die anderen Mitglieder meine Familie sehr gerne.

Bild Andrea Reitmeyer

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Andrea Reitmeyer: Die Zeit, die unsere Eltern ohne Ablenkung mit uns verbracht haben. Wir hatten eine kleine Gärtnerei und beide Elternteile haben viel gearbeitet. Wenn sie mit uns gespielt haben, waren sie nur für uns da, das habe ich sehr genossen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Andrea Reitmeyer: Whow, das ist eine schwierige Frage! Spontan würde ich mir wahrscheinlich ein paar Politiker an einen Tisch holen, Merkel, Putin, Trump… Und dabei beobachten, wie sie miteinander im Spiel umgehen.

Sind sie fair? Wer mogelt? Wer kann schlecht verlieren? Es wäre spannend zu sehen, ob sich der allgemeine Eindruck der Charaktere beim Spiel bestätigt.

Die Redaktion: Welches Spiel spielen Sie am liebsten? Und was spielen Sie heute mit Ihren Freunden?

Andrea Reitmeyer: Das kommt ganz auf die Stimmung an. Mit meinem Mann und meinem Sohn spiele ich gerne Schach, mein Sohn ist mittlerweile sogar im Schachverein, weil es ihm so eine Freude macht.

Die Siedler stehen bei uns außerdem hoch im Kurs, aber auch Klassiker wie Monopoly, Scotland Yard oder Uno sind bei allen beliebt.

Die Redaktion: Schummeln Sie auch gern mal im Spiel?

Andrea Reitmeyer: Überhaupt nicht. Als Kind hab ich bei manchen Spielen gern das Geld versteckt, um es herauszuholen, wenn alle dachten, ich hätte verloren.

Aber ich habe nie geschummelt, ich wollte immer mit fairen Mitteln gewinnen, sonst fühlte es sich einfach nicht gut an. Mein Mann und mein Sohn mögen es übrigens überhaupt nicht, zu verlieren. Da gibt es manchmal ganz schöne Diskussionen 🙂

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, auch selbst ein Spiel zu erfinden?

Andrea Reitmeyer: Das wäre eine große Herausforderung. Ich kann mich erinnern, dass wir damals zur Aufnahmeprüfung für die Fachhochschule Mainz sogar ein Spiel erfinden mussten. Das würde mich auch heute noch reizen.

Die Redaktion: Welches Spielthema würde Sie dann reizen?

Andrea Reitmeyer: Ich mag am liebsten Strategiespiele. Ein Spiel, welches die Kreativität fördert, wo man etwas planen, bauen, gründen muss, wäre nach meinem Geschmack.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Andrea Reitmeyer: Ein Spiel erfinden? Haha, wer weiß… In jedem Fall arbeite ich derzeit an meinem neuen Projekt: „Robin, der kleine Seehund“. Das Buch handelt von meinen Lieblingstieren im Wattenmeer und der Müllproblematik im Meer.

Es wird im Juni 2019 veröffentlicht! Außerdem plane ich bereits schöne neue Lesereisen für 2019, während welcher ich Kindergärten, Büchereien und Schulen besuche, um den Kindern von Biene Hermine und co… zu erzählen.

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 5440 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.