Angesagt – Manfred Theisen

Bildrechte @ Isabelle Grubert/Random House

Sehr geehrter Herr Manfred Theisen,
Sie haben in der Welt viel gesehen. So waren Sie für das Bundesinnenministerium in der damaligen Sowjetunion tätig.

Auch Afrika und Israel sind Ihnen bestens bekannt. Seit 1997 schreiben Sie Bücher. Ihr neues Werk trägt den Titel „Rot oder Blau – Du hast die Wahl“.

Die Redaktion: Um was geht es in dieser Geschichte?

Manfred Theisen: Um eine neunte Klasse, die eine Woche ins Landschulheim fährt. Die Lehrer haben ein Experiment vorbereitet, eine Art Demokratiespiel.

Die Schüler müssen sich entscheiden, ob sie in der roten oder der blauen Partei sind. Am Ende des Spiels soll es einen Präsidenten geben, doch bis dahin verlieren die Lehrer die Oberhand, Schüler Max schwingt sich zum Populisten auf und bald schon regieren Fake News und Intrigen.

Dabei schlüpft der Leser in immer neue Rollen, denn die Perspektive ändert sich. Das Experiment läuft aus dem Ruder bis …

Die Redaktion: Demokratie ist eine zarte Pflanze, die man pflegen muss. Wie wichtig ist es, dass junge Menschen sich mit der Demokratie auseinandersetzen? Und wie sollte die Politik auf junge Menschen zugehen?

Manfred Theisen: Ich denke, unsere Demokratie ist schon ein kräftiger Baum und längst keine zarte Pflanze mehr. Junge Menschen müssen sich mit Demokratie auseinandersetzen, sie werden schließlich unsere demokratischen Spielregeln in Zukunft formen.

Sie sollten ihre eigene Meinung kommunizieren und gleichzeitig die Meinung der anderen respektieren. Politiker waren immer schon weit weg von der Jugend. Lobbyisten umgarnen sie und sie selbst sind Teil der bestehenden Struktur, in der sie aufgestiegen sind.

Nun hat die Jugend aber Panik, Stichwort Klimawandel. Politiker sollten jetzt den Schwung der Jugend aufnehmen und ihn in Taten umsetzen. Dabei muss die Politik die Meinung der jungen Leute ernst nehmen, ohne sich anzubiedern.

Rot oder Blau – Du hast die Wahl von Manfred Theisen/ Bild cbj

Die Redaktion: Wenn erwachsene Menschen soziale Medien für ihre Fake News nutzen, ist es doch auch normal, dass junge Menschen dieses Instrument für sich nutzen. Was raten Sie, nicht nur als Autor, sondern auch als Vater, Eltern, sich ihren Kindern dieses Themas zu nähern?

Manfred Theisen: Die Eltern sollten mehr bei den Kindern sein. Gemeinsam mit ihnen über politische Themen reden und sie dazu ermutigen unrealistische Dinge zu hinterfragen. Wir wollen den aufgeklärten Menschen, dazu müssen sich die Eltern selbst aufklären.

Wir können die Kinder zu Fragen animieren, selbst als Eltern auch mal recherchieren und das Netz und Bücher nutzen und nicht nur uns unterhalten lassen. Neugierde ist das Zauberwort. Das Leben ist ein Spiel, aber ich will doch wissen, wer die Spielregeln macht und warum ich sie einhalten soll?

Gegen Fake News hilft nur Fragen und Wachheit.

Die Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee für dieses Buch gekommen?

Manfred Theisen: Ich schreibe nicht nur Bücher und mache viele Lesungen, sondern arbeite auch mit Schülern zum Thema Demokratie und ein Spiel mit farbigen Bändern habe ich selbst schon einmal in einem Wochenprojekt veranstaltet. Von hier aus war es kein weiter Weg.

Die Redaktion: Wenn Sie Ihre Geschichte reflektieren, würden Sie aus dieser Sicht gerne die Rolle eines Lehrers im realen Leben übernehmen wollen?

Manfred Theisen: Ich mag den Lehrberuf. Ich würde den Schülern aber nicht so viel Freiheit lassen wie die Lehrerin im Buch.

Die Redaktion: Wir sind ein Kinderspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Manfred Theisen: Ich habe als Kind Risiko, Spiel des Lebens, Schach, Monopoly und Mensch ärgere dich nicht geliebt und unsere Kinder lieben diese Spiele genau so. Hinzu kommen noch Lovecraft Letter, Sechs nimmt, Lotti Karotti, Risiko, Uno, Saboteur, Marswürfel, Werwolf, Monopoly und Kakerlakensalat.

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Manfred Theisen: Dass wir uns gegenseitig ärgern konnten. Das hat Spaß gemacht. Wir waren zusammen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Manfred Theisen: Napoleon, weil ich ihn beim Risiko so gerne verlieren sehen würde, Tom Holland, weil meine fünfzehnjährige Tochter das möchte. Der jetzige Spidermandarsteller ist angeblich ein Familienmensch.

Und Ellen DeGeneres, weil meine dreizehnjährige Tochter sie lustig findet und glaubt, dass sie eine gute Verliererin ist. Was wir mit ihnen spielen möchten? Lovecraft Letter.

Die Redaktion: Welches Spiel spielen Sie am liebsten? Und was spielen Sie heute mit Ihren Freunden?

Manfred Theisen: Risiko ist super, falls wir viel Zeit haben. Wir haben vier Kinder und spielen daher meist nicht mit unseren Freunden, sondern mit den Kindern und deren Freunden.

Und Risiko ist immer Familienkrise! Das Spiel Uno ist gut, wenn es ruhig bleiben soll und Saboteur macht Spaß, weil ich Zwerge mag. Ach ja, Schach spiele ich auf dem Computer und manchmal mit einem Freund.

Bildrechte @ Isabelle Grubert/Random House

Die Redaktion: Was schätzen Sie am gemeinsamen Spiel?

Manfred Theisen: Das Miteinander, das sich ärgern, dass sich die anderen ärgern und wir uns immer wieder vertragen. Schach mag ich, weil es für mich ein Teamspiel ist, auch wenn man es gegeneinander spielt. Und es zeigt mir meine Grenzen auf.

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, auch selber mal ein Spiel zu erfinden?

Manfred Theisen: Ja, klar.

Die Redaktion: Welches Spielthema würde Sie dann reizen?

Manfred Theisen: Verwandtschaft wäre ein Thema, auch Freundschaft. Vielleicht ein Spiel wie Rot und Blau für Gruppen. Ich mach mir mal Gedanken.

Die Redaktion: Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften, was wäre das?

Manfred Theisen: Meine Tochter sagt sofort: der Klimawandel. Ich schließe mich an.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Manfred Theisen: Ich glaube, ich denke mir wirklich ein Spiel aus.

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