Ein Sommer in Sommerby

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Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen aus unserem Land, deren Bücher viele Kinder den Weg zum Erwachsenwerden begleitet haben. Für diese Leistung wurde sie auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Alles kann so schön sein und plötzlich wird man mit Gewalt aus dem Leben gerissen. So ergeht es Martha und ihren beiden Brüdern, denn Mama hat in New York einen Unfall gehabt. Keiner weiß, was Sache ist. Papa ist ganz durcheinander und weiß nicht, wie er es anstellen soll, denn er kann die Kinder ja nicht mitnehmen.

Und vor lauter Aufregung findet er auch nicht die Adresse der Oma, bei der sie viele Jahre nicht gewesen sind. Eine gute Freundin der Familie fährt die Kinder nach Sommerby, ans Meer. Oma wohnt am äußersten Zipfel und als die Kinder mit der Bekannten ankommen, steht Oma mit dem Gewehr im Haus.

Also keine nette Begrüßung. Na gut, die Kinder bleiben hier. Aber Oma hat kein Telefon und was noch viel schlimmer ist, kein WLAN und sogar der Fernseher fehlt.

Dafür Hühner, das Meer und viel Natur. Eines Nachts bricht jemand in Omas Schuppen ein. Kein Wunder, dass die Kinder zuerst nach Hause wollen. Aber von nun an erleben sie die spannendsten Ferien ihres Lebens.

Kirsten Boie hat hier ein Ferienabenteuer geschrieben, dass nicht nur spannend ist, sondern auch zum Nachdenken anregt. Gerade in der Zeit, wo für manche das Netz wichtiger ist als die Realität, kann man sich schon einmal wünschen, dass jeder in Sommerby einmal Rast macht.

Das Besondere, die Kinder lernen bei der Oma ein anderes Leben kennen, egal ob sie mit Kartoffeln schälen müssen oder sich um die Tiere kümmern, sie sind Bestandteil des Lebens.

Und die Oma lässt ihnen Freiräume, die sie so noch nie kennengelernt haben. Zuerst haben dabei die Kinder den Eindruck, dass es der Großmutter egal ist, aber dieser Eindruck täuscht, auch wenn sie sehr schroff ist, nein sie liebt die Kinder.

Sie möchte, dass die Kinder selber aus ihren Fehlern lernen und nicht von ihr gesagt bekommen, das ist falsch, eben dieses typische Helicopterverhalten vieler Eltern.

Und als die Oma im Bett bleiben muss, kümmern sich die Kinder um alles. Dabei merken sie nicht, dass sie viel erwachsener geworden sind. Gekonnt wechseln dabei immer wieder die Perspektiven der Figuren, so lernt man Martha besser kennen, die kurz vor der Pubertät steckt und viel Verantwortung für ihre Brüder übernimmt und sich oft schützend vor ihre Brüder stellt.

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Aber auch die Nebenfiguren sind der Autorin immer wieder wichtig, denn dadurch fesselt Boie die Leser bzw. hier die Hörer. Lustig dabei ist, dass Enes, ein Junge, auf den Martha trifft, Platt spricht und Martha es für türkisch hält.

Und die Kinder können in ihrer Geschichte Kinder sein und die jungen Leser erleben hier keine heile Welt, aber sie lässt die Probleme sich entfalten, ohne dass sie sich aufdrängen. Und Martha lernt, in einer Welt zu leben, wo es kein Netz gibt.

Fazit

Spannend ist es zu sehen, wie sich die Kinder in diesem Sommer entwickeln. Und sie selber merken, dass die Art und Weise, wie die Großmutter ihnen Freiräume gibt, um selbst Erfahrungen zu sammeln, das Beste ist, was ihnen je passiert ist.

Die Kinder hinterfragen auch das Verhalten ihrer digitalen Freunde. Julia Nachtmann schafft es, dass die Geschichte lebendig wird und Kinder sowie Erwachsene gleichermaßen gefesselt der Geschichte lauschen.

Die Erwachsenen lernen dabei auch, dass einfach mal los zu lassen keine Straftat ist, sondern dass die Kinder diese Freiräume brauchen, um Erfahrungen zu sammeln.

Ein kleines Meisterwerk, was auch Lust auf Urlaub in Sommerby macht. Sie haben Sommerby auf der Karte noch nicht gefunden, schauen Sie genauer hin, es ist näher, als man denkt.

  • Interpret: Julia Nachtmann
  • Verlag Jumbo neue Medien

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Über Wilfried Just 8892 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.