Kranichland

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Anja Baumheier ist eine junge Autorin, die mit ihrem ersten Werk „Kranichland“ vollkommen überzeugt.

Geschickt führt sie ein Puzzleteil zum anderen, so dass sich erst zum Ende hin ein Gesamtbild ergibt, das beängstigt und verstörend zugleich ist.

Es geht dabei um eine Familie aus der DDR, die sich gerade gegründet hat. Sie wird bis in die heutige Zeit begleitet.

Manche würden sagen, schon wieder so eine Geschichte. Aber Anja Baumheiers Werk ist anders, das kann man verraten. Und das Anders ist hier positiv zu sehen, denn die Geschichte fesselt bis zur letzten Sekunde.

Die Protagonisten sind Elisabeth und Johannes Groen, sowie deren Kinder Charlotte, Marlene und Theresa.

Alles beginnt damit, dass Theresa ein Haus von ihrer totgeglaubten Schwester erbt und zwar das Haus ihrer Eltern. Aber dabei sollte doch Marlene schon viele Jahre tot sein.

Nach und nach kommt ein Bild zustande und man erfährt, wie eine Lüge eine gesamte Familie…

Elisabeth und Johannes haben genau in dem Jahr geheiratet, als die DDR gegründet wurde. Es war eine Liebesheirat. Beide sind jung und unerfahren. Johannes findet in der Partei seinen Halt, was nach dem Krieg für den jungen Mann wichtig war.

Dabei ordnet er alles der Partei unter und dadurch entfernt er sich auch geistig von seiner großen Liebe, die auf einmal in den Unterlagen der Staatssicherheit auftaucht, nur weil sie zufällig in der Nähe einer Demonstration fotografiert wird.

Elisabeth wird Krankenschwester in einem großen Berliner Krankenhaus. Hier lernt sie Anton, einen jungen Arzt, kennen und lieben. Anton ist offen und dadurch muss er sich in die BRD absetzen, um nicht in die Fänge der Stasi zu geraten. Die beiden Mädchen, die Elisabeth und Johannes haben, sind charakterlich sehr unterschiedlich.

Charlotte kommt eher nach dem Vater und Marlene ist unangepasst, rebellisch und dafür zahlt sie einen hohen Preis.

In dem Roman geht es in allererster Linie um die Menschen, wie sie sich entwickeln. Es wird keine Schuldfrage gestellt, nein, man erfährt, warum man sich in bestimmten Situationen so oder so entwickeln kann, weil man halt jung und unerfahren ist. Man erfährt auch, wie perfide dieses System DDR war.

Marlene ist ein Opfer davon. Folter, Demütigungen sind das eine, dass man das eigene Kind wegnimmt, das andere. Und Johannes, der hier seine Tochter verliert, macht das nicht freiwillig, nein, er hat keine andere Möglichkeit, denn sonst würde er den Rest der Familie verlieren.

Hierbei bekommt der Leser mit, dass die Stasi nicht einmal ihre eigenen Leute über den Weg getraut hat, denn auch sie wurden von ihrem eigenen System überwacht. Musste es so enden? Die junge Autorin greift eine breite Themenpalette auf, die man so nie als Gesamtbild im Fokus hat.

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Man erlebt, wie Menschen ihrer Kinder beraubt wurden, als Druckmittel, um sie für das System gefügig zu machen. Es wurden Menschen gebrochen und dann verkauft. Deshalb ist nicht verwunderlich, dass unser ehemaliger Bundespräsident die Freiheit als oberstes und wichtigstes Gut immer wieder hervorhebt.

Fazit

Die Autorin beweist dabei ein unheimliches Fingerspitzengefühl, dieses in einer Geschichte zu verarbeiten.

Auch wenn es dieses System schon lange nicht mehr gibt, soll man es sich immer vor Augen halten, dass es so was nie wieder entstehen darf. Vor allem die Folgen sind bis heute immer noch spürbar, schließlich hat es die ganze Familie zerstört.

Anja Baumheier: „Kranichland“ kann man hier nur empfehlen, eine Geschichte die von der ersten bis letzten Sekunde allein durch den Erzählstil und die Geschichte selber fesselt. Hier finden Sie das Interview mit der jungen Autorin.

  • Verlag: Audiobuch
  • Im Gespräch mit Anja Baumheier

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