Projekt mit spektakulären Dimensionen

Dreieinhalb Meter lang soll das Wasserrad nach der Fertigstellung sein. Es wird in einer Ausstellung nahe Hannover zu sehen sein. Bild: Ingwer Carstens

Ein spannendes Bauwerk entsteht aktuell im Raum Hannover. Der passionierte Konstrukteur Ingwer Carstens baut aus fischertechnik Komponenten eine Anlage mit meterhohen Wasserrad-Modellen. Das Besondere daran: Der Tüftler ist fast blind.

Die Großanlage ist für die Bastlergemeinschaft der Wennigser Wasserräder bestimmt. Der Verein verfügt über mehr als 20 Wasserradmodelle, die von Ende April bis Anfang Oktober im Deister, einem bewaldeten Höhenzug 30 Kilometer südwestlich von Hannover, zu bestaunen sind. Dieser Sammlung möchte Ingwer Carstens ein Exponat für den Indoor-Gebrauch hinzufügen.

Dreieinhalb Meter lang soll es nach Fertigstellung sein. Es umfasst neben dem Wasserrad eine Mühle, ein blaues Förderband, das das Wasser darstellt, und ein klassisches Karussell.

Diese Dimensionen sind für jeden fischertechnik Konstrukteur eine echte Herausforderung. Bei Ingwer Carstens kommt hinzu: Er ist fast blind. Als Kind besuchte er die Blindenschule, und schon damals kam der heute 62-Jährige mit fischertechnik in Kontakt. Eine Tüftelei, die ihn nie wieder losgelassen hat. Seinen aktuellen Bestand an fischertechnik Material beziffert er auf 600 bis 700 Kilogramm.

Beim Bauen helfen Ingwer Carstens seine enorme Erfahrung, sein – im wahrsten Sinne – Fingerspitzengefühl und, trotz Einschränkung, seine Augen. „Alle Bausteine von früher habe ich im Kopf“, erklärt er. „Es gibt ja Wiederholungsbaugruppen, wenn man die 30 Mal hintereinander baut, geht es immer schneller. Kleinteilige Bauschritte helfen, das wusste schon Henry Ford.“

Ingwer Carstens beim Bauen seines Großmodells, das ein blaues Förderband und ein klassisches Karussell beinhaltet.
Bild: Ingwer Carstens

2018 begann Ingwer Carstens, der auch Mitglied der von Fans organisierten fischertechnik Community ist, das Konzept zu seinem aktuellen Vorhaben zu entwickeln, bis er sich dann 2020 an die Umsetzung machte. Angesichts der Dimensionen stieß er an gewisse Grenzen, aber als eingefleischter Konstrukteur wusste er sich zu helfen.

„Die dicksten Achsen von fischertechnik sind vier Millimeter dick, das ist für ein Rad mit 60 Zentimetern Durchmesser aber zu schwach“, erklärt der Experte. Also nahm er ein Kugellager und setzte in dieses ein mit Hilfe von 3D-Druck selbst erstelltes Gehäuse ein, das ein Vierkantrohr (15,2 x 15,2 mm) aufnehmen konnte und zudem fischertechnik kompatibel war.

Für die Zeit nach der Fertigstellung des Wasserradsystems hat Ingwer Carstens schon weitere Projekte angedacht, die er mit fischertechnik realisieren will. Zum Beispiel möchte er sein Modell einer konischen Windmühle des Typs „Turmgalerieholländer“ überarbeiten. Eine weitere Idee, die ihm durch den Kopf geht, ist der Nachbau einer Schnellzug-Dampflokomotive.

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