Angesagt – Anika Lehmann

Bild/Credits: Francis Müller

Sehr geehrte Frau Anika Lehmann,
Sie sind Schauspielerin und Musikerin. Der Zuschauer kennt Sie aus Filmen, wie „Einsatz in Hamburg“, „Alles was zählt“, „Rote Rosen“, „Heiter bis tödlich – Morden im Norden“, „Notruf Hafenkante“ und „Ein weites Herz“. Und auch die Bühne des Theaters ist Ihr Zuhause.

Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden?

Anika Lehmann: Ja, ich habe schon als Kind immer auf Familienfesten (wir sind eine sehr große Familie, es waren also viele Feste) getanzt und gesungen, und bin notfalls auf den Tisch gestiegen, um alle zu sehen.

Die Idee, zum Zirkus zu gehen, fand ich eine Zeit lang auch toll. In der Grundschule hat dann tatsächlich mal ein Zirkus bei uns gastiert und wir haben Kunststücke geprobt und durften mit dem Ensemble auftreten – das war ein ganz besonderes Erlebnis für mich!

Aber spätestens seit „Peter Pan“ – für das Stück stand ich zum ersten Mal auf der Bühne – war es dann um mich geschehen. Diese ganz besondere Welt hat mich seitdem immer fasziniert und ich liebe die Theaterluft.

Die Redaktion:  Demnächst stehen Sie im Winterhuder Fährhaus in Hamburg auf der Bühne. Im Stück „Frau Müller muss weg“ haben Sie eine der Hauptrollen übernommen. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Anika Lehmann: Ich war in der 4. Klasse einer Grundschule, um mich wieder leichter in die Schulzeit hinein versetzen zu können. Aus Schülersicht aber auch aus der Sicht der Eltern.

Ich habe mir vorgestellt, wie alt mein Kind jetzt wäre, was wir für eine Beziehung hätten und wie es wäre, mit den Lehrern zu sprechen. Außerdem habe ich meine Rolle Jessica dem Gepard gleich gesetzt. Sie ist schnell, kriegt, was sie will und beißt sich durch, auch wenn es unbequem oder
„blutig“ wird.

Die Redaktion:  In der Rolle als Elternsprecherin Jessica Höfel teilen Sie richtig aus. Haben Sie in Ihrer Schulzeit auch solche negativen Erfahrungen gesammelt und wie viel Höfel steckt in Ihnen selber?

Anika Lehmann: Die Frage bringt mich zum Lachen! Denn als ich für die Rolle vorsprach, dachte ich tatsächlich noch: „Puh, ich glaube, das bin ich so gar nicht und fühlte mich dafür auch viel zu jung.“ Das ist aber ja genau die Herausforderung und während der Proben bekam ich immer mehr Spaß daran, Jessica zu spielen, mit ihrer taffen Art und ihrer Härte. Natürlich hat sie auch viel Charme, mit dem sie ganz genau umzugehen weiß.

Meine eigene Schulzeit war cool. Aber ich erinnere mich noch ganz genau, dass ich bei Ungerechtigkeiten auf die Barrikaden ging. Das ist auch heute noch so!

Und ich war mal Schulsprecherin, vielleicht gar nicht so weit weg von einer Elternsprecherin (lacht).

Die Redaktion:  Konnten Sie in der Schulzeit gut Gedichte auswendig lernen?

Anika Lehmann: Ich weiß noch ganz genau, wie ich zusammen mit meinem Opa und meiner Oma das Gedicht „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern auswendig gelernt habe. Das war auf dem Weg von Berlin nach Hamburg und wir saßen alle drei hinten auf der Rückbank im Auto, ich in der Mitte.

Das war perfekt, weil es bei den drei Spatzen auch darum ging, wie kuschelig sie zusammen saßen und ich hatte sofort das passende Bild vor Augen. Über Geschichten und Bilder ging das Auswendiglernen immer gut oder im Zusammenhang mit Musik.

Bild/Credits: Francis Müller
Bild/Credits: Francis Müller

Die Redaktion:  Wie kann man sich als Schauspielerin die vielen Texte merken? Haben Sie da einen Trick?

Anika Lehmann: Zuerst bringe ich durch entsprechende Übungen meine Gehirnhälften zusammen. Ich habe rausgefunden, dass ich am besten in Bewegung lerne und draußen an der frischen Luft.

Außerdem hilft es mir, wenn ich die Texte aufs Handy spreche. So bekomme ich auch gleich die passenden Antworten von meinen Spielpartnern und es ist viel lebendiger, wie ein richtiges Gespräch. Ich stoppe also immer, wenn ich dran bin und spreche dann meinen Part.

Die Redaktion:  Sie machen auch Musik. So standen Sie auch für verschiedene Musicals auf der Bühne. Bekommt man da nicht Lust, mehr Musik zu machen?

Anika Lehmann: Auf jeden Fall. Ich liebe Musik und übrigens: Wer singt, lebt länger! In einer Band zu singen, fänd ich auch cool und ich würde gerne mal eine CD mit meiner Musik aufnehmen.

Die Redaktion: Die Bühne, der direkte Kontakt mit dem Publikum, all das ist anders als der Film. Was fühlt man als Schauspieler, wenn der Applaus erklingt und der Vorhang fällt?

Anika Lehmann: Große Freude und Adrenalin durchströmen noch immer den Körper. Manchmal gibt es aber auch Momente, in denen ich total gerührt bin von den Reaktionen des Publikums. Bei den „Störtebeker Festspielen“ letzten Sommer in Ralswiek war das z.B. der Fall – dieses Zusammenspiel von Tier und Mensch, das Ganze unter freiem Himmel in Verbindung mit der Natur war wirklich einzigartig und ich hatte am Ende der Vorstellung oft eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Die Redaktion: Was machen eigentlich Schauspieler am Set, wenn sie nicht gerade dran sind?

Anika Lehmann: Gute Frage! Essen. (grinst) Am liebsten was Frisches und natürlich Schokolade für die gute Laune.

Bei den Dreharbeiten zu „Rote Rosen“ war in den Pausen am Set natürlich auch immer wieder Text lernen angesagt. Oder auch einfach ’ne gute Zeit mit den Kollegen haben – quatschen und rumalbern. Immer mal wieder lese ich dann auch Stücke fürs Theater.

Die Redaktion:  Was würden Sie jungen Leuten raten, die selber gerne Schauspieler werden wollen?

Anika Lehmann: Einfach machen! Lebt Eure Träume. Es gibt nichts Besseres, wirklich! Und wenn man breit aufgestellt ist, kann man in so vielen unterschiedlichen Bereichen arbeiten, das ist toll!

Von Film/Fernsehen und Theater über Musik machen bis hin zu Synchron, Werbung…und vieles mehr!

Die Redaktion:  Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Anika Lehmann: Ja, das habe ich und gerade letztens saßen wir mit Freunden zusammen und ich hatte die Idee, mal wieder ein Brettspiel zu spielen. Große Augen guckten mich zuerst an, aber dann waren alle begeistert dabei.

Die Redaktion:  Und da man ja nicht nur mit Kindern spielt, stellt sich die Frage, was Sie mit Ihren Freunden spielen?

Anika Lehmann: Ich bin Patin im SOS Kinderdorf Harksheide und wir machen demnächst auch
eine Art „Spieleabend“, indem wir zusammen kochen und mit dem Spiel „Sing Star“ so richtig Spaß haben werden.

Mit meinen Freunden spiele ich z.B. „Monopoly“ oder „Activity“.

Die Redaktion:  Sie wissen, Schauspielen und Spielen haben was gemeinsam, es funktioniert nach Regeln. Was fasziniert Sie beim Spielen? Was ist eigentlich Ihr Lieblingsspiel?

Anika Lehmann: Beim Schauspielen faszinieren mich die anderen Welten und Charaktere, in die ich eintauchen kann. Dadurch entdecke ich natürlich auch immer wieder ganz neue Seiten an mir, das ist schon toll!

Ich liebe Spiele mit Körpereinsatz wie z.B. „Twister“. Als Kind habe ich außerdem auch gerne das Angelspiel „Fische fangen“ gespielt.

Die Redaktion:  Wenn Sie in die Rolle eines Spieleerfinders schlüpfen könnten, welches Spiel würden Sie denn gern einmal erfinden wollen?

Anika Lehmann: Ein Spiel, das man mit vollem Körpereinsatz spielen kann und mit vielen bunten Farben, zum gegenseitig Bemalen. Am besten in Kombination mit Musik und Tanz, das wäre toll.

Die Redaktion:  Was planen Sie für die Zukunft?

Anika Lehmann: Weiterhin die Welt zu bereisen und mich über all die tollen Überraschungen freuen, die mich erwarten! Mein Ziel ist es, international zu arbeiten, das vertiefe ich gerade. Mein Motto möchte ich auch zukünftig beibehalten: Sich gegenseitig jeden Tag ein dickes fettes Lächeln zu schenken und MITEINANDER ein tolles Leben zu führen.

Die Redaktion:  Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Zur Person

Anika Lehmann absolvierte ihr Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Anschließend machte sie sich dem Theaterpublikum bundesweit bekannt, als sie u.a. von der Presse für ihre Rollen als “Hamburgs schöne Buhlschaft” im “Jedermann”, als Eliza Doolittle in “My Fair Lady” oder Gigi in „Zur Mittagsstunde“ gefeiert wurde. An der Seite von Gustav Peter Wöhler spielte sie seine Tochter Zeitel in “Anatevka”.

Im letzten Sommer war sie bei den Festspielen in Ralswiek in „Aller Welt Feind“ Störtebekers große Liebe, die russische Seherin Nadeshda und steht zur Zeit wieder mit „Frau Müller muss weg“ auf der Theaterbühne im Winterhuder Fährhaus.

Für das Fernsehen übernahm die quirlige Schauspielerin ebenfalls eine Reihe von Rollen, u.a. in “Einsatz in Hamburg”, “Alles was zählt”, “Heiter bis tödlich – Morden im Norden”, “Notruf Hafenkante”, „Rote Rosen“ und im Fernsehfilm “Ein weites Herz”. Außerdem singt sie leidenschaftlich gerne und liebt es, die
unterschiedlichen Künste miteinander zu verbinden.

Bild/Credits: Francis Müller

http://www.anika-lehmann.com/de/

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Wilfried Just
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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken.

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