Angesagt – Claudia Opitz und Sebastian Köpcke

Bildrechte André Lang, Berlin/ Lexa, Thomas und Claudia

Sehr geehrte Claudia Opitz, sehr geehrter Sebastian Köpcke,
„Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben“. Das sang bereits Peter Maffay und sprach bzw. sang damit so vielen Erwachsenen aus der Seele. Sie sind die Schöpfer der Kinderbuchreihe „Das Zebra und der Kolibri“.

Die Redaktion: Können Sie sich einfach mal bitte kurz vorstellen?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Wir sind zwei Berliner Kinderbuchautoren, Gestalter und Ausstellungsmacher. Im Jahr 2016 haben wir unser erstes Kinderbuch »Das Zebra und der Kolibri – Begegnung im Dschungel« veröffentlicht. Seither ist viel passiert. Die Geschichte hat ihre Fortsetzung gefunden und ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Wir sind selbst gespannt, wie es weitergeht.

Die Redaktion: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Sebastian hat bereits einiges für Erwachsene publiziert, Bücher über historisches Spielzeug, Design, Kulturgeschichte und Fotografie in musealen Sammlungen. Claudia hatte die Idee gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Ein Kinderbuch war für uns beide Neuland und so machten wir uns mit Schwung an die Sache. Klar war von Anfang an, dass wir unsere Geschichte ganz traditionell in Versform schreiben wollten. Wir selbst sind mit solchen Büchern aufgewachsen und heute sind sie leider selten geworden.

Ein Text bekommt durch das Reimen einen ganz eigenen Rhythmus, einen eigenen Klang und wir sind uns sicher, dass dies für die Sprachentwicklung von Kindern essenziell ist. Außerdem illustrieren wir unsere Bücher selber, so kommt alles aus einer Hand.

Die Redaktion: Wer ist denn eigentlich das „Das Zebra und der Kolibri“?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Das Zebra ist ein erfolgreicher Zirkusakrobat, durch und durch Künstler, aber sehr liebenswert. Der winzigkleine zauberhafte Kolibri ist hingegen durch das Leben im Dschungel mehr der Realität verpflichtet. Diese unterschiedlichen Charaktere bilden die Grundkonstellation für unsere Geschichten.

Bild Verlag

Die Redaktion: Um was geht es in Ihrem neuen Kinderbuch?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Im weitesten Sinne geht es bei Zebra und Kolibri um Freundschaft, Toleranz, Verlässlichkeit und darum, dass sich jeder, trotz aller Unterschiedlichkeit, im Anderen erkennt und beide daraus gemeinsam Stärken entwickeln können, um alle Hindernisse zu überwinden.

Im ersten Buch sind sie sich begegnet. Am Ende dieses Dschungelabenteuers stehen sie vor der Frage, ob jeder in seiner gewohnten Welt bleibt, oder ob sie ihren Weg gemeinsam weitergehen wollen.

Das zweite Buch erzählt davon, dass unsere Helden im Zoo getrennt werden und sich mit Hilfe verlässlicher Freunde den Weg in die Freiheit bahnen können. Unser neuestes Buch begleitet Zebra und Kolibri »Auf großer Fahrt«.

An Bord eines großen Schiffes geht es Richtung Afrika. Wieder können sie beweisen, dass man gemeinsam jedes Problem lösen kann. Dabei sind sie sich nicht selbst genug, sondern auch für andere da.

Die Redaktion: Sie haben gemeinsam mit dem Berliner Musiker Lexa A. Thomas die Musik zum gleichnamigen Buch geschrieben. Wie kommt man auf die Idee, aus einem Kinderbuch eine Musik-CD zu produzieren?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Schon beim Schreiben der Geschichte hatte Claudia, die als Tänzerin selbst einige Jahre Bühnenerfahrung sammeln konnte, szenische Bilder vor Augen. Da war es für uns naheliegend, daraus auch ein musikalisches Bühnenstück zu entwickeln. Sobald das Buch fertig war, machten wir uns daran, eigenständige Liedtexte zu schreiben, die die einzelnen Begebenheiten des Buches illustrieren.

In Lexa A. Thomas fanden wir den besten Mitstreiter, den wir uns wünschen konnten. Der gestandene Musiker und Komponist hat ein breites Repertoire, in dem Musik für Kinder immer eine große Rolle spielte. Mit seiner Komposition traf er die richtige Stimmung für unsere Geschichte.

Die Redaktion: Menschen machen Fehler und davon sind Eltern nicht ausgenommen. Wie oft habe ich mich selbst dabei erwischt, in typische Fettnäpfchen zu treten, gerade wenn man mit dem eigenen Kind spricht. Gerade in der jetzigen Zeit. Wie soll man mit Kindern über das Thema Virus sprechen?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Zum Glück sind unsere Kinder bereits erwachsen. Dennoch ist uns sehr bewusst, vor welchen Herausforderungen Eltern in diesem Jahr stehen. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass man Kinder ernst nehmen sollte, auch und gerade wenn man ihnen schwierige Sachverhalte nahebringen muss. Jedoch geht eines gar nicht, dass man Kindern derart Verantwortung auflädt, dass sie sich als todbringende Virenschleudern fühlen, die das Leben der Oma gefährden.

Wir sind der Meinung, die Verantwortung liegt dabei generell bei uns, den Erwachsenen. Das meint jedoch nicht, dass Kinder von selbstverständlichen Verhaltensregeln, wie Händewaschen und Rücksichtnahme, entbunden werden.

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Bei Claudi musste es vor allem lustig und gesellig sein. Das Beste am Spiel war es, wenn sich die Erwachsenen ordentlich geärgert haben. Sebastian ist bis heute kein besonders ehrgeiziger Spieler. Das Beste an einem familiären Spielabend war, dass dabei nicht auf die Uhr geschaut wurde und dass es immer reichlich Salzstangen gab.

Die Redaktion: Welches Spiel spielen Sie am liebsten?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Claudia spielt am liebsten die klassischen Spiele wie »Mensch ärgere dich nicht!«, Rommé und Mikado. Bei Sebastian ist es mittlerweile gute Tradition, die Silvesternacht mit Freunden auf dem Lande als Romméabend zu gestalten. Dabei wurde schon mehr als einmal der Augenblick des Jahreswechsels im Spielgeschehen verpasst.

Bildrechte André Lang, Berlin/ Lexa, Thomas und Claudia

Die Redaktion: Was schätzen Sie am gemeinsamen Spiel?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Ein spannendes Spiel hat die richtige Mischung aus Strategie, Psychologie und dem glücklichen Zufall. Gerade als Erwachsener erkennt man dabei seine Mitspieler und sich selbst besser. Als Kind macht man die beglückende Erfahrung des Sieges, muss aber auch lernen, mit Niederlagen umzugehen – wie im richtigen Leben.

Die Redaktion: Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften, was wäre das?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: 1951 schrieb Bertolt Brecht »Die Bitten der Kinder«. Die Welt wäre eine bessere, wenn diese Bitten endlich in Erfüllung gingen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Darüber haben wir lange nachgedacht. Am Ende kamen wir überein, Kurt Tucholsky und Joachim Ringelnatz zum Spielen einzuladen, denn, egal wer gewinnt, würde es wohl mit diesen beiden kritischen Geistern mit ihrem gewaltigen Wortwitz ein unterhaltsamer Abend.

Die Redaktion: Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Claudia Opitz und Sebastian Köpcke: Claudia ruft der kleinen Claudi zu: Trau dich! Und Sebastian ist bei dieser Frage etwas ratlos, weil er sich zuweilen noch immer jünger fühlt, als er tatsächlich ist.

 

 

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Über Wilfried Just 9037 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken.