Angesagt – Klaus-Jürgen Wrede

Bild Hans im Glück/ Wrede

Sehr geehrter Herr Wrede,
Sie sind Spieleautor und jetzt haben Sie Ihren ersten Roman „Das Geheimnis des Genter Altars“ veröffentlicht. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Roman zu schreiben?

Wrede: Eigentlich hatte ich schon sehr lange die Idee, einen Roman zu schreiben. Damals hatte ich allerdings etwas ganz anderes vor als einen Roman über den Genter Altar.

Dann sah ich zufällig eine BBC-Sendung über den Genter Altar und die mysteriösen Umstände des Diebstahls der Tafel, die bis heute noch verschwunden ist. Dann begann ich mit den Recherchen und langsam schälte sich so etwas wie eine Roman-Idee heraus.

Während dieser Recherchen in Südfrankreich bin ich dann übrigens auch auf die Idee zum Spiel “Carcassonne” gekommen. Die Romanidee ist also eigentlich vor Carcassonne entstanden, dann war ich nur durch den Erfolg von Carcassonne viele Jahre sehr mit den Spielen beschäftigt (und ich hatte ja auch noch meine Lehrtätigkeit am Gymnasium, die mich eh ausfüllte).

Die Redaktion: Der Roman beruht ja auf historischen Ereignissen. Wie lange haben Sie für die Recherche gebraucht?

Wrede: Das ist schwer zu sagen, da ich ja noch andere Sachen gemacht habe. Also nicht rund um die Uhr recherchiert, sondern auch noch meinem Beruf als Lehrer nachgegangen bin und Spiele erfunden habe. Aber einige Jahre waren es sicher.

Die Redaktion: Um was geht es in dem Roman?

Wrede: Um einen mysterösen Diebstahl, der sich tatsächlich 1934 so zugetragen hat. Und um zwei Menschen –Mara und Daniel- die in diese ganze Geschichte heute hineingezogen werden. Sie machen sich auf die Suche nach der verschwundenen Tafel, die ein großes Geheimnis in sich tragen soll – und die bis heute tatsächlich noch gesucht wird. Und entdecken dabei weitere Geheimnisse, die bis ins Mittelalter und weiter zurückreichen…

Die Redaktion: Bleiben Sie uns als Spieleautor weiter erhalten?

Wrede: Ja! Na klar!

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Roman in ein Spiel zu verwandeln?

Wrede: Habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ist sicher gut möglich. Es wäre sicher ein interessantes und spannendes Spiel!

Aber nach so vielen Jahren der Beschäftigung mit dem Roman reizt mich auch die Abwechslung!

Die Redaktion: Eigentlich waren Sie einmal Lehrer gewesen, für Religion und Musik. Und dann Spieleautor. Wie kamen Sie damals auf die Idee, Spieleautor zu werden?

Wrede: Eigentlich übers Spielen selbst. Irgendwann so Mitte zwanzig entdeckte ich die Spielewelt für mich. Und irgendwann begann ich dann auch, eigene Ideen auszuprobieren und umzusetzen. Ich bin schon eher ein kreativer Mensch, denke ich. Ob das die Musik oder das Erfinden von Spielen oder Schreiben von Büchern ist – ich erfinde immer gern was Neues…

Die Redaktion: Muss ein Spieleautor ständig einen Schreibblock mit sich führen, um schnell seine Ideen aufzuschreiben?

Wrede: Muss man nicht. Eigentlich bin ich auch nicht so vergesslich, wenn ich eine Idee habe. Dann beschäftigt mich die auch länger und ich weiß auch am nächsten Tag noch, was ich gedacht habe. Aber wenn dann manchmal ein paar Wochen dazwischen liegen, dann ist es schon gut, sich Skizzen und Notizen zu machen.

Und es hilft auch, es klarer zu machen im Kopf, wenn man es aufschreibt. Man merkt, an was man noch nicht gedacht hat, wo es Probleme geben könnte etc..

Die Redaktion: Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, wenn diese auch gern Spieleautor werden wollen?

Wrede: Einfach viel spielen und dann ausprobieren, wenn einem eine Idee kommt. Mit der einen Idee ist es meist nicht getan. Manchmal muss man das Spiel immer wieder verändern, bis es so ist, wie es einem gefällt (und auch den Testern – man selbst ist da oft auch zu befangen und involviert…

Und man darf auch nicht zu sehr an etwas festhängen, das man selbst gut findet. Man sollte immer kritisch auch aus sich heraustreten können (ich weiß, das ist einfach gesagt..). und einfach dranbleiben. Immer wieder.

Die Redaktion: Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Wrede: Ja. Wir haben recht viel gespielt. Damals gab es aber wenig Spiele wie heute. Das waren dann eher Mühle, Schach oder ähnliche Spiele. Natürlich gab es auch Monopoly und Mensch ärgere dich nicht. Aber die fand ich z.B. immer langweilig.

Die Redaktion: An was können Sie sich dabei erinnern? Was war Ihnen aus heutiger Sicht dabei wichtig? Und was haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Bild Hans im Glück/ Wrede
Bild Hans im Glück/ Wrede

Wrede: An viele interessante Schachpartien mit meinem Vater, damals war ich so etwa 12 oder 13. Davor habe ich mit meiner Mutter viel Mühle gespielt oder Halma. Und mit meinen Geschwistern und Freunden sehr viel draußen. Das waren aber dann auch viel Bewegungsspiele oder Geschicklichkeitsspiele.

Die Redaktion: Wenn Sie Kinder haben, was spielen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern? Was macht das Spielen mit Ihren Kindern aus Ihrer Sicht aus?

Wrede: Eigene Kinder habe ich nicht. Aber in der Schule hatte ich natürlich ganz ganz viele Kinder. Auch mein Unterricht war schon sehr am Spielen orientiert. Selbst in der Oberstufe habe ich mir Methoden ausgewählt, bei denen die Schüler möglichst viel lernen, ohne es zu merken.

Oder auch einfach Spaß dabei haben, weil sie etwas herausfinden oder entdecken wollen. Ich denke, diese Neugier macht auch das Spielen aus. Und gerade darüber funktioniert Lernen besonders gut!

Die Redaktion: Und da man ja nicht nur mit Kindern spielt, stellt sich die Frage, was Sie mit Ihren Freunden spielen?

Wrede: Alles! Wirklich alles, was kommt! Es ist schade, dass die Zeit begrenzt ist, alles kennenzulernen und auch wieder die schönen alten Spiele regelmäßig herauszuholen. Und das merke ich auch ein wenig bei mir. Früher habe ich gern Spiele von 2, 3 Stunden gemacht, bei denen ich eintauchen konnte und eine langfristige Taktik ausprobieren konnte.

Das hat sich ein wenig geändert. Heute spiele ich lieber etwas kürzere Spiele und dann dafür lieber 2 oder 3. Eintauchen kann ich da auch.

Die Redaktion: Heutzutage leiden alle unter Stress und Zeitnot. Dadurch haben oder besser gesagt, nehmen sich Eltern keine Zeit, mit ihren Kindern zu spielen.

Was würden Sie Eltern raten, wie wichtig es wäre, mit ihren Kindern zu spielen?

Wrede: Es ist ein ganz wichtiger Gegenpol. Auch zur individualisierung. Jeder ist jederzeit erreichbar. Man muss nicht mal mehr aus dem Haus gehen, sondern redet über whatsapp sogar im gleichen Haus miteinander. Gerade da ist es wichtig, gemeinsam etwas Schönes zu machen. Und sich vielleicht mal anders kennenzulernen und andere Seiten zu sehen.

Die Redaktion: Wie sollten Eltern das passende Spiel für ihre Kinder finden? Haben Sie da einen Tipp, wie diese vorgehen sollten?

Wrede: Das Thema ist sicher wichtig für Kinder. Aber davon sollte man sich nicht immer blenden lassen. Häufig geht dann der Reiz schnell weg, wenn die Substanz dahinter zu sparsam ist. Und so nur das Thema übrig bleibt.

Ich würde auch mal in eine Bücherei gehen und dort Spiele ausleihen. Oder sich in einem Geschäft beraten lassen. Oder auf eine Veranstaltung gehen, die ja in jeder Stadt regelmäßig stattfinden. Da kann man sich Spiele erklären lassen und kostenlos ausprobieren… ich glaube, bald gibt es wieder so was. “stadt, land, spielt” in ganz Deutschland in zig städten.. einfach mal googeln..

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Wrede: Weiter kreativ bleiben zu können!

Die Redaktion: Wir bedanken uns recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Zur Person

Klaus-Jürgen Wrede, 1963 in Meschede/Sauerland geboren, ist das, was man hinlänglich als einen „kreativen Menschen“ bezeichnet. Und das kommt nicht von ungefähr: Beide Eltern waren Musiker, schon in jungen Jahren lernte er Klavier, Cello, Orgel; mit 12 Jahren folgten erste Kompositionsversuche. Mit 17 wird er Preisträger bei „Jugend komponiert“, veröffentlicht eigene Kompositionen – ein Studium an der Kölner Musikhochschule ist die logische Folge.

Es folgt ein Theologiestudium, das mit den Studiengängen Klavier und Komposition erweitert wird sowie eine Lehrertätigkeit an einem Kölner Gymnasium für Musik und Religion. Mit dem ersten von ihm entwickelten Spiel landet er den großen Wurf: „Carcassonne“ wird 2001 als ‚Spiel des Jahres‘ ausgezeichnet und mit dem „Deutschen Spiele-Preis“ geehrt. Seitdem wurden über zehn Millionen Exemplare dieses erfolgreichen Familienspiels in mehr als 30 Sprachen verkauft.

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Wilfried Just
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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken.

Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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