Angesagt – Jasmin Schaudinn

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Sehr geehrte Frau Jasmin Schaudinn,
im Januar 2020 erschien Ihr Kinderbuch „Edda aus dem Moospfad“ (Oetinger Verlag).

Die Redaktion: Für jemanden, der Sie nicht kennt, könnten Sie sich bitte einmal kurz vorstellen?

Jasmin Schaudinn: Ich bin ein grenzenlos optimistischer Mensch! Meistens fröhlich und etwas chaotisch.

Zum Beispiel notiere ich Buchideen auf diversen Zetteln, dem Laptop, spreche sie auf’s Handy…und habe dann Mühe, alles zusammenzusammeln.

Außerdem habe ich drei großartige Kinder, die mich auf Trapp halten, liebe Schokolade, Ingwertee und alles, was bunt ist.

Die Redaktion: Könnten Sie bitte kurz verraten, um was sich in der Geschichte geht?

Jasmin Schaudinn: Edda ist sechseinhalb Jahre alt – also schon ziemlich groß, findet sie. Schließlich kommt sie im Sommer in die Schule.

Bis es soweit ist, erlebt sie mit ihren Freunden jede Menge Alltagsabenteuer im Moospfad. Wenn es ihr zuviel wird, verschwindet sie in den Rhododendron, ihr allergeheimstes Geheimversteck.

Die Redaktion: Wie sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen?

Jasmin Schaudinn: Alles begann in der Grundschule. Wir sollten als Hausaufgabe eine Geschichte vervollständigen.

Ich schrieb und schrieb… Schließlich wurde daraus eine Fortsetzungsgeschichte, die ich meinen Klassenkameraden regelmäßig vorlas.

Da meine Geschichten gefielen, schrieb ich immer öfter welche, auch um sie zu verschenken. Das kam gut an und war nicht so teuer…

Die Redaktion: Ich habe gelesen, dass Sie Erzieherin sind. Wie kommt man dann zum Schreiben von Kinderbüchern?

Jasmin Schaudinn: Also zuerst einmal liest man als Erzieherin jede Menge Kinderbücher vor. Da bekommt man die Reaktionen der Kinder hautnah mit. Außerdem lernt man, wie Kinder ticken, was sie beschäftigt und was ihnen wichtig ist.

Ich bin mir sicher, dass diese Zeit viel dazu beigetragen hat, dass ich mich so gut in Kinder hineinversetzen kann. Schreiben war schon immer mein Liebstes, aber ich habe mich nicht getraut. Vor ein paar Jahren habe ich dann gedacht: Jetzt oder nie!

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Die Redaktion: Gute Kinderbücher besitzen etwas Magisches, sie sind etwas Besonderes. Wie kann man als Autorin diese Magie in den Geschichten einfangen?

Jasmin Schaudinn: Puh, eine schwere Frage. Wenn ich schreibe, sehe ich alles vor mir, die Charaktere, die Umgebung. Ich versinke in der Geschichte, ich glaube, das hilft.

Abgesehen davon braucht man schlicht das richtige Handwerkszeug. Ich besuche immer wieder Germanistikvorlesungen, letztens ein Drehbuchseminar. Eine verbesserte Technik führt zu besseren Büchern.

Die Redaktion: Wie fängt man eigentlich an, ein Kinderbuch zu schreiben? Legt man dabei einfach los? Oder sammelt man auf einzelnen Zetteln seine Ideen und stellt die dann wie ein Puzzle zusammen?

Jasmin Schaudinn: Wie schon erwähnt beginnt bei mir alles mit Zetteln. Indem ich dann in meinem Büro eine Wäscheleine spanne, an die ich alle Ideen, Zettel, Zeitungsartikel und Co hänge, beginne ich mich zu sortieren.

Als nächstes wird recherchiert und gegrübelt. Dann schreibe ich für alle Hauptcharaktere ein Charakterprofil und strukturiere die Geschichte. Erst dann schreibe ich los.

Die Redaktion: Wir sind ein Kinderspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist.

Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Jasmin Schaudinn: Mit meinen Eltern habe ich viele Kartenspiele gespielt: Maumau, Canasta, später Skat.

Besonders gern mochte ich außerdem: „Wer bietet mehr?“, ein Spiel rund um das Er- und Versteigern von Gemälden.

Außerdem erinnere ich mich, dass meine Mama und ich oft wild zu lauter Musik durchs Wohnzimmer getanzt sind.

Dazu durfte ich mich mit ihren Anziehsachen verkleiden. Für mich auch ein gemeinsames Spiel – herrlich!

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Jasmin Schaudinn: Das Wichtigste war für mich, dass ich ernst genommen wurde. Kein Kind, egal wie alt, möchte herablassend behandelt werden. Außerdem macht es am meisten Spaß, wenn alle mit Eifer bei der Sache sind und Lust haben zu gewinnen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Jasmin Schaudinn: Als riesengroßer Astrid-Lindgren-Fan würde ich unglaublich gern mit ihr spielen! Sie wäre die Erste an meinem Tisch.

Dazukommen darf Micha Fritz von „Viva con Agua“ – soziales Engagement kombiniert mit Humor und Freundlichkeit, Nora Tschirner (ich finde sie so schlau und selbstironisch!) und dann losen wir noch jemanden dazu! Heterogenität finde ich spannender…

Die Redaktion: Welches Spiel spielen Sie am liebsten? Und was spielen Sie heute mit Ihren Freunden?

Jasmin Schaudinn: Heute spiele ich vor allem mit meinen Kindern (einmal neun, zweimal vierzehn Jahre alt). Im Moment spielen wir am liebsten Codenames, Yooloo und Knister. Activity wird auch immer mal rausgeholt.

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Die Redaktion: Was schätzen Sie am gemeinsamen Spiel?

Jasmin Schaudinn: Beim Spielen wird geredet, diskutiert, gelacht, sich gefreut. Man lernt zu verlieren und zu gewinnen, es wird taktiert und riskiert. All das ist toll und macht Spaß. Je mehr alle mitfiebern, desto besser.

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, auch selber mal ein Spiel zu erfinden?

Jasmin Schaudinn: Nein, eher nicht. Vielleicht die Geschichte drumherum, oder die Personen?

Die Redaktion: Welches Spielthema würde Sie dann reizen?

Jasmin Schaudinn: Also wenn ich ein Spiel erfinden würde, dann ein Spiel für Jungen ab vier Jahren, bei dem man lauter verrückte Sachen machen muss: Brüllen wie ein Dino oder mit dem dicken Zeh in der Nase bohren. Kurzweilig und lustig wäre es, und die Beschreibung würde auf eine Seite passen.

Die Redaktion: Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften, was wäre das?

Jasmin Schaudinn: Ich würde dafür sorgen, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, gesund und glücklich aufzuwachsen. (Dann würden sich vermutlich viele andere Probleme von selbst lösen)

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Jasmin Schaudinn: Ich wünsche mir, dass ich alle meine Buchideen zu Büchern werden lassen darf, die viele Kinder erreichen und sie zum Lachen, Träumen und Nachdenken bringen. Grundsätzlich bin ich immer voller Zuversicht. Mein Sternzeichen ist der Glückspilz. ; )

Die Redaktion: Vielen Dank für das Interview.

Jasmin Schaudinn: Ich danke für Ihr Interesse.

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Wilfried Just
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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.