Interview mit Annika Klee

Bild JUPITERMOND VERLAG/ Autorin Klee

Sehr geehrte Frau Annika Klee,
erst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um auf unsere Fragen einzugehen. Ihr Buch „DAS WUNDERBARSTE WESEN DER WELT“ (Jupiter Mond Verlag) steht nun auf der Shortlist für den Deutschen Kinderbuchpreis 2022.

Der Deutsche Kinderbuchpreis gehört mit einem Preisgeld von 100.000 Euro zu den höchstdotierten Buchpreisen weltweit. Und in einigen Wochen fällt darüber die Entscheidung. Wie haben Sie von dieser Nachricht erfahren? Und was haben Sie in diesem Augenblick gedacht?

Annika Klee: Zwei Wochen, bevor die zehn nominierten Bücher bekannt gegeben wurden, bekam ich einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Ich hatte natürlich keine Ahnung, wer da anrief, aber als sich die Stimme auf der anderen Seite meldete mit „Spreche ich mit Annika Klee? Hier ist [den Namen habe ich sofort wieder vergessen] vom Deutschen Kinderbuchpreis …“, da stockte mir einfach der Atem.

Was ich in diesem Augenblick gedachte habe? So etwas wie: Unglaublich! Das kann gar nicht wahr sein! Und nach dem Telefonat sind bei uns die Korken geknallt und die Kinder durften eine Limo aufmachen und wir haben alle im Wohnzimmer getanzt.

Die Redaktion: Könnten Sie kurz skizzieren, um was es in Ihrem Buch geht?

Annika Klee: Natürlich, gerne: Es geht um Freundschaft, Mut und um die Faszination über die Vielfalt der Geschöpfe auf unserer Welt. Da sind die beiden Freunde Tilda und Tom.

Die Lehrerin hat ihren Schülern und Schülerinnen den Auftrag gegeben, kurz eines der wunderbaren Wesen unserer Welt vor der Klasse vorzustellen. Alle machen sich an die Arbeit, nur Tom hat einen Riesenkloß im Hals. Er steht einfach nur in der Ecke.

Als es dann aber an die Präsentation geht, springt Tilda ganz toll für ihn ein. Und dann schafft er es auch selbst, seine Angst zu überwinden. Das ganze Buch ist eine Ode an die Freundschaft.

Die Redaktion: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen, denn dies hier ist ja nicht Ihr erstes Kinderbuch?

Annika Klee: Es begann eigentlich damit, dass ich schreiben und lesen gelernt habe! Geschichten, die einerseits ausgedacht sind und andererseits so viel über das Leben sagen, haben mich schon als Kind fasziniert.

Schon als Schülerin habe ich Gedichte, Theaterstücke geschrieben, ein Filmskript und auch mehrere Romananfänge. Lesen und Schreiben gehört einfach zu mir, es scheint mir als das Natürlichste der Welt.

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Die Redaktion: Man spürt beim Lesen, dass Sie ganz in die Perspektive der Kinder eintauchen. Wie finden Sie dazu den Zugang, um diese vielfältigen Themen zu präsentieren?

Annika Klee: Ich habe vier Kinder und die haben viele Freunde. Es macht mir unheimlich viel Spaß, sie zu beobachten, denn jedes Kind ist ganz anders und jedes Kind ist liebenswert, wie es ist. – Und jedes Kind hat seine Themen, die man ernst nehmen sollte. Ich erinnere mich, dass meine Oma einmal zu mir sagte: „Du bist klein, du hast noch keine Sorgen.“

Aber ich dachte: Natürlich habe ich Sorgen, sonst würde ich ja nicht immer wieder weinen müssen. Ich hatte mir vorgenommen, mich daran zu erinnern, wie es ist, ein Kind zu sein. Ich glaube, das hat ganz gut geklappt.

Die Redaktion: Was wünschen Sie sich, was Ihre Bücher erreichen sollen?

Annika Klee: Zwei Sachen: Ich wünsche mir, dass die Kinder durch das Lesen meiner Bücher ihre Liebe zur Sprache finden. Die Bücher, die bisher von mir im Jupitermond Verlag erschienen sind, sind ja Kinderlyrik. Ich hoffe, dass meine Leser selbst eine Lust entwickeln, mit der Sprache zu spielen und dass sie erkennen, welch ein Zauber in der Sprache liegt.

Als zweites wünsche ich mir, dass die Bücher die Kinder bestärkt und ermutigt, zu sich zu stehen und die Schönheit der Welt wahrzunehmen.

Die Redaktion: Es gibt Autoren, die behaupten, dass ein komisches Buch viel schwieriger zu schreiben sei als ein trauriges Buch. Woran liegt das?

Annika Klee: Das ist eine interessante Aussage. Ich weiß nicht, ob ich dem zustimmen würde. Wahrscheinlich fällt es humorvollen Autoren tatsächlich leichter ein komisches Buch zu schreiben als ein tragisches…

Die Redaktion: Wie viel von Ihnen selbst steckt in der Geschichte?

Annika Klee: So wie Tom ist es mir ehrlich gesagt nie gegangen. Dann eher wie Tilda, die genau hinschaut und versucht zu helfen. Aber eigentlich kommt diese Geschichte eher aus Beobachtungen, die ich bei anderen gemacht habe.

Die Redaktion: Wir sind ein Familienspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Annika Klee: Wir haben zu Hause sehr gerne und sehr viele Brettspiele gespielt. Aber wenn ich ehrlich bin, finde ich, dass Eltern heutzutage unter sehr großem Druck stehen.

Oft bekomme ich die Botschaft mit, man mache nie genug. Ob man mit seinem Kind spielt oder ihm vorliest, ob man mit ihm kocht oder mit ihm spazieren geht, das ist meiner Meinung nach nicht von so großer Bedeutung. Wichtig ist, dass das Kind sich geliebt fühlt und sich entfalten kann.

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Annika Klee: Zu gewinnen, natürlich!

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Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Annika Klee: Ich würde Immanuel Kant einladen und mit ihm „Die Alchemisten“ spielen. Dann würde er in eine ganz andere Rolle schlüpfen, ich glaube, das wäre ein sehr amüsanter, schöner Abend!

Die Redaktion: Was schätzen Sie am gemeinsamen Spiel?

Annika Klee: Spielen ist wie sehr intensives Lesen: Man verlässt die Welt und taucht in eine andere ab. Ganz andere Sachen werden wichtig und möglich. Ich liebe die Spannung, das gemeinsame Handeln und das gelöste Lachen.

Die Redaktion: Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Annika Klee: Glaub an dich und bleib dran, wenn dir was wichtig ist!

Die Redaktion: Wir möchten uns für das Gespräch recht herzlich bedanken und wir wünschen viel Erfolg mit Ihrem neuen Buch.

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Zum Verlag
Mit einer emotionalen Entstehungsgeschichte, großem Tatendrang und viel Herzblut gründete Dr. Susanne Götz-Schneck den unabhängigen JUPITERMOND VERLAG im Dezember 2020. Seit dem ersten Tag steht der Kinderbuchverlag aus Würzburg für außergewöhnliche und inhaltlich wertvolle Publikationen.

Antrieb aller Mühen und stetige Vision ist es, gesellschaftsrelevante Themen mit Mehrwert schon den Kleinsten pädagogisch sinn- und wertvoll näherzubringen.

Die Bücher beschäftigen sich mit Themen wie Inklusion, Diversität, Mobbing, Selbstliebe sowie Tier- und Naturschutz und sollen mit liebevollen und kindgerechten Illustrationen zum Umdenken anregen und zu Veränderung ermutigen.

Im Zentrum der Verlagsphilosophie stehen außerdem Nachhaltigkeit und soziales Engagement. Als große Ausnahme im Verlagsgeschäft druckt der JUPITERMOND VERLAG seine Bücher ausschließlich regional in Zusammenarbeit mit der Würzburger Druckerei bonitasprint. Alle Erzeugnisse werden aus 100 Prozent recyceltem Papier hergestellt und sind mit dem Umweltzeichen Blauer Engel sowie dem Europäischen Umweltzeichen EU Ecolabel zertifiziert.

Mit jedem Buch wird außerdem ein gemeinnütziger Verein, ein soziales Projekt oder Menschen, die Hilfe benötigen, unterstützt. So spendete der JUPITERMOND VERLAG bisher an Organisationen wie Seawatch, Rettet den Regenwald, das Bergwaldprojekt, mitGefühl e.V., Station Regenbogen, Saida e.V., Hermine e.V. oder die Merlin Foundation.

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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kommen wir selber auf fast 20 Jahre Spielerfahrungen zurückblicken.