Die Kandidaten für das Spiel des Jahres 2021

Bild Spiel des Jahres

Kritiker-Jury veröffentlicht Nominierte auch für Kinderspiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres

Die Kandidaten für den Kritikerpreis Spiel des Jahres 2021 stehen fest. Nominiert für den weltweit wichtigsten Preis für Gesellschaftsspiele sind „Die Abenteuer des Robin Hood“, „MicroMacro: Crime City“ und „Zombie Teenz Evolution“. Das geben die unabhängigen Jurorinnen und Juroren des Vereins „Spiel des Jahres“ am Montag bekannt.

Ins Rennen um die Auszeichnung Kinderspiel des Jahres 2021 gehen „Dragomino“, „Fabelwelten“ und „Mia London“. Die Kandidaten für das Kennerspiel des Jahres 2021 heißen „Die verlorenen Ruinen von Arnak“, „Fantastische Reiche“ und „Paleo“.

Nominiert für das Spiel des Jahres 2021

Die Abenteuer des Robin Hood

  • von Michael Menzel
  • Verlag: Kosmos
  • Illustration: Michael Menzel
  • 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 10 Jahren
  • ca. 60 Minuten
  • ca. 50 Euro

In „Die Abenteuer des Robin Hood“ erleben wir die bekannte Geschichte wortwörtlich von einer anderen Seite. Ein Begleitbuch leitet uns durch die insgesamt sieben Kapitel des kooperativen Abenteuers im Sherwood Forest. Wie ein Adventskalender mutet der Spielplan an, auf dem herauslösbare Plättchen mit Wachen, Burgtoren oder auch Höhleneingängen mit Nummern markiert sind.

Diese Zahlen verweisen auf die zu lesende Seite im Buch und lassen uns mit den Einwohner:innen des Dorfes Dialoge führen. Die Zugreihenfolge, Ereignisse und Aktionen der Gegner werden durch das zufällige Ziehen von farbigen Scheiben und Würfeln aus einem gemeinsamen Beutel angenehm unkompliziert verwaltet. Die unverbrauchte Bewegungsmechanik ermöglicht das freie Erkunden der Spielwelt, die voller Geheimnisse und Gefahren steckt.

Begründung der Jury:

„Die Abenteuer des Robin Hood“ führt die Spieler:innen fast wie von allein über die erzählte Geschichte behutsam in die Regeln des Spiels ein. Der wandelbare Spielplan, der durch sein Adventskalenderprinzip in Kombination mit dem Buch stets mehrere Möglichkeiten eröffnet, bietet ein neuartiges Spielgefühl. Besonders gelungen: Scheitern wir an einer Aufgabe aufgrund der engen Zeitvorgaben und probieren es erneut, erleben wir eine andere Variante der Geschichte mit neuen Wendungen.

MicroMacro: Crime City

  • von Johannes Sich
  • Verlag: Edition Spielwiese/Pegasus Spiele
  • Illustration: Johannes Sich, Daniel Goll, Tobias Jochinke
  • 1 bis 3 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 10 Jahren
  • ca. 15 bis 45 Minuten
  • ca. 25 Euro

Fröhliche Menschen in Cafés. Kinder, die sich eine Kugel Eis vom Marktstand wünschen. Kunstliebhaber auf einer Vernissage. Doch mit unserem geschulten Detektivblick durchschauen wir diese vermeintliche Harmonie der Bewohner von Crime City. Über ein Dutzend Mord- und Todesfälle gilt es auf dem wuseligen und riesigen Stadtplan im Wimmelbildstil aufzuklären.

Wer hatte ein Motiv, dem Skateboardfahrer ein Messer in den Rücken zu stoßen? Warum wurde der Bürgermeister vor seinem Tod mit einem großen Geldkoffer am Hafenufer gesichtet? Indizien und Spuren geben uns Hinweise auf den Tathergang und so entsteht eine spannende Rekonstruktion, komplett ohne Text und mit minimalem Regelwerk. Eifersucht, Hinterlist und Missgunst sind zwar die zentralen Themen in diesem kooperativen Suchspiel, es verpackt diese aber zuckersüß in augenzwinkernden und detailverliebten Zeichnungen.

Begründung der Jury:

Ein großes Schwarzweiß-Poster und ein paar Karten — mehr benötigt „MicroMacro: Crime City“ nicht, um in seinen Bann zu ziehen. Wenn sich die Spieler:innen über den Tisch beugen, um in der Szenerie zu versinken, dann herrscht knisternde Spannung im Raum. Alle Augen huschen über den Stadtplan, um ihm neue Informationen über die Verbrechen zu entlocken. Wenn sich in angeregter Diskussion über Motiv und Tathergang eins zum anderen fügt, erzeugt das Spiel unvergessliche Momente.

Zombie Teenz Evolution

von Annick Lobet

  • Verlag: Scorpion Masqué
  • Illustration: Nikao
  • 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 8 Jahren
  • ca. 20 Minuten
  • ca. 25 Euro

Die Schule haben wir im Vorgängerspiel „Zombie Kidz Evolution“ bereits erfolgreich gerettet, doch nun ist die ganze Stadt bedroht. Aus den Kindern wurden junge Teenager und erneut obliegt ihnen die Aufgabe, die Untoten aufzuhalten. In den vier Ecken des Stadtplans lagern überlebenswichtige Ressourcen, die in die gesicherte Schule gebracht werden müssen.

Diese Kisten müssen durch geschicktes Positionieren in die Schule gebracht werden, bevor die Zombiehorden die Stadt einnehmen. Die kurzweiligen Partien und das sehr einfache Grundgerüst an Regeln werden mit mit der Zeit im Legacy-Stil erweitert und stets anspruchsvoller. Umschläge halten die neue Mechaniken, Charaktere und Spezialeigenschaften bereit. So bleibt die Rettungsmission über die gesamte Kampagne hinweg abwechslungsreich und motivierend.

Begründung der Jury:

Das einfache Grundprinzip des Spiels findet stets neue Wege, die Spieler:innen zu motivieren, die Knobelaufgabe wieder und wieder meistern zu wollen. Die liebevolle und hochwertige Gestaltung des Spielmaterials, sowie eine Prise Würfelglück runden das jugendliche und mitreißende Spielerlebnis ab. Besonders hervorzuheben ist die Diversität der Charaktere, die allen Spieler:innen eine Identifikationsfigur bietet.

Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2021

Dragomino

  • von Bruno Cathala, Marie Fort und Wilfried Fort
  • Verlag: Pegasus
  • Illustration: Maëva da Silva, Christine Deschamps
  • für 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 5 Jahren
  • ca. 15 Minuten
  • ca. 25 Euro

Die Drachen sind los… WENN man es schafft, die dominoartigen Plättchen so anzulegen, dass gleiche Landschaften aneinander liegen. Dann gibt’s zur Belohnung ein Drachenei. Aber ist da auch ein Babydrache drin und gibt einen Punkt? Oder ist es leer und man bekommt nichts? Was aber nicht schlimm sein muss, denn die nette Drachenmama tröstet alle, die Pech haben.

In dieser eigenständigen Kinderversion von „Kingdomino“, dem Spiel des Jahres 2017, helfen schlaues Anlegen, ein bisschen Glück und eine gute Übersicht, viele Drachen und damit Punkte zu ergattern. Es ist klug auf das Wesentliche reduziert, ohne dem Original untreu zu werden und bringt viele spannende Partien auf den heimischen Spieltisch.

Begründung der Jury:

Dragomino zeigt auf eine eindrucksvolle Weise, wie man aus einem Familienspiel ein Kinderspiel macht. Als Geschwisterspiel von „Kingdomino“ bringt es eine interessante und fantastische Atmosphäre auf den Tisch, in der Kinder sich nach bereits einer Partie komplett selber zurecht finden. Dabei halten sich Glück und Überlegung in einer spannenden Waage und deshalb wollen Kinder immer wieder in die Welt der Domino-Drachen eintauchen.

Fabelwelten

von Marie & Wilfried Fort
Verlag: Lifestyle Boardgames
Illustration: Eugene Smolenceva, Irina Pechenkina
für 2 bis 6 Kinder
ab ca. 5 Jahren
ca. 20 Minuten
ca. 29 Euro

Dies ist die Geschichte vom entschlossenen Kapitän. Und die vom cleveren Mädchen. Und die vom tapferen Ritter und seiner holden Maid. Zehn Geschichten sind es in „Fabelwelten“, und dass sie jedes Klischee unterlaufen, liegt auch am Personal dieses Spiels, das zugleich ein interaktives Buch ist.

Es richtet sich daher auch an Kinder ab fünf Jahren und jemanden, der schon lesen kann. Diese Person liest vor, und alle, die zuhören, wählen jede neue Figur aus ihren Karten aus. Sie zeigen Tiere, und es macht einen großen Unterschied, ob zum Beispiel der Unruhestifter von einem zornigen Seepferdchen oder einem ängstlichen Waschbären gespielt wird. Für das passendste Tier gibt es Punkte. Aber die sind fast egal in der fantasievollsten Gute-Nacht[1]Geschichte, seit es Kinderspiele gibt.

Begründung der Jury:

Ein schielender Regenwurm als hilfsbereiter Fährmann? Eine verärgerte Stadttaube als einsamer Musikant? Wenn die Kinder alle Rollen in „Fabelwelten“ besetzen, geht das Kopfkino ganz von selber los. Spielidee, Ausstattung und Illustrationen sind gleichermaßen fantasievoll wie fantasieanregend; ganz nebenher fördern sie auch das Einfühlungsvermögen. Wie Wilfried und Marie Fort hier die Welten von Spiel und Buch zu etwas ganz Neuem verbinden, ist einfach fabelhaft.

Mia London

  • von Antoine Bauza, Corentin Lebrat
  • Verlag: Scorpion Masqué
  • Illustration: Nikao
  • für 2 bis 4 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 5 Jahren
  • ca. 10 bis 15 Minuten
  • ca. 18 Euro

Lumpen, Schurken, Beutelschneider! Da war doch wieder ein Verbrecher am Werk! 625 mögliche schlimme Finger gibt es in diesem Spiel und jeder trägt einen Hut, eine Brille, einen Schnurrbart und eine Fliege. Aber was – und von welcher Sorte? Das wird den Kindern mittels Karten ganz langsam enthüllt.

Sie müssen sich nur merken, welches Merkmal genau einmal vorkommt. Und das wird natürlich immer schwieriger, je näher man der Lösung kommt. Aber Gott sei Dank hat jedes Kind eine eigene Polizeimappe, in der man die Merkmale des Übeltäters sicher abspeichern kann. Ein schneller Einstieg, eine gute Spieldauer und ein tolles Material machen diese Verbrecherjagd zu etwas Besonderem.

Begründung der Jury:

Trug der Unhold nun ein Monokel oder eine Brille mit runden Gläsern? War seine Fliege längs[1]oder quergestreift? Die Fragen scheinen so einfach und eindeutig und sind doch ganz schön knifflig zu beantworten. Endlich einmal Detektiv spielen; das fordert die Kinder — und Erwachsene ebenso. „Mia London“ schärft in kompakter Spieldauer den Blick fürs Detail und hält in jeder Partie die Spannung bis zum Ende. Das Verbrechen hat viele Gesichter. Der Spielspaß auch.

Nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2021

Die verlorenen Ruinen von Arnak

von Michaela „Mín“ Štachová und Michal „Elwen“ Štach

Verlag: Czech Games Edition/Heidelbär Games
Illustration: Jiří Klus, Ondrej Hrdina, Jakub Politzer, František Sedláček, Milan Vavroň
1 bis 4 Spielerinnen und Spieler
ab ca. 12 Jahren
ca. 30 bis 120 Minuten
ca. 60 Euro

Mit Schlapphut und Peitsche dringen wir tief in die Landschaften einer mythischen Insel vor und erkunden dort verschollenen Ruinen. Angsteinflößende Fabelwesen sind die Wächter dieser Orte und können nur mit den richtigen Opfergaben besänftigt werden. Eine solche Expedition verlangt nach der richtigen Ausrüstung, welche die Spieler:innen in Form von Karten dauerhaft erwerben.

Auf ähnliche Weise werden Artefakte entdeckt, deren genauere Untersuchung strategische Vorteile offenbart. Auf der Forschungsleiste entbrennt währenddessen ein hitziger Wettlauf um neue Erkenntnisse, die anschließend in den Tagebüchern der Abenteurer:innen mit der Hoffnung auf späteren Ruhm festgehalten werden. Die Wahl der richtigen Ausrüstung, sorgfältige Planung und eine ständige Risikoabwägung stehen im Mittelpunkt dieses opulent ausgestatteten Entdeckerwettlaufs.

Begründung der Jury:

Nach jeder erfolgreichen Expedition in den Ruinen von Arnak stellt sich ein Gefühl von Fernweh ein und der Wunsch, noch mehr Geheimnisse dieser Insel zu lüften. Der fein abgestimmte Mix bekannter Mechanismen, das hochwertige Material und eine Vielzahl taktischer Möglichkeiten üben eine unwiderstehliche Sogwirkung aus, der sich abenteuerlustige Forscher:innen nur schwer entziehen können. Das Spiel fesselt in jeder Besetzung und besitzt dank der stimmigen Anleitung einen guten Zugang.

Fantastische Reiche

von Bruce Glassco

  • Verlag: Strohmann Games
  • Illustration: Octographics
  • 2 bis 5 Spielerinnen und Spieler
  • ab ca. 10 Jahren
  • ca. 20 Minuten
  • ca. 20 Euro

Mit nur sieben Karten auf der Hand errichten wir durch einfaches Kartentauschen unser ganz persönliches Fantasy-Reich. Dabei können sich die 53 einzigartigen Karten, die sich in elf Kategorien wie ,Land’, ,Zauberer’ oder ,Waffe’ gliedern, gegenseitig verstärken, blockieren oder auch Minuspunkte geben. Doch Vorsicht: Lediglich den eigenen Vorteil bei der Kartenwahl im Blick zu haben, könnte den Mitspieler:innen mehr helfen als beabsichtigt, wenn man ihnen die lang ersehnte Karte in die Auslage legt.

Wahre Macht zeigt sich erst am Ende des Spiels, wenn die sehr unterschiedlichen Truppenformationen und Karteneigenschaften miteinander verglichen und aufgerechnet werden. Auch zu zweit funktioniert der Machtkampf durch eine vorgeschlagene Spielvariante ausgesprochen gut.

Begründung der Jury: „Fantastische Reiche“ garantiert trotz einfacher Regeln ein fesselndes Spielerlebnis mit Tiefgang. Das Hoffen und Bangen auf die passenden Karten verdichtet viel Emotion in kurzer Spieldauer. Am Ende in seinem Reich die punkteträchtigsten Kombinationen vereint zu haben spornt zu immer neuen Partien an. Die hohe Interaktion führt dazu, dass alle Spieler:innen gezwungen sind, ihre Pläne taktisch klug an die sich ständig ändernde Spielsituation anzupassen.

Paleo

  • von Peter Rustemeyer
  • Verlag: Hans im Glück
  • Illustration: Dominik Meyer
  • 2 bis 4 Spieler
  • ab ca. 10 Jahren
  • ca. 45 bis 60 Minuten
  • ca. 45 Euro

Das Leben in der Steinzeit muss hart gewesen sein. Hinter jedem Gebüsch mit leckeren Beeren kann im Zweifel auch ein angriffslustiges Wildtier lauern. Ob die gefunden Beeren genießbar oder giftig sind, müssen wir auch ohne den Angriff eines Ebers selbst herausfinden. Gemeinsam wägen wir als Stamm Runde für Runde solche Risiken nur anhand der Illustrationen auf den Kartenrückseiten ab. Erst nach dem Umdrehen der Karte offenbart sich, was am gewählten Ort passiert. Gemeinsam wachsen wir an diesen Aufgaben.

Wenn sich der Tag in Paleo dem Ende neigt, muss der Stamm mit Nahrung versorgt sein, um gegen das Spiel bestehen zu können. Zehn Kartensets mit neuen Herausforderungen lassen sich beliebig kombinieren und bieten motivierende Abwechslung, den harten Überlebenskampf wieder und wieder anzunehmen.

Begründung der Jury:

„Paleo“ gelingt es auf außergewöhnliche Weise, dynamische Geschichten und Bilder in den Köpfen der Gruppe entstehen zu lassen, die noch lange nach Spielende nachhallen. Im harten Kampf ums Überleben lernen wir, dass wir nur zusammen als Gruppe stark sind. Die Vielzahl an unterschiedlichen Ereignissen hält unsere Neugier über viele Partien dauerhaft aufrecht und belohnt das Erkunden dieser packenden und unnachgiebigen Steinzeitwelt.

Für alle drei Kategorien hat Spiel des Jahres zudem weitere Titel in einer ergänzenden Empfehlungsliste zusammengefasst. Nähere Information dazu gibt es auf der Internetseite www.spiel-des-jahres.de.

Die Preisverleihung des Kinderspiels des Jahres 2021 mit der Bekanntgabe des Gewinners findet am 14. Juni 2021 statt. Aufgrund der Schutzmaßnahmen vor der Ausbreitung des Corona-Virus verzichtet der Verein auf eine große Preisverleihungs-Zeremonie. Die Bekanntgabe findet stattdessen im kleinen Rahmen statt und wird online der Webseite www.spiel-des-jahres.de und auf YouTube gestreamt.

Die Auszeichnungen Spiel des Jahres 2021 und Kennerspiel des Jahres 2021 werden am 19. Juli 2021 in Berlin vergeben.

Im vergangenen Jahr hatte die Kritiker-Jury das Spiel „Pictures“ (PD-Verlag) von Daniela und Christian Stöhr zum Spiel des Jahres gewählt. Als Kinderspiel des Jahres 2020 zeichnete der Verein „Speedy Roll“ (Lifestyle Boardgames und Piatnik) von Urtis Šulinskas aus. Der Preis Kennerspiel des Jahres 2020 ging an „Die Crew“ (Kosmos) von Thomas Sing.

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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kommen wir selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrungen zurückblicken.