Schutzzone

Verlag DAV

Unsere Welt ist voller Unrecht. Auf der einen Seite gibt es alles im Überfluss, dass man sogar nicht auf Nahrung achtet, schließlich kann man ja in den Markt gehen.

Auf der anderen Seite haben Menschen kein Wasser. Was ist da Gerechtigkeit? Und wer legt fest, was gerecht und was nicht gerecht ist.

Mit »Schutzzone« wagt sich die vielfach ausgezeichnete Autorin Nora Bossong an die großen Fragen unserer Zeit und blickt dabei furchtlos auf den Grund politischer Konflikte und zwischenmenschlicher Beziehungen.

Constanze Becker verwandelt den meisterhaften Roman in der ungekürzten Lesung bei hr2 Kultur in ein fesselndes Hörbuch, das die Hörer noch lange danach nicht loslässt. Ein wichtiges Stück Gegenwartsliteratur, das seinen Blick entschieden auf das richtet, was gesehen werden muss.

Die Autorin hatte zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Sie schafft es, Themen geschickt miteinander zu verknüpfen und stellt sich dabei immer wieder die Frage, was der Sinn des Lebens ist. Kann nicht auch eine Frau Karriere machen und gleichzeitig Bestandteil der Familie sein?

Aber auch die großen Themen, die in der UNO beraten werden, hinterfragt sie sehr geschickt. Hat eine Friedensmission Zweck? Warum gibt es grauenhafte Kriegsverbrechen, auch die von friedenstiftenden Truppen? Aber hinter all dem steckt eine Frage, was ist die Wahrheit?

Wer darf diese deuten, so wie die Amerikaner, die während der UN-Versammlung das Kriegsverbrechen der Iraker präsentierten. Was sich im Nachhinein als sogenannte Fake News erwies. Wer darf dann die Wahrheit präsentieren?

Oder gibt es die Wahrheit überhaupt nicht? All das hat die Autorin geschickt in einer Geschichte verwoben, die glaubhaft herüberkommt und von Anfang an fesselt. Die Geschichte findet auf zwei Zeitleisten statt. Mira hatte im Laufe ihres Jobs viele Krisengebiete kennengelernt.

Und nun trifft sie in Genf bei den Friedensverhandlungen für Zypern auf Milan, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Im Laufe ihres Berufslebens bei der UNO geht sie viel kritischer mit den Themen der Weltpolitik um.

So hat sie in vielen Dingen das Vertrauen verloren und zum Teil kapituliert sie vor den Problemen, denn in der UNO ist nichts von Weltgemeinschaft zu spüren, nein, jeder versucht seine Interessen durchzubringen. Milan dagegen ist ein Freund aus Kindertagen, ein Vertrauter.

Aber ist dies auch so? Gerade die Schilderungen der UNO und die zum Teil heftigen Probleme, wie der Genozid in Ruanda, wo die Welt einfach nur weggeschaut hat, ergreifen den Hörer.

Schließlich agiert die westliche Welt immer noch wie eine Kolonialmacht. Und wegschauen ist halt doch viel einfacher, als zu handeln oder gar die Probleme zu lösen.

Und auf der anderen Seite werden die sich bekämpfenden Parteien von ein und demselben Waffenlieferant beliefert.

Verlag DAV

Wer leidet, das ist die Zivilbevölkerung. Und die Hilfsorganisationen werden auch in der Geschichte kritisch hinterfragt. Wie gesagt, ist die Geschichte sehr plausibel und schlüssig. Auch wenn es eine Geschichte ist, regt diese zum Nachdenken an. Eine Geschichte, die sehr unter die Haut geht.

Eine Geschichte über Frieden, Wahrheit, Gerechtigkeit. Vor allem wer hat das Recht über Unrecht zu urteilen.

Fazit

Nicht umsonst ist dieses Buch für den deutschen Buchpreis nominiert. Wie kaum eine andere Geschichte geht es hier um Recht und Unrecht.

Um die Definitionshoheit. Seit 2001 schreibt die Autorin. Für viele ihrer Bücher wurde sie bereits ausgezeichnet.

Wer eine spannende und hintergründige Geschichte sucht, wird in der Schutzzone fündig. Und die Schutzzone wird Sie nicht mehr loslassen.

Eigentlich wäre diese Geschichte etwas für den Sozialkundeunterricht.

  • Verlag DAV
  • Autorin Nora Bossong
  • Ungekürzte Fassung mit Constanze Becker

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