Kühn hat zu tun

Kuehn hat zu tun von Jan Weiler/ Bild Der Hörverlag

Mit „Kühn hat zu tun“ hat Jan Weiler alle überrascht und zwar im Positiven, denn mit einem Krimi aus seiner Feder hat wohl kaum einer gerechnet.

Aber Schreiben hat er gelernt und das sehr früh, denn schon während seiner Schulzeit hat er für eine Zeitung geschrieben. So war es nicht verwunderlich, dass er nach dem Journalistikstudium schnell zum Chefredakteur des SZ-Magazins aufgestiegen ist, schließlich beherrschte er das Handwerkzeug.

Als für eine Sonderbeilage etwas über Italien geschrieben werden sollte, hat er einen Beitrag über seinen Schwiegervater geschrieben, der ja aus Italien stammt und als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen ist.

Seine Art und Weise, warmherzig und trotzdem humorvoll, schlug ein. So entstand der Entschluss, einfach mit seinem Schwiegervater nach Italien zu reisen.

Daraus entstand das Buch „Maria ihm schmeckt‘s nicht“. Das war der Anfang einer beispiellosen Karriere als Autor, denn sein Stil kam an und seine Geschichten rund um seine Familie waren einfach gelungen. Man hat diese regelrecht in sich aufgesogen, weil man irgendwie auch sich selber darin entdeckt hat.

Und dann der komplette Genrewechsel, schließlich kann man einen Krimi ja nicht ins Lächerliche ziehen, das geht nicht und das passiert nicht.

Aber er entwickelt seine Figuren und der ermittelnde Polizeibeamte kommt dabei sehr menschlich herüber, denn man erlebt ihn in seiner Familie, mit all den Problemen, die wohl jeder hat, schließlich sind Polizisten auch nur Menschen. Dieses stellt er sehr gelungen dar.

Das trifft auch auf all die anderen Figuren zu, sie entwickeln sich und machen das Ganze sehr interessant.

Kühn ist 44 Jahre alt oder gar jung, denn in aller Regel sind doch Kriminalisten viel älter. Weil er nicht studiert hat, geht es auch nicht mehr nach oben.

Nein, er hat nur einen Realschulabschluss und hat sich durch seine Leistung in der Arbeit bis zum Hauptkommissar hochgearbeitet. Weil er kein Studium hat, ist jetzt karrieretechnisch das Ende der Fahnenstange erreicht.

Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein kleines unscheinbares Einfamilienhaus. Kurios, die Siedlung befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Waffenfabrik.

Nach dem Krieg hat man festgestellt, dass die Munition, die hier hergestellt wurde, überhaupt nicht verwendbar wäre. Entweder war nur Mehl statt Schießpulver drin, oder die Munition war zu kurz. Schon wurde der Besitzer der Fabrik als Held gefeiert.

Fragen konnte man ihn nicht, denn er hat sich, kurz bevor die Amerikaner die Stadt eingenommen hatten, das Leben genommen. Deshalb trägt die Siedlung jetzt seinen Namen.

Kühn hat auch Probleme mit seinem Sohn. Eigenartiger Weise kann er jeden Verdächtigen knacken, nur von seinem Sohn erfährt er überhaupt nichts, so hat er das Gefühl, dass sein pubertierender Sohn ihm langsam entgleitet. Dass seine rothaarige Nachbarin seine sexuelle Fantasie entfacht, er sich aber niemals trauen würde, fremdzugehen.

An einem ganz normalen Tag wird er wieder einmal zum Tatort gerufen, nur braucht er dazu nicht zu fahren, sondern der Tatort ist in seinem Viertel. Er kann zu Fuß gehen. Das Opfer liegt gleich hinter seinem Garten in der Böschung. Keine 30 Meter von Kühns Gartentor entfernt …

Der alte Mann, der hier ermordet wurde, wurde zuvor gefoltert. Wer kann nur so etwas tun? Warum ist dieser alte Mann hier überhaupt lang gegangen? Fragen über Fragen.

Kuehn hat zu tun von Jan Weiler/ Bild Der Hörverlag

Und ein Kollege sagt, dass auf Grund der Umstände und des Verbrechens als solches man davon ausgehen muss, dass der Mörder in dem Viertel leben muss. Das gibt vor allem Kühn zu denken, denn er kennt hier alle, schließlich haben alle hier fast zur gleichen Zeit gebaut.

Fazit

Hochspannend, interessant, kurzweilig und doch anders, so kann man dieses Werk von Jan Weiler kurz umschreiben. Es macht einfach Spaß und man saugt die Geschichte förmlich in sich rein.

Es ist eine andere Form von Krimi, die aber mehr als nur gelungen ist, denn indem er behutsam den Hörer oder Leser an der Entwicklung seiner Figuren beteiligt, hat man das Gefühl, sie zu kennen, als wären sie unsere Nachbarn.

„Kühn hat zu tun“ ist eine andere Seite von Jan Weiler, die man aber mag. „Spannung Pur“, dass ist Kühn.

  • Ungekürzte Lesung
  • Gelesen von Jan Weiler
  • Originalverlag: Kindler Verlag
  • Verleih: Der Hörverlag
  • 7 Audio-CDs, Laufzeit: 508 Minuten

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