Im Gespräch mit Emma Greenfield

Bild Emma Greenfield

Sehr geehrte Frau Emma Greenfield,
Musik ist Programm bei Ihnen. Egal ob Konzert oder Musik-Video, immer strahlen Sie. Warum machen Sie ausgerechnet nur für Kinder Musik

Emma Greenfield: Vielen Dank! Früher habe ich in vielen verschiedenen Bands gespielt und hatte das Riesenglück, mit tollen Künstler*innen wie Wallis Bird und Dear Reader unterwegs zu sein. Damals habe ich vorwiegend für Erwachsene Musik gespielt und produziert. Die ersten Jahre in Berlin war eine sehr bunte, spannende Entdeckungszeit, in der ich mich musikalisch austoben durfte.

Parallel zum ‘Rock ’n’ Roll’-Leben habe ich jahrelang Musikunterricht mit Fokus auf emotionale und soziale Förderung in Kitas gegeben. 2018 bin ich Mutter geworden und beschloss, mich ganz auf Kindermusik und ihre Kraft, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu stärken, zu konzentrieren.

Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sich viele Erwachsene bei Konzerten auch angesprochen und berührt fühlen. Denn egal, wie alt oder groß wir werden, das Kind in uns braucht auch immer wieder mal eine Umarmung!

Die Redaktion: Sie haben vor einigen Tagen den Song Schusselnase veröffentlicht. Können Sie uns verraten, um was es in diesen Song geht? Und wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Lied über die Kleinen Fehler zu schreiben?

Emma Greenfield: In diesem Song geht es darum, Fehler als Lernmöglichkeiten zu feiern. Ich möchte Kinder ermutigen, sich auszuprobieren und den Mut zu sammeln, neue Erfahrungen zu machen.

Ich möchte, dass sie liebevoll mit sich selbst und anderen Menschen umgehen, wenn es mal schief läuft. Das Thema ist für mich sehr wichtig, weil ich selbst erst sehr spät bemerkt habe, wie sehr ich mich, aus Angst zu scheitern oder anderen nicht zu gefallen, zurückhalte. Über die Jahre habe ich dieses Phänomen bei so vielen Kindern und auch Erwachsenen erkannt.

Ich bin endlich mit viel Unterstützung über diese Hürde gesprungen und tanze und singe jetzt schamlos und freudvoll in einem Affenkostüm durch die Gegend.

Die 25-jährige Emma hätte sich mächtig geschämt. Aber jetzt schaue ich in die strahlenden Kindergesichter und könnte nicht glücklicher sein. Wenn ich Kindern dabei helfen kann, sich auch mehr zu trauen und dadurch selbstbewusster und erfüllter zu leben, dann möchte ich das unbedingt tun!

Die Redaktion: Wie geht es nun mit der Schusselnase weiter?

Emma Greenfield: Am 3. Mai erscheint das Musikvideo zu „Schusselnase“ auf YouTube. Ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen und finde, es ist sehr schön geworden! In nächster Zeit gehe ich auch wieder ins Studio und fange mit den nächsten Aufnahmen an, denn: Im Herbst gibt es einen neuen Release! Außerdem werden weiterhin fleißig Konzerte und Workshops für diesen Sommer und Herbst organisiert. Ich freue mich riesig darauf, immer mehr Kinder mit meinen Mutmach-Konzerten zu erreichen.

Die Redaktion: Was bedeutet für Sie persönlich Glück?

Emma Greenfield: Für mich bedeutet Glück viele Dinge, unter anderem: starke, positive und ehrliche Freundschaften und Beziehungen zu haben, in Sicherheit zu leben, die Welt mit Neugier und Offenheit entdecken zu dürfen und ein Leben voller Musik zu führen. Für mich ist Glück auch etwas zum Teilen. Die glücklichsten Momente meines Lebens waren die des Zusammenseins.

Die Redaktion: Woran erkennt man einen glücklichen Menschen, hier vor allem glückliche Kinder?

Emma Greenfield: Das ist eine sehr wichtige Frage! Ich finde es manchmal schwer, von außen zu beurteilen, ob ein Kind wirklich glücklich ist.

Meiner Meinung nach werden Kinder oft viel zu schnell als zu schüchtern, zu ängstlich, zu wild oder zu ‚irgendwas‘ bezeichnet. Ich stelle fest, dass Kinder häufig am entspanntesten sind, wenn wir (womöglich) wenig von ihnen verlangen. Bei meinen Konzerten mache ich zum Beispiel klar: Kein Kind muss mitmachen.

Jede*r kann selbst entscheiden, was sich gut anfühlt. Das nimmt den Druck weg, und Erwachsene staunen oft, wenn sie sehen, wie ihr normalerweise ängstliches und zurückhaltendes Kind nach einer Weile wild lostanzt! Wenn ein Kind das Gefühl hat, so sein zu dürfen, wie es ist, ist das, meiner Meinung nach, ein sehr guter Anfang.

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Die Redaktion: Wo finden Sie Ihr Glück?

Emma Greenfield: Ich finde mein Glück in einem Gefühl der Gemeinschaft, im Verbringen von Zeit mit meiner Familie, in der Bewegung draußen in der Natur, im Musikmachen, im Lernen und in meiner Weiterentwicklung sowie in meiner Arbeit mit Kindern. Diese finde ich so spannend und erfüllend, und dafür bin ich jeden Tag dankbar.

Die Redaktion: Wir sind ein Familienspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Emma Greenfield: Als Kind haben meine Eltern wenig mit uns gespielt und viel gelesen. Das tue auch ich gerne mit meinen Kindern. Bei uns zuhause ist gerade Memory das Lieblingsspiel. Rollenspiele sind zurzeit ebenfalls sehr beliebt. Mir ist weniger wichtig, was wir zusammenspielen, als wie wir es tun. Hauptsache, wir schaffen es, jeden Tag ein bisschen Zeit zu finden, das Handy wegzulegen und ganz beim Kind zu sein. In der heutigen Gesellschaft ist das natürlich nicht immer leicht.

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Emma Greenfield: Ich wollte das Gefühl haben, dass ich gesehen und gehört werde. Ich wollte nicht ständig korrigiert oder angeleitet werden, sondern im Flow sein dürfen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Emma Greenfield: Ich bin ein riesiger Freddie-Mercury-Fan. Ich hätte ihn so gerne kennengelernt! Ich würde ihn gerne zu einem Spiel einladen.

Die Redaktion: Was schätzen Sie am gemeinsamen Spiel?

Emma Greenfield: Beim Spielen haben auch Erwachsene die Möglichkeit, wieder Kind zu sein. Ich finde das extrem gesund und wichtig! Durch gemeinsames Spiel kann man auch viele Themen aufgreifen, über die das Kind nicht unbedingt direkt sprechen möchte.

Neulich haben meine Tochter und ich ihren Kuschelhasen getröstet, weil er einen schlechten Tag in der Kita hatte. Sie hat dann viel offener über ihre eigenen schwierigen Erfahrungen gesprochen, als wenn ich sie direkt gefragt hätte.

Es war auch empowernd für sie, dass sie dann die Rolle der Tröstenden und Ratgeberin für den kleinen Hasen übernommen hat.

Die Redaktion: Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Emma Greenfield: Ich wurde erst mit 38 Jahren mit ADHS diagnostiziert, und wie bei vielen anderen ADHSler*innen hatte ich immer das Gefühl, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. Dass ich irgendwie doof oder schlecht bin. Deshalb würde ich der kleinen Emma sagen: Du bist gut, so wie du bist!

Die Redaktion: Was planen Sie in der Zukunft?

Emma Greenfield: Für ‘Monkey und Ich’ habe ich große Pläne! Ich werde weitere empowernde Songs herausbringen und mehr Online-Ressourcen für Familien, Kindergärten und Schulen entwickeln. Ich plane Konzerte und Workshops in ganz Deutschland, um so viele Kinder wie möglich mit meiner Mutmach-Musik zu erreichen!

Weitere Infos gibt es hier https://monkeyundich.de/

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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kommen wir selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrungen zurückblicken.