Angesagt – Judith Pinnow

Bildrechte Thekla Ehling/ Zeigt Autorin Judith Pinnow

Sehr geehrte Frau Judith Pinnow,
wir kennen Sie aus Weck Up, das Frühstücksfernsehen auf Sat.1 oder auch noch aus den Tigerentenclub. Und Sie waren auch als Schauspielerin tätig. Seit einiger Zeit schreiben Sie nun Bücher.

Wie kommt dieser Wechsel von Schauspielerei und Moderation zum Schreiben?

Judith Pinnow: Ich könnte jetzt einfach behaupten, dass ich gerne neue Dinge ausprobiere. Das würde gut klingen. Tatsächlich habe ich meinen Job einfach immer unserer Familiensituation angepasst. Wir haben drei Kinder und die möchte ich auch gerne ins Leben begleiten. Romanautorin ist dafür der perfekte Beruf, weil ich mir einteilen kann wann ich schreibe.

Die Redaktion: Ihr erstes Buch hatte den Titel „Läuft da was“ und nun erscheint im Frühjahr ihr zweites Buch mit dem Titel „Versprich mir, dass es großartig wird“. Können Sie unseren Lesern bitte schon verraten, um was es in dieser Geschichte geht.

Judith Pinnow: Es geht um zwei Freundinnen die sich Anfang zwanzig auf der Schauspielschule ein ganz aufregendes Leben versprechen. Zwanzig Jahre später hat die eine Karriere gemacht, die andere hat zwei Kinder und eigentlich hat keine von Beiden das Leben wie sie es sich einst erträumt haben. Sie graben eine alte Liste aus mit Dingen die sie im Leben einmal tun wollten und legen neu los. Es geht um Freundschaft und darum, sich selbst treu zu bleiben.

Die Redaktion: Es geht also um große Träume und was daraus geworden ist. Ich glaube, jeder von uns hatte einen Traum, der sich leider nicht erfüllt hat. Dabei meine ich nicht die Lotto Million, sondern Träume im Leben. Was ist Ihr größter Traum?

Judith Pinnow: Der ändert sich natürlich mit jedem Traum der sich erfüllt. Mama von drei Kindern zu sein zum Beispiel. Ich kann Ihnen einen Traum verraten den ich schon lange habe und nicht weiß ob ich ihn jemals erfüllen kann: Am Wasser zu leben. Wenn ich auf eine Wasserfläche gucke, öffnet sich mein Herz.

Die Redaktion: Wie viel von Ihnen selber steckt in Ihren neuen Helden?

Judith Pinnow: Sicher auch ein bisschen. Aber das schönste am Romane schreiben ist, dass man durch seine Figuren all das sein kann was man im echten Leben nicht ist. Zum Beispiel geduldig oder mutig oder ganz einfach mal unverschämt unangepasst.

Bild FISCHER Verlag
Bild FISCHER Verlag

Die Redaktion: Es gibt Zeiten und Situationen, die man jetzt gerne verändern würde, so wie in Ihrer Geschichte. Wenn man Ihnen eine Zeitmaschine zur Verfügung stellen würde, was würden Sie gern ändern?

Judith Pinnow: Nichts. Nicht weil alles super, perfekt und richtig war in meinem Leben, sondern weil die Summe meiner Erlebnisse den Menschen ausmacht der ich heute bin. Und ich mag diesen Menschen.

Die Redaktion: Sie schreiben Ihre Geschichten in einem Bauwagen, genauso einen, wie man ihn von Peter Lustig kennt. Inspiriert Sie dies oder benötigen Sie nur Ruhe und Abgeschiedenheit?

Judith Pinnow: Also inspiriert wäre ich auf einer Schäreninsel in einem blau gestrichenen Holzhaus mit Blick auf das Meer. Aber im Alltag ist mein kleiner grüner Bauwagen meine Insel.

Ich schleppe mir dann meinen Tee und meinen Laptop rüber und freue mich über meine kleine, treue Begleiterin die immer unter dem Schreibtisch liegt. (Meine Hündin Momo). Und dann schreibe ich bis eins meiner Kinder zur Tür reinpoltert und fragt ob es eigentlich auch mal Mittagessen gibt.

Die Redaktion: Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Judith Pinnow: Ja, viel und gerne.

Die Redaktion: Können Sie sich dabei noch an etwas besonderes erinnern, als Sie mit Ihren Eltern gespielt haben?

Judith Pinnow: Mein Papa war das beste Pferd. Auf seinem Rücken ritt ich durch Wüsten, Schluchten und auf Berge.

Die Redaktion: Was macht das Spielen aus Ihrer Sicht aus?

Judith Pinnow: Es dient keinem Zweck und keinem Ergebnis. Man spielt um zu spielen.

Die Redaktion: Was fasziniert Sie beim Spielen?

Judith Pinnow: Wenn man richtig spielt, so wie das eigentlich nur Kinder können, vergisst man Raum und Zeit.

Die Redaktion: Was spielt man denn im Hause Pinnow?

Judith Pinnow: Wir spielen gerne selbst ausgedachte Spiele. Eins heißt: „Wenn du müsstest“. Wenn du müsstest, würdest du lieber acht Packungen Schokoküsse essen oder vier Stunden lang Mathe machen?

Die Redaktion: Heutzutage leiden alle unter Stress und Zeitnot. Dadurch haben oder besser gesagt, nehmen sich Eltern keine Zeit, mit ihren Kindern zu spielen. Was würden Sie für Empfehlungen geben, dass man wieder zusammen spielt?

Judith Pinnow: Ich finde ganz wichtig, dass sich Eltern Spiele aussuchen die sie selbst auch gerne spielen. Kaufladen spielen mag ich zum Beispiel gar nicht und das merken meine Kinder natürlich.

Aber ich bin eine super geraubte Prinzessin die im Küchengefängnis für alle ein Abendbrot zubereiten muss und zwischendurch geheime Botschaften von ihren Rettern empfängt. Man kann oft Alltag und Spiel zusammen bringen.

Die Redaktion: Was ist eigentlich Ihr Lieblingsspiel?

Judith Pinnow: Tabu. Darin sind wir alle fünf inzwischen echt gut und ich muss mich anstrengen, gegen meine Kinder nicht ständig zu verlieren.

Die Redaktion: Verlieren Sie gerne?

Judith Pinnow: Hallo? Natürlich nicht!!!

Die Redaktion: Wie drücken Sie Freude beim Spielen aus?

Judith Pinnow: Laut lachen.

Die Redaktion: Wenn Sie in die Rolle eines Spieleerfinders schlüpfen könnten, welches Spiel würden Sie denn gern einmal erfinden wollen?

Judith Pinnow: Ich darf ganz bescheiden sagen, dass ich in meiner Familie schon ein kleiner Spielerfinder bin. Bei langweiligen Autofahrten werde ich gefragt, was spielen wir?

Und dann denke ich mir was aus.

Die Redaktion: Was steht denn als nächstes bei Ihnen an?

Judith Pinnow: Mein drittes Buch ist schon fertig und ich würde tatsächlich gerne ein viertes schreiben. Noch fehlt mir die zündende Idee, aber ich lade sie schon mal ein, dann wird sie auch kommen! Am 25. Mai wird aber erstmal mein zweiter Roman „Versprich mir, dass es großartig wird“ im S. Fischer Verlag erscheinen und darauf freue ich mich schon sehr.

Zur Person

Judith Pinnow, geboren 1973 in Tübingen, besuchte die Schauspielschule in Ulm und studierte am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Als Schauspielerin war sie in Fernsehserien und in Filmen zu sehen. Bekannt wurde sie als Fernsehmoderatorin. Mit ihrem Ehemann und Kollegen Stefan Pinnow und ihren drei Kindern lebt die Autorin in der Nähe von Köln.
Buchbild: © S. FISCHER Verlag GmbH/FISCHER Kinder- und Jugendbuch Verlag

Bild: Thekla Ehling

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 5013 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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