Angesagt – Ulrich Blum

Bild Ravensburger

Sehr geehrter Herr Blum,
das Videospiel Minecraft hat Millionen von Fans auf der ganzen Welt. Sind Sie einer von Ihnen?

Ulrich Blum: Ich hatte schon vor der Anfrage durch Ravensburger Minecraft gespielt. Da mich alle Formen des Spiels interessieren, kam ich natürlich nicht um ein derart erfolgreiches Computerspiel herum.

Minecraft kommt dabei meinem Spielstil bei digitalen Spielen sehr entgegen, da man es auch ruhig, beinah meditativ, spielen kann.

Computerspiele, die das sehr schnelle Drücken vieler Knöpfe verlangen, sind für meine Wurstfinger nämlich eher nicht geeignet.

Die Redaktion: War das für Sie eine besondere Motivation, einen Brettspiel-Prototypen zu entwickeln?

Ulrich Blum: Mit Sicherheit. Als ich die Anfrage erhalten habe, einen ersten Prototypen einzureichen, war mir sofort klar: Das willst du! Die Chance, mit einer derart berühmten Lizenz zu arbeiten, bekommt man schließlich nicht alle Tage.

Noch seltener ist es, dass man sich auch noch persönlich für diese Lizenz interessiert. Ich habe also sehr viel Arbeit investiert, um letztlich den Zuschlag zu bekommen. Schließlich waren ja auch noch einige andere talentierte Kollegen mit im Rennen.

Die Redaktion: Das meistverkaufte Videospiel aller Zeiten aufs Brett zu bringen war sicherlich nicht ganz einfach. Worin lagen denn die Herausforderungen?

Ulrich Blum: Brett- und Computerspiele verhalten sich ja ein bisschen wie Theater und Kino. Beide scheinen erst mal das Gleiche zu machen, doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass beide ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen haben. Sich auf die Stärken des Mediums zu konzentrieren und nicht zu versuchen, die Stärken des anderen Mediums zu kopieren, führt dabei am ehesten zum Erfolg.

Bei Minecraft war es von vornherein klar, dass ich niemals den Detailgrad oder die Vielseitigkeit des Spiels auf den Tisch übersetzen kann. Stattdessen habe ich nach den Kernprinzipien des Spiels gesucht und vor allem nach den Emotionen, die diese beim Spieler auslösen. Doch selbst mit dieser Maxime im Kopf war der erste Prototyp noch vollkommen überfrachtet.

Es folgte ein stetiges Wegnehmen, Vereinfachen und Verschlanken. Bis ich irgendwann bei dem gelandet bin, was jetzt „Minecraft: Builders & Biomes“ ist.

Die Redaktion: Es würde also noch genügend Futter und Ideen für Fortsetzungen und Erweiterungen geben?

Ulrich Blum: Natürlich. Mehr als genug. Beim Spiele entwickeln habe ich immer tausende Ideen, die es dann letztlich nicht ins Spiel schaffen. Das ist dann ein Fundus, den ich für Fortsetzungen plündern kann. Doch bevor ich an sowas denke, bin ich erst mal sehr gespannt auf die Resonanz zu „Minecraft: Builders & Biomes“. Der Rest ist Zukunftsmusik.

Die Redaktion: Daniel Greiner, der das Spiel als Redakteur bei Ravensburger betreut hat, ist selbst leidenschaftlicher Gamer, auch vom digitalen Minecraft. Hat sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen dadurch anders gestaltet?

Ulrich Blum: Ich glaube, „leidenschaftlicher Minecraft-Spieler“ ist in Bezug auf Daniel schwer untertrieben. Er kennt das Spiel in- und auswendig und spielt es seit der Beta-Version. Das war natürlich in der Entwicklung enorm wertvoll und man hat sofort seine Leidenschaft für das Projekt gespürt.

Es war von Anfang an eine extrem gute und enge Zusammenarbeit, bei der wir in ständigem Kontakt waren, oft sogar mehrmals täglich. Denn einerseits sollte das Spiel noch diesen Herbst erscheinen, andererseits gab es auch von uns beiden einen riesigen Willen, das beste Spiel, was wir irgendwie hinbekommen, zu machen. Dazu kam dann noch Mojang, das Entwicklerstudio von Minecraft, das eng in die Entwicklung mit eingebunden war.

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Auch dort hat man gemerkt, dass nicht nur Graphiken von Minecraft für ein Lizenzprodukt verwendet werden sollen, sondern ein richtig gutes Spiel entstehen soll.

Letztlich glaube ich, dass es auch nur so funktioniert hat: ein leidenschaftlicher Autor, ein Redakteur, der ein riesiger Fan der Lizenz ist und ein Lizenzgeber, der nicht nur sein Logo irgendwo drauf drucken will, sondern wirklich an Qualität interessiert ist.

Kurzvita Ulrich Blum

Nach einer Ausbildung zum Koch studierte der gebürtige Schweizer Ulrich Blum Schauspiel an der Theaterhochschule Zürich. Acht Jahre war er als Schauspieler tätig, ehe er sich auch beruflich den Spielen zuwandte.

2009 gewann er das Spieleautoren-Stipendium der Jury „Spiel des Jahres“. Seit 2011 ist er hauptberuflicher Spieleautor. Ulrich Blum ist 40 Jahre alt und lebt in Köln.

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