FRICTO Toys

Bild Fricto Toys

Bausteine fürs Köpfchen – für kleine und große Baumeister
Bambus, Kork und Geometrie, die Kunst des Legens, so beschreibt es das Begleitheft zum Grundkasten von Fricto Toys.

FRICTO wird ausschließlich direkt über das Internet vertrieben und seit Oktober 2008 handwerklich hergestellt in einer Münchner Behindertenwerkstatt.

FRICTO, lateinisch Reibung, ermöglicht Gebilde und Figuren zu bauen, die man nicht für möglich halten würde.

FRICTO ist kein Spielzeug im herkömmlichen Sinne. Die Kunst des Legens der Bauelemente und das Verstehen der Statik selbsttragender Konstruktionen macht FRICTO zu einer Herausforderung an Geduld, Grips und erfordert Fingerspitzengefühl.

Der Kasten wird zwar für Kinder ab 9 Jahren empfohlen, meine 6- und 7-Jährigen konnten jedoch damit genauso etwas anfangen, wie die interessierten Erwachsenen. Ein einfaches mehrstöckiges „Kartenhaus“ zu bauen, stellt dabei kein Problem mehr dar.

Versuchen Sie mal heutzutage ein Kartenhaus zu bauen. Das Spielkartenmaterial hat sich in den letzten 20 Jahren derart verändert, dass dies kaum noch funktioniert.

FRICTO verzichtet auf alles, was je erfunden wurde, um Dinge zusammenzuhalten. Die FRICTO-Bauten sind oft so komplex, dass man seinen Augen nicht traut. FRICTO-Bausteine ermöglichen das durch ihren festen Bambuskern, eine rutschfeste Korkauflage und ihre ausgeklügelte Geometrie.

Für den Physikunterricht könnte ich mir FRICTO Toys Bausteine gut als Unterrichtsmittel vorstellen. Für angehende Studierende der Ingenieurwissenschaften aller Studienrichtungen, besonders aber Bau und für künftige Architekten sollte FRICTO zur „Pflichtlektüre“ gehören.

Spiele-Entwickler Tino Schlagintweit, Diplom-Biologe, Jahrgang 1958; eher bekannt als freier Umwelt- und Wissenschaftsjournalist sowie Redakteur bei Garten Landschaft, Topos und LANET, beschreibt den Werdegang des ungewöhnlichen Bausteins wie folgt:

Der berühmte Erfinder und Künstler Leonardo da Vinci hatte eine Brücke für das Militär konstruiert, die transportabel und einfach aufzubauen sei. Leonardos genialer Kunstgriff bestand darin, dass er das Prinzip des Flechtens einfach auf starre Hölzer übertrug.

Von Leonardos Idee existiert nur eine einzige Zeichnung im Codex Atlanticus, einer Sammlung mit zahllosen Skizzen von Leonardos Erfindungen. Die Idee zu FRICTO geht auf die so genannte Leonardobrücke zurück, ist also schon etwa 500 Jahre alt.

Ende 2006 stieß Tino Schlagintweit in einer Ausstellung an der TU München erstmals auf eine Leonardobrücke. Sie bestand aus etwa 40 Zentimeter langen Latten und stand, wie von Zauberhand gestützt, mitten in der Unihalle – umringt von Kindern und Erwachsenen.

Er erkundigte sich, wo man diese Bausteine bekommen könne. Nirgends! – so die verblüffende Antwort der Ausstellungsmacher. Sie hatten einfach verschiedene Latten aus dem Baumarkt zugeschnitten und zwecks besserer Haftung mit Selbstklebe-Velours bezogen.

Das brachte ihn zum Entschluss, die neuartigen Bausteine zu perfektionieren und auf den Markt zu bringen.

Gemeinsam mit seinem Bruder experimentierte er mit unterschiedlichen Trägermaterialien, Seitenverhältnissen und Beschichtungen. Als ideal erwies sich schließlich ein Bambuskern mit Kork-Auflage. Die frappierenden Baumöglichkeiten von FRICTO beruhen auf der Verbindung von hoher Festigkeit und Haftreibung – Bambus und Kork.

Für die Beschichtung ist Kork optimal: Er ist einer der wenigen Naturstoffe mit extrem hoher Haftreibung und fühlt sich überdies gut an.

Was man den Bausteinen nicht ansieht: Die Geometrie ist sehr ausgefeilt. Sie ermöglichen die “Königsdisziplin”, die vierzig Bauelemente zu einem 16-eckigen Flechtrad zu verbinden. Damit es auch hält, müssen die Abmessungen von der “idealen” Geometrie in definierter Weise abweichen. Denn nur dann entsteht im Ringschluss die nötige Spannung und Stabilität. Die Seitenverhältnisse der Bausteine sind daher auf den Zehntel Millimeter genau gearbeitet.

Dieses Flechtrad (360 Grad) sollte von 2 Personen gebaut werden.

Mir ist es gelungen, allein, etwa gute 200 Grad zu bauen.

Das Geheimnis aller Konstruktionen ist das Anwenden der Baumethoden:

  • Verschränken,
  • Stützen,
  • Verlängern,
  • Neigen und
  • Kombinieren.

FRICTO Toys Bausteinsystem ist keine in China hergestellte Massenware.

Fazit

FRICTO Toys Bausteine sind vom Anspruch her etwas Besonderes. Für den Grundbaukasten mit 40 Bauelementen müssen 44,50 Euro hingeblättert werden.

Eine Investition, die sich unter den Aspekten der Langlebigkeit und Sinnhaftigkeit des handwerklich in einer Münchner Behindertenwerkstatt hergestellten Baukastens rechtfertigt.

Verlag: Fricto Toys (www.frictotoys.com)
Bildquelle: Fricto Toys

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Über Roland Bochmann 201 Artikel
Redakteur für Kinder-, Lernspiele und Experimentierkästen. Bild wurde von Juli gezeichnet.