Angesagt – Dagmar Henze

Bild Dagmar Henze (Quelle Coppenrath)

Sehr geehrte Frau Dagmar Henze,
Sie sind Illustratorin. Und viele Bücher, welchen Sie Leben eingehaucht haben, stehen in den Bücherregalen der Kinder.

Da fallen einem sofort die Fritzi und Lola Reihe ein, die vor allem Mädchen begeistern.

Sie haben in Hamburg Graphik Design mit dem Schwerpunkt Kinderbuchillustration studiert.

Frage: Wie würden Sie sich selber beschreiben, für Leute, die Sie noch gar nicht kennen?

Dagmar Henze: Ich finde, die meisten Eigenschaften der Menschen kann man zwei Kategorien zuordnen,der Kategorie „Ernie“ und der von „Bert“.

Zum Glück habe ich von beiden Anteile in mir, vermutlich mit Tendenz zu Bert.

Der Bert in mir ist pünktlich, diszipliniert, aufmerksam und genau. Der Ernie in mir hingegen ist ein bisschen verspielt, neugierig, empathisch und optimistisch.

Frage: Sie arbeiten gerade mit dem Coppenrath Verlag an einer neuen Reihe in der Pappe, mit einem Bären als Protagonisten. Um was geht es in diesen Geschichten?

Dagmar Henze: Meine Hauptfigur „Kuno“ ist ein Bär mit einem kindlichen Gemüt und einer großen Portion Tollpatschigkeit. Ich schicke ihn in verschiedenste Situationen, in denen sich die kleinen Leser wiederfinden können.

So geht es u.a. um die Themen „Einschlafen“, „Verstecken spielen“, Geburtstag haben“ oder auch „Krank sein“.

Frage: Sie haben viele Kinderbücher illustriert, ist es anders, wenn man schreibt und illustriert oder wenn der Autor sagt, dass er dieses oder jenes Bild haben möchte. Wie entstehen dann die Bilder?

Dagmar Henze: In der Tat ist es ein ganz anderer Prozess, wenn man selbst schreibt und dann die Bilder dazu malt.

Ganz viele Szenen in „Kuno“ habe ich zum Beispiel nur geschrieben, weil ich vorher schon die Bilder dazu, was ihm so alles passieren könnte, vor Augen hatte. Ich empfinde als unglaublich befriedigend, nicht mehr nur auf Texte und Beschreibungen zu reagieren, sondern die Bilder schon durch den eigenen Text beeinflussen zu können.

Frage: Ist es günstiger, wenn ein Illustrator von Anfang an mit an der Geschichte arbeitet oder erst wenn alles fertig ist?

Dagmar Henze: Von Anfang an dabei zu sein wäre das Ideal. Man findet so viel eher Schwachstellen in Texten. Wenn z. B. in einem Bilderbuch auf 10 von 16 Seiten immer derselbe Raum gezeigt werden müsste, weil der Text das so vorgibt, werden die Bilder schnell langweilig.

Ganz viel Dialog im Bilderbuch ist übrigens auch schwierig.

Aber meistens ist es so, dass der Text bereits fertig ist und dann der Illustrator in hakeligen Passagen vorsichtig nach einer Textänderung fragen muss.

Bild Coppenrath

Frage: Irgendjemand hat einmal gesagt, dass man als Illustrator Idealist sein muss, denn als Illustrator wird man nicht reich. Sind Sie eine Idealistin?

Dagmar Henze: Es stimmt, als Illustrator wird man nicht reich. Teilweise haben sich die Honorare von bestimmten Buchformaten seit 20 Jahren nicht oder nur geringfügig geändert, im Gegensatz zu unseren Lebenshaltungskosten.

Obwohl wir künstlerische und in den meisten Fällen mit Herzblut angefertigte Arbeit abliefern, liegt der Stundenlohn dafür jenseits von Gut und Böse. Lediglich Beteiligungen an Bestsellern ziehen die Kurve manchmal nach oben.

Auch hilft es, eine umfangreiche Backlist zu haben, aus denen Titel wiederverwertet werden können.Seit einigen Jahren versuche ich, weniger idealistisch zu sein und lehne mir angebotene Projekte häufiger mit dem Hinweis auf ihre nicht vorhandene Wirtschaftlichkeit ab.

Frage: Wenn Sie jetzt zurückblicken, haben Sie diesen Schritt jemals bereut, Illustratorin zu werden?

Dagmar Henze: Nein. Es ist manchmal eine zutiefst befriedigende Arbeit. Und wenn man dann bei Lesungen auf die Kinder trifft, die man mit seinen Bildern wirklich begeistert hat, ist es ein richtig tolles Gefühl. Außerdem kann ich auch nichts so gut wie zeichnen und malen.

Bild Coppenrath

Frage: Wir sind ja eigentlich ein Magazin, welches Kinderspiele und Spiele vorstellt, ohne dass wir dabei von Verlagen bezahlt werden, um unabhängig zu sein. Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt? Und was war da Ihr schönster Moment?

Dagmar Henze: Oh, der schönste Moment war, wenn ich als Kind in der Runde mit meinen Eltern und meinem Bruder als die Jüngste im Doppelkopfspiel gewonnen habe. Wir haben sehr früh alle möglichen Kartenspiele gelernt, Skat, Rommé, Canasta und eben Doppelkopf.

Das mochte ich am liebsten. Und an den Wochenenden hatten wir dann diese gemütlichen Runden rund um den Kartentisch.

Frage: Was wird bei Ihnen zu Hause gespielt?

Dagmar Henze: Mein Mann und ich sind ja schon die ganze Familie, daher spielen wir tatsächlich eher selten.

Wenn, dann sind es Strategiespiele wie „Mühle“ oder „Abalone“ oder Wissensspiele wie „Trivial Pursuit“.

Schach spielen zu lernen steht schon ewig auf meiner To-do-Liste.

Frage: Spielen verbindet und macht bekanntlich viel Spaß. Spielen Sie auch mal mit Ihren Freunden?

Dagmar Henze: Bevor wir aus Hamburg wegzogen, hatten wir mit einem befreundeten Paar eine grandiose Doppelkopfrunde. Die vermisse ich tatsächlich sehr. Wir arbeiten noch an einem Ersatz.

Frage: Schauspieler haben eine Traumrolle, was für einen Traum hat eine Illustratorin?

Dagmar Henze: Es wäre natürlich ein Traum, eine Geschichte zu illustrieren, die ein echter Klassiker wird. Und Generationen von Kindern verzaubert.

Auch wegen der Bilder. Mir ging es so mit den Zeichnungen von Ilon Wikland in den Bullerbü Geschichten. Mich haben diese Kinder so angerührt. Und es wäre schön, wenn es anderen Kindern so mit meinen Zeichnungen erginge.

Frage: Was planen Sie für die Zukunft?

Dagmar Henze: Insgesamt weniger Aufträge anzunehmen, mehr eigene Projekte zu verwirklichen, nur noch nach „Mag ich“ und „Kann ich“ auszusuchen. Und bessere Konditionen für mich (und dadurch vielleicht auch für meine Kollegen) herauszuhandeln.

Zur Person
Dagmar Henze wurde 1970 in Stade an der Unterelbe geboren. Nach dem Abitur zog es sie erst nach Hamburg und danach in die weite Welt. In Indien wurde ihr dann klar, dass sie Graphik Design studieren wollte und so ging es zurück nach Hamburg. Dort studierte sie an der Universität für Angewandte Wissenschaften Graphik Design mit dem Schwerpunkt Kinderbuchillustration.

Noch während des Studiums wurden die ersten Verlage auf ihren malerischen Stil aufmerksam, seitdem illustriert sie für verschiedene deutsche Kinder- und Jugendbuchverlage. (Coppenrath)

Beispiele: Gute Nacht! Alle in einem Bett oder Fritzi Pferdeglück (Coppenrath Verlag)

Wilfried Just
Über Wilfried Just 2533 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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