Im Gespräch mit Matthias Stoll

Bild DLRG

Matthias Stoll, Bereichsleiter Ausbildung und Prävention des DLRG Bundesverbandes, erklärt im Experteninterview, warum schon Vorschulkinder Schwimmen lernen sollten, wie ein Kindersachbuch dabei unterstützen kann und wie lange ein Kind schwimmen können muss, um als sicherer Schwimmer zu gelten.

Die Redaktion: Herr Stoll, Sie haben Ravensburger fachlich bei der Umsetzung des Kindersachbuchs „Komm mit zum Schwimmen“ beraten und unterstützt. Wie lief die Zusammenarbeit ab? War die Arbeit an einem Buch auch für Sie mit neuen Erkenntnissen verbunden?

Herr Stoll: Der Ravensburger Verlag hatte uns um fachliche Beratung gebeten und bereits frühzeitig in die Entwicklung der Texte und Illustrationen eingebunden.

Wir haben neben einem spannenden Aufbau für die Kinder vor allem auf Tipps und Hinweise für Eltern zum Schwimmenlernen und zur Sicherheit am Wasser Wert gelegt. Begeistert waren wir über die intensive Recherche und die sehr gute Vorarbeit des Verlags.

Zudem war die Zusammenarbeit für uns interessant, da in einem Buch für Kinder ab vier Jahren die Texte natürlich kindgerecht, kurz und auf den Punkt formuliert sein müssen.

Das war aber noch nicht alles. Schließlich wird der Text durch aussagekräftige Illustrationen unterstützt. Beides zusammen und die vielen Klappen vermitteln Wissen, erzählen aber auch eine Geschichte.

Die Redaktion: Welchen Vorteil sehen Sie darin, wenn es Bücher für Kinder gibt, die sich mit dem Schwimmen lernen auseinandersetzen?

Herr Stoll: Die Neugierde auf die Bewegung im Wasser wird geweckt und das Kind setzt sich mit dem Thema auseinander. So kann ein kleiner Beitrag zum Angstabbau vor dem ersten Schwimmkurs geleistet werden.

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Das Kind kennt bestimmte Szenen aus dem Buch und erinnert sich dann zum Beispiel daran, warum es wichtig ist, vor dem Baden zu duschen. Zusätzlich hat es sich auch schon mit den Baderegeln beschäftigt. Je mehr Wege genutzt werden, die Kinder auf das Schwimmen lernen vorzubereiten, umso schneller gelingt der tatsächliche Einstieg.

Die Redaktion: Warum sollten schon Kleinkinder Schwimmen lernen?

Herr Stoll: Kinder können und sollten schon früh ans Wasser gewöhnt werden. Das beginnt beim Duschen und Baden zu Hause und vielleicht auch dem Babyschwimmen. Fühlen sich Jungen und Mädchen bereits wohl im Wasser, geht es mit dem Schwimmen lernen später zumeist auch schneller. Dafür sind die Kinder etwa mit fünf Jahren so weit.

Sicher schwimmen zu können ist wichtig, um dem Ertrinken vorzubeugen. Dazu braucht es das Freischwimmerabzeichen, also das Schwimmabzeichen Bronze. Es ermöglicht Kindern auch den gemeinsamen Schwimmbadbesuch mit den Freunden – oder weitere Freizeitaktivitäten wie Paddeln und Surfen.

Die Redaktion: Viele Kinder haben nur einen offiziellen Schwimmkurs erfolgreich absolviert und tragen dann stolz das Seepferdchen-Abzeichen.

Welche Sicherheit bietet es, wenn ein Kind die Seepferdchen-Schwimmprüfung absolviert hat?

Herr Stoll: Keine ausreichende. Ein Kind hat dann nachgewiesen, dass es wichtige Grundfertigkeiten beherrscht, um mit dem Schwimmen lernen so richtig loszulegen. Insofern markiert das Seepferdchen-Abzeichen einen ersten wichtigen Meilenstein.

Sichere Schwimmer sind Kinder aber erst, wenn sie das Schwimmabzeichen Bronze abgelegt haben und somit – auch wenn nur im Bedarfsfall – unter anderem eine Viertelstunde ausdauernd schwimmen können.

Die Redaktion: Was raten Sie Eltern, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder im und am Wasser geht?

Herr Stoll: Sie sollten sich immer bewusst sein, welche Gefahr vom Wasser ausgehen kann, und dass gerade kleine Kinder vom nassen Element oft magisch angezogen werden.

Deshalb ist es wichtig, sie immer zu beaufsichtigen. Es muss nicht das Schwimmbad oder der Badesee sein, auch die Badewanne zuhause, das Plantschbecken im Garten oder die Regentonne des Nachbarn können zur Gefahr werden. Beim Baden sollten Eltern immer in Griffweite bleiben und sich nicht auf Hilfsmittel wie Schwimmringe oder -flügel verlassen.

Und sie sollten gemeinsam mit ihren Kindern regelmäßig Zeit im Wasser verbringen und diese Zeit entspannt und mit Freude genießen. Sind die Kinder alt genug, sollten sie das Schwimmen lernen und mindestens bis zum Freischwimmerabzeichen, also dem Schwimmabzeichen in Bronze, ausgebildet werden.

Die Redaktion: Was wollen Sie Eltern als Tipp für die kommende Badesaison mitgeben?

Herr Stoll: Eltern sollten sich zusammen mit dem Nachwuchs die zehn Baderegeln anschauen. Mit diesen im Bewusstsein genießen sie hoffentlich viel Zeit zusammen mit ihren Kindern beim Baden während der Sommermonate. Jeder gemeinsame Gang ins Wasser ist ein Schritt auf dem Weg zum sicheren Schwimmen.

Die zehn Baderegeln zum Nachlesen

Alle zehn Baderegeln sind im neuen Kindersachbuch „Wieso? Weshalb? Warum?, Bd. 26: Komm mit zum Schwimmen“ von Ravensburger und auf der Homepage der DLRG nachzulesen. Auf der Website der DLRG neben Deutsch auch in den Sprachen Englisch, Französisch, Ukrainisch, Arabisch u.v.m.: https://dlrg.de/baderegeln

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