Angesagt- Margit Sarholz und Werner Meier

Bild "25 Jahre Pressefoto: © Sternschnuppe / Foto: Matthias Vogel

Sehr geehrte Frau Margit Sarholz und sehr geehrter Herr Werner Meier,
Sie sind die Gründer des Kinderlieder-Verlages Sternschnuppe, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert.

Unter dem Namen Sternschnuppe haben Sie schon mehr als 25 CDs veröffentlicht. Ihre Familien-Musicals genießen Kultstatus.

›Die Kuh, die wollt ins Kino gehn‹ läuft seit mehr als 11 Jahren im Münchner Lustspielhaus und auf Tournee. Ihr orchestrales Musical ›Ristorante Allegro‹, das Sie im Auftrag der Münchner Philharmoniker geschrieben und auf die Bühne gebracht haben, füllt seit 2011 mehrmals jährlich die Münchner Philharmonie und begeistert durch seine neuartige Verbindung von Spitzenklang und Kinderspaß.

Sie sind also ein sehr produktives Künstlerpaar. Sind Sie auch privat ein Paar?

Werner: Genau, wir sind privat und beruflich ein Paar. Und das ist ein Geschenk, denn wir teilen miteinander die Freude, ja, die Lust am Schreiben und Vertonen, am Erfinden und Verdichten.

Aber auch und das nicht zuletzt am Singen und Spielen – deshalb geben wir auch so gerne zusammen Konzerte.

Margit: Ja, wir sind beide ewige Kindsköpfe und können uns begeistern an phantastisch-verqueren Geschichten, verrückten Reimen und guter Musik.

Unsere Lieder und unsere Musicals erzählen von fliegenden Kanapees und tanzenden Knödeln, einer Kuh im Kino oder auch von abenteuerlustigen Brotbröseln.

Die Redaktion: Seit 25 Jahren produzieren Sie Musik für Kinder, sind live unterwegs und haben noch so zahlreiche andere Projekte am Laufen. Wie schafft man dieses Arbeitspensum?

Margit: Ich glaube, die Antwort ist ganz einfach: weil uns das, was wir tun, Spaß macht. Das bringt ganz viel Energie. Und natürlich, dass wir anderen damit eine Freude machen.

Wenn uns bei unseren Konzerten so ein großer gemischter Chor aus Kindern und Eltern unsere Lieder entgegen schmettert, dann fährt man glücklich und voller Elan wieder nach Hause.

Werner: Und sich vorzustellen, dass in so vielen Familien in ganz Deutschland unsere Lieder laufen und Kinder und Eltern gemeinsam dazu singen, ob bei der Fahrt in den Urlaub, beim Plätzchenbacken zuhause oder einfach so, das motiviert natürlich auch ungeheuer.

Bild Sarholz-Meier Interview: © Sternschnuppe / Foto: Mohr Studios

Die Redaktion: Können Sie sich noch an den allerersten Titel, den Sie für Ihren Verlag geschrieben haben, erinnern?

Werner: Oh, das ist schwer zu sagen. Unsere ersten Lieder haben wir damals erst mal für Margits Kindertheater Sternschnuppe geschrieben. Erst danach kam dann die Idee, die Lieder auch auf Tonträgern zu veröffentlichen, weil die Eltern danach gefragt haben.

Margit: Ich erinnere mich noch genau, wie baff wir waren, als sich dann unsere erste Kassette ›Taxi Maxi‹ (ja, das waren noch Kassetten!) wie die warmen Semmeln verkauft hat. Zu den allerersten Liedern gehören auf jeden Fall der ›Spinnentango‹ und ›Puck, die Stubenfliege‹.

Die Redaktion: Woher nehmen Sie die Ideen und Anregungen für Ihre Musik?

Werner: Musik war schon immer meine Leidenschaft. Ich habe mir als Jugendlicher selbst Gitarre spielen beigebracht und in Tanzmusik-Bands alle Songs der Rock- und Popmusik rauf und runter gespielt.

Margit: Als wir beide uns kennengelernt haben, haben wir uns gleich gegenseitig Platten vorgespielt und Lieder vorgesungen.

Neben Popsongs waren da bei uns deutsche Liedermacher und französische Chansons ganz hoch im Kurs. Das alles hat uns bestimmt sehr beeinflusst. Heute vertonen wir kreuz und quer durch alle Stile, gerade wie es die Texte brauchen: Bei uns gibt’s mal Salsa, mal Walzer, mal Reggae, mal Rock und mal Tango.

Die Redaktion: Wie lange dauert es von der Idee bis zum Presswerk, bis eine CD erscheint?

Margit: Wir ziehen uns für eine neue Produktion meist im Frühjahr für 3 Wochen zum Schreiben und Komponieren zurück. Das ist immer eine sehr schöne Zeit, in der wir ganz in unserem Element sind.

Aber dann geht es erst los mit der aufwändigen Produktion, denn in unsere CDs packen wir auch bei der Instrumentierung all unsere Liebe zum Detail.

Werner: Ja, wir arbeiten zusammen mit vielen Musikern, die mit Hingabe und Können unseren neuen Liedern Leben einhauchen. Intensiv sind auch die Gesangsaufnahmen mit den Kindern, damit deren Begeisterung und Originalität in jeder Sternschnuppe CD spürbar sind.

Darum stecken in jeder Produktion weit über 200 Studiostunden, bis alles aufgenommen ist, bis jeder Ton passt, jedes Lied richtig schwingt, bis die Stimmung stimmt und alles fein abgemischt im Kasten ist.

Die Redaktion: Hat es einen besonderen Grund, dass Sie nur im südlichen Teil Deutschlands live unterwegs sind?

Margit: Wenn wir neben dem Schreiben und Produzieren, Konzerte geben und dem Leiten unseres Verlages auch noch auf Deutschland-Tournee gehen würden, bliebe keine Zeit mehr für die Dinge, die wir auch lieben.

Werner: Wandern, Radeln, Reisen … Ich wühle für mein Leben gern in meinem Garten und Margit liebt das Schwimmen in ›ihrem‹ Wiflinger Weiher, den wir übrigens auch schon oft besungen haben.

Die Redaktion: Wir sind ein Kinderspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

Werner: Ich bin auf dem Bauernhof mit 7 Geschwistern aufgewachsen. Da war der Spielplatz für uns Kinder meist draußen vor der Tür. Aber wir hatten eine Sammlung mit den klassischen Brettspielen und meine Mama war ungeschlagene Meisterin in Halma, das haben wir oft abends nach der Stallarbeit gespielt.

Und mit meinen Brüdern gab es oft Monopoly-Sessions über mehrere Tage.

Margit: Wir hatten auch so einen Spielkasten mit den klassischen Gesellschaftsspielen. ›Mensch ärgere Dich nicht‹ mochte ich aber nicht so gern, ich war die Kleinste zwischen meinen Geschwistern und Cousinen und ein schlechter Verlierer, wenn mich die Großen wieder lachend kurz vorm Häuschen rausgeschmissen haben.

Mein Vater hat viel mit mir gespielt und mir erst Halma und später Mühle, Dame und dann Schach beigebracht. Das war sehr schön!

Bild Sternschnuppe

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

Margit: Ich mochte immer und mag bis heute die Aufregung oder auch die totale Konzentration von allen am Tisch und dabei zu wissen, dass es ja nur ein Spiel ist.

Werner: Für mich war es ganz schön, dass meine Mutter, die so viel zu tun hatte auf unserem Bauernhof und mit 8 Kindern, sich die Zeit genommen hat, mit uns zu spielen.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Margit: Ich würde gerne mit Mozart eine Runde Tabu spielen.

Werner: Und ich würde gerne mit meinem großen Musiker-Vorbild Paul Simon Schach spielen.

Die Redaktion: Welches Spiel spielen Sie am liebsten? Und was spielen Sie heute mit Ihren Kindern oder Freunden?

Margit: Ich spiele total gerne Tabu, das spielen wir auch öfter mit Freunden. Und mit unseren Enkelkindern spielen wir … alles was hergeht.

Werner: Ich spiele gerne Activity, allerdings wird es für mein Team immer schwierig, wenn ich mit dem Malen dran bin.

Die Redaktion: Schummeln Sie auch gern mal im Spiel?

Margit und Werner: Wir finden Spiele total gut, bei denen Schummeln oder Bluffen dazugehört, wie Schafkopf, Poker oder Mäxchen. Es ist auch lustig, wenn Kinder das beim Spielen üben, wie zum Beispiel beim ›Schwarzen Peter‹, wenn man so tun muss, als hätte man nicht den ›Schwarzen Peter‹ auf der Hand.

Ansonsten finden wir beide Schummeln beim Spielen total blöd!!

Die Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, auch selber mal ein Spiel zu erfinden?

Margit: Ja, eigentlich habe ich schon eins in der Schublade, zu unserem Lied von der Kuh, die ins Kino geht. Aber bis jetzt noch keine Zeit … mal schauen.

Werner: Und ein Kartenspiel zu unserem Lied von der Kuh haben wir ja schon rausgebracht, Margit hatte die Idee, das alte Spiel ›Schwarzer Peter‹ umzuwandeln. Da gibt es dann statt dem ›Schwarzen Peter‹ das gefährliche ›Metzger-Schwein‹, das die Kuh auf ihrem Weg ins Kino im Auto mitnehmen will.

Die Redaktion: Auf welche Frage hätten Sie in letzter Zeit keine Antwort?

Margit und Werner: Wir sind beide ziemlich ratlos, warum so viele Menschen in Deutschland die AfD gewählt haben.

Die Redaktion: Welches Spielthema würde Sie reizen?

Margit und Werner: Naja, eben unsere Abenteuergeschichte von der Kuh auf ihrem Weg ins Kino endlich umzusetzen in ein lustiges Brettspiel.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Margit und Werner: Neben unserer Brettspielidee haben wir noch viele Kinderlieder im Kopf, die raus wollen und ein neues Familienmusical und …

Infos
www.sternschnuppe.de
www.kinder-musicals.bayern
www.ristoranteallegro.de

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Über Wilfried Just 8865 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.