Im Gespräch mit Alexander Bandilla

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Sehr geehrter Herr Alexander Bandilla,
Sie sind Schauspieler und Sprecher. Vielen Hörbüchern haben Sie dabei Ihre Stimme geliehen. Und nun haben Sie Ihre Stimme dem Hörbuch Catan von Klaus Teuber (USM) geliehen.

Die Redaktion: Wie war das, hat Klaus Teuber Sie persönlich angerufen und gefragt oder wie wird man Sprecher eines Hörbuches?

A.B.: Sprecher eines Hörbuches wird man normalerweise durch den Auftrag eines Hörbuch-Verlages, nicht durch den Autor des Buches. Also, nein, Klaus Teuber hat mich nicht angerufen. Aber ich hatte schon einige Hörbücher aufgenommen, und was ich da gemacht habe, hat dem Verlag offensichtlich gefallen, und so kam dann die Anfrage, ob ich Zeit und Interesse habe.

Die Redaktion: Kannten Sie das dazugehörige Spiel schon im Vorfeld Ihrer Sprecherarbeit?

A.B.: Das Spiel gibt es ja schon seit einigen Jahren, und ich hatte davon gehört. Gespielt habe ich es erst, als die Aufnahmen zum Buch beendet waren.

Das hatte sich so ergeben.

Die Redaktion: Wie kann man sich so einen Tag im Studio vorstellen?

A.B.: Eigentlich ist das ganz unspektakulär. Als Sprecher sitze ich in einem schallisolierten Raum, in der Sprecherkabine, vor einem Mikrophon und lese laut.

Manchmal liest man auch im Stehen. Am Beginn richtet der Tontechniker das Mikrophon für die jeweilige Köperhaltung ein, dann wird eine Tonprobe gemacht, um alle Modulationen und Färbungen der Sprecherstimme, auch die leisen und lauten Töne, ohne Verzerrungen festhalten zu können. Dann kann das Einlesen des Textes, so nennen wir das, beginnen.

Die Redaktion: Wie müssen Sie sich auf einen Tag im Studio vorbereiten?

A.B.: Genaugenommen gibt es zwei Bereiche der Vorbereitung. Zum einen muss die Stimme gesund und frei sein. Auch mit einer müden Stimme kann man nicht richtig arbeiten.

Also sollte man gut ausgeschlafen ins Studio gehen. Günstig ist auch, wenn man sich morgens eingesprochen hat. Jeder Sprecher hat mit der Zeit sein eigenes kleines Programm von Übungen, um die Sprechorgane „warm“ zu machen.

Das ist ein bisschen wie beim Sport. Vor dem Training und dem Wettkampf steht auch dort das „Warmmachen“ der Muskulatur. Das machen Sprecher ganz genauso.

Bild Kosmos

Und zum anderen bereitet man sich auf den Text vor. Bevor ich mit dem Einlesen einer Geschichte anfange, muss ich das Ende kennen. Das ist nicht nur bei einem Roman oder einer Erzählung so, sondern auch bei einem Sach-Text.

Ich möchte immer den Gesamtzusammenhang kennen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich erst mit einem gewissen Verstehen des Ganzen, die Einzelteile und ihre Beziehungen untereinander darstellen, also erzählen kann. Und dann guckt man sich natürlich diese Einzelteile einzeln an, die verschiedenen Figuren.

Wie ist jede einzelne drauf, wie tickt die? Da geht es nicht nur um ihre Stellung innerhalb des Großen und Ganzen, sondern: Wie redet sie? Genaugenommen geht es um die Frage, wie klingt jede einzelne Figur?

Wie ist sie im Allgemeinen? Wie ist ihr Charakter? Und erst, wenn ich das mitbekommen und für mich festgemacht habe, dann kann ich zeigen, wie sie sich in den verschiedenen Situationen im Laufe der Erzählung verhält. Das kann ja sehr, sehr unterschiedlich sein.

Bevor ich also ins Studio gehe, ist in mir beim vorbereitenden Lesen eine Art Klang-Film entstanden. Klar kommen da auch Bilder hoch. Aber auch die können sehr hilfreich sein beim Erzählen für den Zuhörer.

Und dann gibt es noch eine Aufgabe bei der Vorbereitung. Man muss sich mit Namen und Begriffen, mit Fremdwörter beschäftigen. Die sollten natürlich so ausgesprochen werden. Bei CATAN war also die Frage, wie klingen diese norwegischen Personen-Namen? Oder auch die Bezeichnungen für einzelne Gegenstände oder auch Tätigkeiten.

Da zitiert jemand plötzlich einen Gedanken auf Lateinisch oder Französisch. Spannend wird es, wenn eine Figur z. B. eine Sprache selbst gar nicht richtig kann.

Dann muss man wissen, wie es richtig ist, um zeigen zu können, wie die Figur es nicht richtig macht. Das alles kostet natürlich Zeit, ist aber auch sehr spannend. Bevor ich ins Studio gehe, war es also schon richtig aufregend.

Die Redaktion: War Herr Klaus Teuber auch öfter bei den Aufnahmen im Studio dabei? Und wenn ja, wie war die Zusammenarbeit mit Herrn Teuber im Studio?

A.B.: Nein, Herr Teuber war nicht mit im Studio.

Die Redaktion: Wie viel von Ihnen selbst steckt in der Geschichte? Sind Sie auch abenteuerlustig? Neugierig?

A.B.: Neugierig bin ich. Schon die Vorbereitung für eine Aufnahme geht für mich ohne Neugier gar nicht. Und die Aufnahme, die ist dann erst richtig spannend. Alles, was ich da gefunden habe beim Vorbereiten, das arbeite ich ja nicht wie nach einer Tabelle ab.

Da ist eine gewisse Plausibilität der Geschichte in mir gewachsen, mit ganz vielen unterschiedlichen Fassetten. Und die kann ich jetzt bei der Aufnahme laufen, oder besser gesagt, klingen lassen.

Und dabei passiert nochmal etwas Neues. Die Einzelteile kommen jetzt zueinander, treffen aufeinander, gegeneinander. Das ist wie Theaterspielen. Du gehst vors Mikro wie auf die Szene. Ich weiß ja schon, wie eine Szene ausgeht.

Das hat der Autor ja vorgegeben. Aber die Art und Weise, wie heiß und hoch oder kalt und hinterhältig oder wie auch immer die Figuren miteinander umgehen, das zeige ich dann. Die Temperatur, das Tempo, den Rhythmus, die verschiedensten Nuancen. Das ist, was von mir in der Aufnahme drinsteckt.

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Die Redaktion: Haben Sie entsprechende Vorlieben für Sprecherrollen?

A.B.: Nein. Vorlieben habe ich nicht. Ich mache auch gern Sachtexte. Zum Beispiel einen Audio-Guide für ein Museum. Das ist sehr spannend. Aber das, was z. B. diese CATAN-Erzählung ist, das mag ich sehr. Ich kann dabei so viele sein. Der Erzähler und jede Figur. Und es gibt viele Figuren in CATAN.

Und die sind bei jeder Szene, jeder Begegnung ein bisschen anders. Ich muss mich also ständig verwandeln, blitzartig jemand anders sein. Das macht mir Spaß. Dieser ständige Wechsel. Einerseits muss ich dabei ganz klar im Kopf sein, und gleichzeitig muss ich in zum Teil sehr extreme Gefühle einsteigen. Nur eine einzelne Figur zu zeigen, fordert auf wieder ganz andere Weise heraus. Nein, eine Vorliebe habe ich nicht.

Die Redaktion: Was bedeutet eigentlich für Sie Glück? Kann man Glück anfassen, riechen, schmecken? Wie teilen Sie Ihr Glück mit anderen?

A.B.: Wenn ich so arbeite, wie ich das eben beschrieben habe, dann zum Beispiel bin ich glücklich. Ich denke beim Arbeiten natürlich nicht darüber nach, ob ich jetzt glücklich bin oder nicht. Aber im Nachgang fühlt es sich gut an. Und wenn ich später mitbekomme, dass Hörern gefallen hat, was ich gemacht habe, dann macht mich das auch nicht gerade unglücklich.

Aber Glück…. Wenn sich etwas innerlich gut und richtig anfühlt, dann kann das so etwas wie Glück sein, glaube ich. Dann könnte ich es vielleicht auch anfassen, schmecken oder riechen, weil es mit etwas Konkretem verbunden ist.

Und das Teilen von Glück? In den freudigen Momenten mit andern zusammen sein. Das kann man sich organisieren. Aber vielleicht funktioniert es auch so: So ein Glücksempfinden macht jeden innerlich stark und widerstandsfähig.

Und wenn man dann von diesem Inneren abgeben kann, in einer ganz anderen Situation, wenn z. B. ein anderer jemanden an seiner Seite braucht – dann denkt man natürlich niemals an Glück – aber, bedeutete das nicht auch Glück, dass man das machen kann? Glück für beide?

Die Redaktion: Wir sind ein Familienspielmagazin und versuchen Erwachsene dazu zu bewegen, mit ihren Kindern zu spielen, weil dies für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Was wurde bei Ihnen zu Hause gespielt?

A.B.: Brettspiele, Kartenspiel, Federball, Tischtennis. Keines davon im Übermaß. Und jedes hatte seine Zeit. Es gab keinen Zwang dazu. Wer wollte, machte mit.

Die Redaktion: Was war Ihnen dabei wichtig, wenn Sie mit Ihren Eltern oder Geschwistern gespielt haben?

A.B.: Dass wir es taten, war das Wichtige. Und ich erinnere mich daran, dass wir dabei viel gelacht haben, dass wir locker waren. Es geht natürlich beim Spielen auch immer um das Siegen.

Aber das war nicht so bedeutend. Einer siegte schließlich, gut, aber alle waren dabei. Und dieses Zusammensein, das war damals wichtig. Und das ist, was ich heute noch erinnere. Diese Atmosphäre.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

A.B.:Mit „Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte“? Ich bin da sehr vorsichtig. Was weiß man aus der Ferne schon über die?

Aber ein guter Verlierer ist immer willkommen.

Die Redaktion: Was planen Sie in der Zukunft?

A.B. Mit dem Planen ist das so, wie mit dem Wünschen. Ich mache jeden Tag etwas, das mir hilft, gesund und fröhlich alt werden zu können.

Die Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Hörbuch ist im USM- und das Buch im Kosmos-Verlag erschienen.

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Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kommen wir selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrungen zurückblicken.