Angesagt – Günther Leifer

Bild Carrera

Sehr geehrter Herr Günther Leifer,
Sie arbeiten als Designer bei Carrera ARB und Sie gehören zu denen, die sich immer neue Modelle ausdenken.

Die Redaktion: Wie wird man eigentlich Designer bei Carrera? Ist dies ein Lehrberuf?

Günther Leifer: Ja, ich habe Design studiert, 9 Semester Industriedesign mit künstlerischer Aufnahmeprüfung und allem Pipapo. Sehr nüchtern war das alles, das Bauhaus wirkt noch nach.

Die Redaktion: An welchen Projekten haben Sie bereits gearbeitet?

Günther Leifer: Über den Daumen gepeilt sind es 1500. Ich bin jetzt seit 23 Jahren dabei und habe im Schnitt 70 Projekte pro Jahr, quer über alle Produktlinien.

Hört sich viel an, aber es sind nicht alles komplette Neukonstruktionen. Und Neudekorationen bestehender Modelle kosten nicht so viel Zeit, die Routine tut ein Übriges.

Neben den Fahrzeugen bin ich auch mit Zubehör beschäftigt, und ab und zu gibt es Spezialwünsche wie Illustrationen, handgeschnitzte Fahrerfiguren, Stories für Captain Carrera-Comics etcetera.

Die Redaktion: Wie lange dauert die Entwicklung eines neuen Produktes, also von der Idee bis zum Endprodukt im Handel?

Günther Leifer: Die Zeit lässt sich schwer eingrenzen. Ist eine Idee da, muss die zuerst durchgenickt werden.

Ist das „GO!“ erteilt, dauert es um die 6 bis 8 Monate, bis man erste Resultate in Form von Nullmustern – fertige Modelle mit Dekoration – sieht.

Produziert werden muss die Anzahl der bestellten Modelle ebenfalls, und das dauert bei mehreren hundert Einzelschritten pro Produkt auch seine Zeit. Dazu noch die Anlieferung, also mit einem Jahr muss man im Durchschnitt schon rechnen. Ausreißer nach unten oder oben gibt es natürlich immer.

Ein Modell, welches Günther Leifer entwickelt hat (Bild Carrera)

Die Redaktion: An welchem Projekt haben Sie zuletzt gearbeitet? Wie ist es zu dieser Idee gekommen? Wie viele Kollegen aus Ihrem Haus haben an dem Projekt gearbeitet?

Günther Leifer: Wir revitalisieren gerade einige Rennsport-Klassiker für den amerikanischen Markt mit neuen Dekoren, da ist einiges an Detektivarbeit gefragt.

Für die USA brauchen wir maßgeschneiderte Produkte, da haben wir aber mittlerweile einen guten Fundus. Die Manager dort haben ihren Bedarf angemeldet, die Produktmanagerin hier hat die Sache eingegrenzt und kümmert sich um die Lizenzen, die Fabrik bekommt von mir die Unterlagen – wie viele Leute dort an den Spritzmaschinen und in der Dekoration arbeiten, weiß ich leider nicht.

Die Redaktion: Können Sie sich auch die Originalfahrzeuge ansehen, einsteigen und vielleicht sogar fahren?

Günther Leifer: Es kam schon vor, dass ich Originalfahrzeuge unter die Lupe nahm. Eingestiegen bin ich auch schon in einige – bei 1,93 Metern Körpergröße und 120kg Gewicht gibt es allerdings gewisse Einschränkungen… Gefahren bin ich noch keins, es gibt auch nur ganz wenige Fahrzeuge, bei denen ich den Wunsch hätte. Ich bin mehr Cruiser als Racer.

Die Redaktion: Wer arbeitet eigentlich alles an der Entwicklung eines neuen Projektes mit?

Günther Leifer: Produktmanagement, Design, Technik, Formenbau, Deko-Abteilung.

Ein Modell, welches Günther Leifer entwickelt hat (Bild Carrera)

Die Redaktion: Kann man in der Entstehungsphase seinen Ideen dazu freien Lauf lassen oder gibt es konkrete Vorgaben durch das Unternehmen?

Günther Leifer: Durch das Thema unserer Produkte haben wir einen Rahmen, den wir tunlichst nicht verlassen sollten. Es gibt ebenfalls einen Sack voll Parameter, die beachtet werden müssen.

Unsere Modelle fahren mit einer ziemlichen Geschwindigkeit um die Kurse, da muss man schon mal auf feinst modellierte Details verzichten, um Bruch zu vermeiden. Fahrzeuge wie sie bis in die dreißiger Jahre gebaut wurden, mit feinstem Chromgestänge, kann man schon mal ausschließen, das erzeugt nur vermeidbare Reklamationen. Nicht alles, was schön wäre, wäre auch praktikabel.

Generell bewegen wir uns im Mainstream, aber manchmal gibt es auch kontroverse Ausnahmen (die machen besonders viel Spaß!).

Ein Modell, welches Günther Leifer entwickelt hat (Bild Carrera)

Die Redaktion: Muss man als kreativer Kopf der Entwicklung ständig mit einem Notizzettel herumlaufen, um schnell seine Ideen aufzuschreiben?

Günther Leifer: Besser wär’s.

Die Redaktion: Wie sind Sie eigentlich zu Carrera gekommen? Welche Besonderheiten bietet Carrera dem Nachwuchs?

Günther Leifer: Da war ein Stellenangebot in der Zeitung, 1996.

Carrera ist ja im deutschsprachigen Raum das Synonym für die Autorennbahn, man kommt nicht drum herum. Und das Thema „Auto“ ist ja schon seit Benz seine ersten Fahrzeuge auf die Straße brachte attraktiv für jung und alt.

Dabei hört das Thema ja nicht bei den Modellen auf – eine liebevoll gestaltete Rennstrecke zum Beispiel bietet ja endlose Möglichkeiten zum Spielen, Gestalten und Lernen.

Weiter geht’s mit den Bereichen Mechanik und Elektronik; nicht ganz mein Fachgebiet, aber für das Verständnis von Dingen wie etwa „Übersetzung“, „Stromspannung“, „Fahrphysik“ findet man bei der Autorennbahn wunderbar eingängige Anwendungsbeispiele.

Die Redaktion: Carrera hat eine große Fangemeinde. Werden Sie und Ihr Team auch von den Fans inspiriert?

Günther Leifer: Inspiriert und traktiert.

Inspiriert durch die seit Jahrzehnten andauernde Begeisterung; eine Carrera-Anlage in einem Einkaufszentrum zum Beispiel ist immer noch ein Magnet für Groß und Klein.

Traktiert mit den immer wiederkehrenden Wünschen nach Wiederauflagen früherer Modelle in heutiger Qualität. Nostalgie schön und gut, aber man muss sich doch auch entwickeln können – dürfen – sollen…

Die Redaktion: Muss man eigentlich spielaffin sein, um bei Carrera zu arbeiten?

Günther Leifer: Es ist von Vorteil… In meinem Fall ist es weniger das Rundendrehen auf Zeit, mehr der optische Eindruck, den ein ganz neues, noch nie da gewesenes Modell verströmt, wenn es in leichtem Drift um die Kurven rollt.

Da erwischt man sich schon mal dabei, dass man das Motorgeräusch als Untermalung nachahmt…

Die Redaktion: Haben Ihre Eltern mit Ihnen gespielt?

Günther Leifer: Ja, anfangs schon. Ich wurde aber im Grundschulalter zur Leseratte, dann erledigte sich das.

Die Redaktion: Können Sie sich dabei an einen besonderen Moment erinnern?

Günther Leifer: Ich kann mich in Bruchstücken noch an unsere erste Carrerabahn erinnern, Weihnachten 1969.

Mein Bruder wollte unbedingt mit dem Porsche fahren, ich musste den Pagoden-Mercedes nehmen. Egal, gefiel mir sowieso besser.

Die Redaktion: Spielen Sie eigentlich noch selber?

Günther Leifer: Ich spiele Online und höre dabei Nachrichten und Dokumentationen. Multitasking, sozusagen.

Die Redaktion: Was ist Ihr Lieblingsspiel?

Günther Leifer: Viel Spaß hatte ich immer bei Uno oder Charadenspielen wie z. B. „Activity“.

Die Redaktion: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Persönlichkeiten aus der jetzigen Zeit oder aus der Geschichte zu einem Spiel einzuladen, wer dürfte an Ihrem Tisch Platz nehmen?

Günther Leifer: Klaus Kinski (das wird lustig), Nina Hagen (das wird auch lustig).

Bild Carrera

Die Redaktion: Können Sie sich vorstellen, vielleicht auch einmal ein Brett- oder Kartenspiel zu entwickeln?

Günther Leifer: Ich habe Respekt vor dem Aufwand… muss ja alles stimmig und „rund“ sein. Regeln, Thema, Präsentation, Spielwert etc., das lässt sich nicht mal eben so machen. Grobe Vorstellungen, was es sein könnte, habe ich auch, etwas mit „Alternativer Historie“ („Was wäre wenn… Mittelalter ohne Pest?“; „Was wäre wenn… Europa ohne Alpen?“; „Was wäre wenn… Azteken entdecken Europa?“).

Also ein ganz anderer Themenbereich.

Die Redaktion: Was planen Sie für die Zukunft?

Günther Leifer: Mehr auf den Putz zu hauen. Gleichgültigkeit zu erzeugen ist eine Todsünde.

Wilfried Just: Wir bedanken uns recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

https://www.carrera-toys.com/de/

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