Kastanienjahre

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Ein anderes Land. Ein anderes Leben.
Die Autorin Anja Baumheier wurde 1979 in Dresden geboren, im sogenannten Tal der Ahnungslosen.

Warum ahnungslos, weil durch die geografische Lage der Stadt die meisten Bewohner kein sogenanntes Westfernsehen empfangen konnten.

Frau Baumheier hat beide Welten kennengelernt, die Kindheit in der DDR und jetzt die Welt als Lehrerin in Berlin. Diese Erfahrungen spiegeln sich in ihren Romanen wider.

Der erste Band „Kranichland“ erschien 2018. Mit diesem Roman hatte sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, vor allem lag das an der Glaubwürdigkeit ihrer Figuren und der Geschichte an sich.

Der zweite Band knüpft nahtlos daran an.

Zwei Orte gibt es, die für Elise Heimat bedeuten: Paris, wo sie seit über 20 Jahren eine kleine Boutique im Montmartre führt; und Peleroich, das verschlafene Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste.

Hier wächst sie in den 60er Jahren auf, hier lernt sie Henning und Jakob kennen, die beiden Lieben ihres Lebens. Henning, der Fels in der Brandung, den sie seit Kindertagen kennt, Jakob, der Frauenschwarm, der Künstler werden will und wie sie davon träumt, einmal den Eiffelturm zu sehen.

Eine fatale Dreiecksbeziehung voller Geheimnisse – bis Jakob eines Tages spurlos aus Elises Leben verschwindet.

Die Geschichte von Kastanienjahre beschreibt die DDR, wie sie von den 60iger Jahren an war. Zwar ist der Ort Peleroich fiktiv, aber er steht damit für alle Orte in der DDR. Elise ist die Heldin in der Geschichte. Entgegen dem ersten Band sind diese jetzt erwachsen. Elise hat eigentlich ihre Träume verwirklicht, indem sie eine Boutique in Paris führt.

Eigenartige Briefe locken die junge Frau nach so vielen Jahren wieder in die Heimat. Ein Unbekannter will hier endlich das Geheimnis lüften, das Geheimnis um ihre Jugendliebe. Voller Hoffnung fährt sie wieder in die Heimat, was gleichzeitig auch eine Reise in die Vergangenheit bedeutet.

Ihre Jugendliebe ist damals in der DDR einfach so verschwunden, keiner wusste, wo er hin ist. Die Erinnerungen in ihr werden wach. Sie denkt dabei zurück, wie das Regime den Menschen kaum Freiräume ließ, ihre Kreativität und Wünsche freien Raum zu lassen.

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Aber auch die Wende war am Anfang nicht das Glückslos, nein, man ist erst einmal in ein tiefes Loch gefallen. Für viele dauerte es lange, ehe sie sich in dem neuen System zurechtgefunden haben.

Manche tun es noch immer nicht, sich hier einzufügen, denn es wurde auch durch die Wende viel Gutes zerschlagen. Vor allem die Menschlichkeit, der Umgang miteinander wurde zerstört.

Fazit

Anja Baumheier ist hier ein bemerkenswertes Stück gelungen. Sie stellt die Geschichte, das System DDR sehr realistisch dar, ohne es in den Himmel zu loben.

Aber viel wichtiger, sie blickt in die Seelen der Menschen, die die Wende erlebt haben und wie sie sich selbst gesucht haben. Wolfgang Berger liest dieses Buch beeindruckend.

Vor allem ist es die Emotion, die er herüberbringt. Witzig, er singt sogar an manchen Stellen.

Gerade jetzt zum 30. Jahrestag des Mauerfalls ist dies ein Roman, der in die Seele der Menschen blickt, so hat man vielleicht Verständnis für die Bewohner östlich der Elbe.

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