Angesagt – Michael Menzel

Bild Stefanie Schmitt und Henning Scheffen

Sehr geehrter Herr Menzel,
als Sie das erste Mal „Die Legenden von Andor“ in Essen vorgestellt haben, dachte ich, dass hier ein Rockstar steht, denn die Fan-Schlange ging durch die ganze Messehalle.

Haben Sie jemals damit gerechnet, dass das Spiel so erfolgreich würde?

Herr Menzel: Nein, dieser große Erfolg war nicht abzusehen. Sicherlich hat die Auszeichnung zum Kennerspiel des Jahres 2013 großen Anteil daran. Hinzu kommt, dass Andor von Anfang an sehr ungewöhnlich war. Ein Fantasy-Spiel mit einem leichten Einstieg?

Einem Tutorial, wie man es sonst nur aus Computerspielen kennt? Ein großes Abenteuerspiel, in dem man schon nach 1 Seite Regeln mit dem Spielen anfangen kann? Das war schon was Neues und ich glaube, dass hierin der Schlüssel zum Erfolg lag.

Die Redaktion: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, Spiele zu erfinden?

Herr Menzel: Ich hatte für meinen Sohn und mich ein Fantasy-Spiel gesucht. Was mit Drachen und Rittern und so. Leider sind diese Spiele häufig sehr Regelintensiv und das war für mich und meinen Sohn zu viel. Ich mag keine langen Regeln. Also fing ich an, ein eigenes Spiel für unsere Bedürfnisse zu entwickeln. An eine Veröffentlichung hatte ich zuerst gar nicht gedacht.

Die Redaktion: Sie sind schon viele Jahre mit dem Spiel verwurzelt und Ihre Spielillustrationen haben vielen Spielen ein Gesicht gegeben. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

Herr Menzel: Es war eine der glücklichen Fügungen in meinem Leben. Ich hatte einige Jahre bei einem Computerspiel-Entwickler gearbeitet und dort Peter Neugebauer kennengelernt. Als die Firma Jahre später dicht machte, habe ich ihn durch Zufall wieder getroffen.

Peter ist unter anderem auch Spieleautor und hatte gerade nach einem Illustrator für sein neues Spiel „Manga Manga“ (KOSMOS) gesucht. Ich bekam die Chance, einen Entwurf zu machen. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen.

Die Redaktion: Wie wichtig ist für Sie die direkte Zusammenarbeit mit einem Spieleautor?

Herr Menzel: Es ist gut, die Autoren zu kennen und zu wissen was ihnen bei ihren Spielen wichtig ist. Der wichtigste Bezugspunkt ist aber für mich die Spiele-Redaktion. Diese treten häufig gar nicht so sehr in den Vordergrund, sind aber enorm wichtig.

Sie machen aus einer Spielidee ein komplettes Produkt. Ich habe das große Glück, hier mit wirklich guten Leuten zusammenarbeiten zu dürfen.

Die Redaktion: Wie muss man sich eigentlich den Alltag bei der Familie Menzel vorstellen. Sitzen Sie alle im Keller und tüfteln an neuen Spielideen?

Bild Kosmos
Bild Kosmos

Herr Menzel: Nein, ganz so arg ist es nicht. Aber es ist schon so, dass Andor großen Raum in unserem Privatleben einnimmt. Meine Frau hatte viele Texte und die Grundstory von Andor entwickelt. Jetzt im Oktober erscheint auch der erste Roman meiner Frau: „Die Legenden von Andor – Das Lied des Königs“ (KOSMOS). Da wir beide von zu Hause aus arbeiten, ist Andor recht häufig Thema bei uns und die Übergänge zum Privatleben sind fließend.

Die Redaktion: In einem Spielentwickler steckt doch auch ein wenig das Kind. Sind Ihre Eltern daran schuld?

Herr Menzel: Das weiß ich nicht. Mein Vater war ein sehr kreativer Mensch, lebte aber in Umständen, die ihm dafür keinen Raum ließen. Ich glaube, wenn er mit uns gespielt hat, konnte er diese Ader ein wenig ausleben. Das muss wohl auf mich abgefärbt haben.

Die Redaktion: Haben Sie als Kind mit Ihren Eltern gespielt?

Herr Menzel: Ja. Aber nicht sehr häufig. Ich habe erst spät Brettspiele für mich und meine Familie entdeckt.

Die Redaktion: Wenn Sie Kinder haben, was spielen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern? Was macht das Spielen mit Ihren Kindern aus Ihrer Sicht aus?

Herr Menzel: Spielen ist einfach eine tolle Art, miteinander Zeit zu verbringen. Ein gutes Spiel gibt einem den Raum vor, in dem man sich dann frei bewegen kann. Und Kinder lernen beim Spielen immer dazu.

Die Redaktion: Heutzutage leiden alle unter Stress und Zeitnot. Dadurch haben oder besser gesagt, nehmen sich Eltern keine Zeit, mit ihren Kindern zu spielen.

Was würden Sie Eltern raten, wie wichtig es wäre, mit ihren Kindern zu spielen?

Herr Menzel: Ich glaube nicht, dass ich jemandem etwas raten kann. Allerdings habe ich erst durch meinen Beruf als Spiele-Illustrator erfahren, dass es eigentlich für jeden Geschmack etwas gibt. Z.B. Spiele, bei denen es hauptsächlich auf Geschicklichkeit ankommt oder welche, bei denen es absolut erlaubt und sogar gewünscht ist, nicht still zu sitzen, sondern durch’s Zimmer zu flitzen.

Es gibt Spiele, bei denen man kreativ sein kann oder welche, bei denen man bluffen/lügen darf, dass sich die Balken biegen. Man muss sich eigentlich nur ein bisschen informieren und eine Seite wie ratgeberspiel.de kann natürlich dabei helfen, das passende Spiel zu finden!

Die Redaktion: Arbeiten Sie aktuell an einer neuen Spielidee? Welche Projekte haben Sie in nächster Zukunft vor?

Herr Menzel: Nein, an einer neuen Spielidee arbeite ich nicht. Ich bin ja eigentlich Illustrator und der Ausflug als Spiele-Autor wird wohl eine einmalige Sache bleiben.

Der Grund „Die Legenden von Andor“ zu entwickeln war ja, dass es etwas in dieser Form noch nicht gab. Ehe ich nicht erneut dieses Gefühl hätte, würde ich nichts Neues erfinden wollen.

Ich habe das große Glück, derzeit einige richtig schöne Spiele illustrieren zu dürfen. Da sind große Aufbauspiele genauso dabei, wie pfiffige Kinderspiele und innovative Familienspiele. Näheres darf ich zu den einzelnen Projekten natürlich noch nicht verraten. Aber es ist diese Vielfalt, die den Job so herrlich macht.

Wir bedanken uns recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben und wünschen Ihnen viel Kraft, Gesundheit und noch viele tolle Spielideen.

Herr Menzel: Ich danke Ihnen für die interessanten Fragen und wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß mit der Arbeit an kinderspielmagazin.de

Zur Person

Michael Menzel wurde 1975 geboren und lebt heute mit seiner Familie am Niederrhein. Seine große Leidenschaft für das Zeichnen begleitet ihn seit frühester Kindheit. Der Einstieg in die Spiele-Illustration glückte ihm im Jahr 2004 mit einem Spiel für den Kosmos Verlag.

Seither gestaltet er für verschiedene Verlage sowohl Kinder- als auch Familienspiele. Das Spiel „Die Legenden von Andor“ ist sein Erstlingswerk als Autor.

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Wilfried Just
Über Wilfried Just 3528 Artikel

Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kann ich selber auf fast 15 Jahre Spielerfahrung zurückblicken.

Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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