Kolejka

Bild Huch and Friends

Kolejka heißt auf Polnisch Warteschlange. Dieses Spiel soll veranschaulichen, unter welchen Bedingungen das polnische Volk jahrelang leben musste. Hier geht es um die zentral gesteuerte Planwirtschaft zurzeit der „Solidarność“. Das System war nicht in der Lage, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen.

Ihren Höhepunkt erreichte die wirtschaftliche Krise in den 70/80 er Jahren. Sie führte zu enormen Schwierigkeiten im Alltag. Die Menschen hatten zwar Geld, es gab jedoch enorme Warenknappheit. Lange Warteschlangen vor den Geschäften waren die Folge, obwohl die Menschen nicht wussten, wann die nächste Lieferung kommt, wie umfangreich sie ausfällt und was dabei sein wird.

Spielverlauf

Jeder Spieler erhält einen Einkaufszettel. Ziel ist es, alle Waren, die auf dem Zettel stehen, zu besorgen.

Jede Runde läuft nach demselben Schema ab: Anstellen in den Warteschlangen, Warenlieferung, Drängelei, Ladenöffnung, Tauschen auf dem Schwarzmarkt, Aufräumphase. Dies wird so lange wiederholt, bis ein Spieler alle Waren seines Einkaufszettels beisammen hat.

Beim Anstellen werden alle Figuren, die noch nicht anstehen, an das Ende einer beliebigen Schlange gestellt. Anschließend zieht der Spielleiter die obersten drei Karten des Lieferkartenstapels und legt sie offen auf die vorgesehenen Felder in der Spielplanmitte.

Daraufhin bestückt er die Läden gemäß der Angaben auf den Lieferkarten mit Warenkarten. In der Phase der Drängelei spielen die Spieler ihre Handkarten aus. Die Karten erlauben es zum Beispiel, sich eine Position nach vorne zu schwindeln oder überhaupt als Mutter mit Kind privilegiert behandelt zu werden.

Aber auch negative Karten sind dabei, wie etwa die Inventur oder die Fehllieferung. Durch sie werden Karten plötzlich von einem Laden in den anderen verschoben. Ist die Drängelei vorbei, kommt die Zeit der Ladenöffnung. Jetzt werden die Waren verkauft. In jeder Schlange darf sich der Besitzer der vordersten Figur zuerst eine Warenkarte seiner Wahl aus dem entsprechenden Laden nehmen.

Hat ein Spieler noch Figuren vor dem Schwarzmarkt stehen, darf er dort beliebig oft im Verhältnis 2:1 tauschen. Die Waren, auf denen die Marktfrauenfigur steht, dürfen sogar 1:1 getauscht werden.

In der Aufräumphase werden die Lieferkarten der Vorrunde abgelegt, die Marktfrau auf das nächste Schwarzmarktfeld gestellt, Handkarten aufgenommen und beliebig viele Figuren aus den Warteschlangen genommen.

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Das Spiel endet sofort, sobald ein Spieler alle Waren des Einkaufszettels beschafft hat.

Fazit

Obwohl das Spiel im polnischen Nachbarland angesiedelt ist, fühlt man sich als ehemaliger DDR-Bürger mit dem Spielthema, nämlich Schlange stehen, gleich sehr vertraut. Zu Beginn gab es viel Skepsis, ob dieses Spiel mit Spaß zu spielen ist. Dies hat sich während des Spielverlaufs schnell gelegt, denn Spielspaß war trotz des prekären Themas sehr schnell eingetreten.

Zudem hatte jeder Erlebnisse aus dieser Zeit zu berichten, die genau diese Situation beschrieben und belegten. Kolejka ist zwar thematisch ein sehr ungewöhnliches Spiel aber trotzdem zu empfehlen. Die Spielanleitung enthält nicht nur den Ablauf, sondern zudem noch Hintergrundinformationen aus der Zeit der Solidarność in Polen sowie der Einkaufssituation in der DDR, die der in Polen sehr ähnlich war.

Empfehlenswert!

Genre: Brettspiel
Verlag: Huch!
Spieler: 2 – 5
Alter: ab 12 Jahren

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Silke Stegemann
Über Silke Stegemann 119 Artikel
Schreibt und testet für das Kinderspielmagazin. Das Bild wurde von Juli gezeichnet.

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