Undercover in chinesischen Spielwarenfabriken

Bild Disney Frozen 2 Schneekugeln am Fließband in Kongxing. Foto: China Labour Watch

Pünktlich zum Kinostart des Disney-Hits „Die Eiskönigin II“ enthüllt der „Toys Report 2019“ die Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken (Sweatshops), in denen auch Merchandise-Artikel rund um die beliebten Filmgeschwister Anna und Elsa produziert werden.

Verdeckte Ermittlerinnen der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch haben im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR) als Fließband-Arbeiterinnen in chinesischen Spielzeugfabriken gravierende Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt.

Zu den Auftraggebern der fünf in gefährlichen Einsätzen untersuchten Fabriken gehören die internationalen Konzerne Disney, Hasbro, Mattel und Lego.

Eiskalt ausgebeutet
Ein Beispiel für die ausbeuterische Geschäftspraxis der Konzerne ist die Frozen II Schneekugel für 9,99 Euro. Hergestellt werden die kleinen Plastikkugeln von Basic Fun!, einem Disney-Lizenznehmer, in der untersuchten Fabrik „Kongxing“ in Guangdong. Monats-Grundlohn dort: 223,60 Euro.

Über große Händler wie MyToys oder Vedes finden die Schneekugeln mit Figuren aus dem Eisköniginnen-Universum ihren Weg in deutsche Kinderzimmer. Unter den mehr als 1.000 Fabriken in China, die laut Disneys Standortliste Lizenzprodukte herstellen dürfen, schneidet „Kongxing“ mit 99 Überstunden pro Monat und 7-Bett-Zimmern noch eher gut ab.

„Die Haltung der internationalen Spielwarenkonzerne ist auch in diesem Jahr erschreckend. Sie berufen sich auf blumige Verhaltenskodizes und wälzen die Verantwortung auf die Fabrikbesitzer ab. Stattdessen sollten sie sich endlich ernsthaft für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen“, fordert Patrick Niemann, Referent für Unternehmensverantwortung bei der Christlichen Initiative Romero.

Im Untersuchungszeitraum von Juni bis Oktober 2019, in der Produktion für das hiesige Weihnachtsgeschäft, leisteten die Arbeiter*innen 60 bis 126 Überstunden pro Monat, obwohl das chinesische Arbeitsrecht ein Maximum von 36 Stunden erlaubt.

Die Zahlung der geringen Mindestlöhne zwingt die Arbeiter*innen zu Überstunden; ihre Kinder müssen sie oft bei Verwandten auf dem Land zurücklassen. Besonders prekär sind die Zustände in den Fabrik-Unterkünften, Bettwanzen sind keine Seltenheit.

Ein verdeckter Ermittler in der Fabrik „Wing Fai Foam Products“, die für Lego produziert, berichtet: „Unser Schlafraum ist schrecklich. Der Boden hat große Löcher. Heißes Wasser müssen wir mit Eimern vom Flur in die Nasszelle unseres Zimmers tragen.“

Um langfristige Verbesserungen zu erreichen, engagiert sich die Christliche Initiative Romero, um gemeinsam mit Vorreiterunternehmen der deutschen Spielwarenindustrie, dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie sowie zivilgesellschaftlichen Akteur*innen die Schaffung einer glaubwürdigen Instanz zur Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten in der globalen Spielzeugproduktion zu realisieren.

Internationale Zusammenarbeit für fair produziertes Spielzeug
Die Christliche Initiative Romero ist Mitgründerin der europäischen „Fair Toys Coalition“. Gemeinsam mit Solidar Suisse aus der Schweiz und Action Aid Frankreich fordert sie die Spielwarenhersteller auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Fabrikfotos, deutscher und englischer Report unter: www.ci-romero.de

Disney Frozen 2 Schneekugeln am Fließband in Kongxing. Foto: China Labour Watch

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